Atemnot beim Kind: Wenn schnelle Hilfe gefragt ist
Kindernotfälle – Die Erste-Hilfe-Serie

Atemnot beim Kind: Wenn schnelle Hilfe gefragt ist

Kleine Kinder sind neugierig und untersuchen alle Gegenstände, die sie finden – auch mit dem Mund. Das kann schnell gefährlich werden. In unserer Serie stellen wir Erste-Hilfe-Maßnahmen bei kindlichen Notfällen vor – diesmal: Atemnot und Erstickungsgefahr.

Nicht nur Murmeln oder Perlen können zu Erstickungsanfällen führen. Auch nicht richtig gekautes Essen, das statt in die Speiseröhre in die Luftröhre rutscht, löst Erstickungsanfälle aus. Die Folge sind Atemnot und Erstickungsgefahr - da ist schnelle Hilfe gefragt.

Helios Atemnot und Erstickungsgefahr

Ein kleines Mädchen isst einen Apfel
Kleinkinder sollten nur unter der Aufsicht eines Erwachsenen essen | Foto: Canva

Gelangt ein Fremdkörper in die Atemwege reagiert ein Kind unverzüglich mit Husten und versucht, das Objekt auszustoßen. Es treten plötzliche Atemnot, Würgen oder ein Pfeifen bei der Atmung auf. Wenn das Kind würgt, aber immer noch husten kann, dann sollte es weiter husten – das ist immer noch die beste Methode, die Atemwege zu befreien.

„Bleibt das Husten aus oder wird weniger und der Fremdkörper verschließt die Atemwege komplett, kann es rasch zu einem Schock und Ohnmacht führen, da kein oder zu wenig Sauerstoff in das Gehirn gelangt“, erklärt Dr. Marco Thiele, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in der Helios Klinik Jerichower Land. Dann besteht akute Lebensgefahr!

Sofortmaßnahmen

Sofortmaßnahmen

Erleidet ein Kind einen Erstickungsanfall, weil es einen Gegenstand in die Atemwege bekommen hat, darf man es nicht beatmen, solange sich der Fremdkörper noch in den Atemwegen befindet und das Kind noch bei Bewusstsein ist und hustet. Das heißt: Keine Mund-zu-Mund-Beatmung und dem Kind nichts zu trinken geben! In diesem Fall sollte der Nachwuchs versuchen, kräftig zu husten, um den Fremdkörper zu entfernen.

Steckt der Fremdkörper fest und ist sichtbar, sollte nur einmal versucht werden ihn zu entfernen. Es besteht die Gefahr, dass der Gegenstand sonst verrutscht und sich die Luftnot verschlimmert.

Tipps:

  • Das Kind mit dem Bauch über die eigenen Oberschenkel legen, so dass der Kopf und die Arme herunterhängen, anschließend mit der flachen Hand mehrfach kräftig zwischen die Schulterblätter schlagen, damit der Gegenstand wieder herausgespuckt wird.
  • Sollte der Fremdkörper sich dadurch nicht gelöst haben, dann werden beim Säugling Brustkorbkompressionen und beim Kind Bauchkompressionen (Heimlich-Griff) durchgeführt. Dazu wird das Kind von hinten umfasst und die eigene geballte Faust knapp unterhalb des Brustkorbs in die Magengrube gelegt. Dann wird mit den Händen ruckartig nach innen oben gedrückt. Durch den aufgebauten Druck sollte sich der Gegenstand lösen.
  • Sollte auch diese Maßnahme nicht helfen, muss der Notruf (112) getätigt werden.
  • Beruhigen Sie das Kind, denn Panik könnte das Atmen zusätzlich erschweren.
  • Atmet das Kind nicht, wird sofort mit der Wiederbelebung begonnen.

Damit ein Kind gar nicht erst Gegenstände in die Hände bekommt, die es verschlucken kann, sollte man folgende Dinge beachten:

Vorsichtsmaßnahmen

  • Babys und Kleinkinder nicht unbeaufsichtigt lassen
  • Kleine Gegenstände in der Wohnung (Münzen, Knöpfe, Heftklammer etc.) nicht offen liegen lassen und auch in Schubladen oder Schränken unbedingt unter Verschluss halten
  • Auf kindersicheres Spielzeug achten (auf Murmeln, Kuscheltiere mit angenähten Knopfaugen oder andere Spielsachen, die sich leicht in Einzelteile zerlegen lassen, sollte man unbedingt verzichten)
  • Nüsse, besonders Erdnüsse, stellen für Kinder unter drei Jahren eine Gefahr dar. Sie können leicht eingeatmet werden und stecken bleiben. Besser darauf verzichten. Das gilt auch für Bonbons.
  • Kleine Kinder verschlucken sich oft an Karotten- oder Apfelstückchen. Auch Weintrauben, Tomaten und ähnliches Gemüse/Obst können zu Erstickungsanfällen führen! Bitte dem Nachwuchs die ganze Frucht oder ein großes Stück Mohrrübe geben statt alles klein zu schneiden. Das Kind beißt dann kleine Portionen ab, die es gut schlucken kann.
  • Dem Kind beibringen, dass es beim Laufen und Spielen nichts essen soll. So passieren viele Erstickungsunfälle erst gar nicht.