„Forschung muss nützlich für den Patienten sein.“
Förderung bei Helios

„Forschung muss nützlich für den Patienten sein.“

Wissenschaft und Forschung verändern den Klinikalltag. Für die Mitarbeiter, aber auch für die Patienten. Welche Bedeutung hat Forschung bei Helios? Wie wird sie gefördert? Auf welchen Gebieten gibt es Nachholbedarf? Ein Gespräch mit Prof. Petra Thürmann.

Prof. Dr. Petra Thürmann

stellvertretende Ärztliche Direktorin

Inhaberin des Lehrstuhls für Klinische Pharmakologie der Universität Witten-Herdecke und Leiterin des Helios Center for Research and Innovation (HCRI)

zum Profil
Wir sprachen mit Prof. Petra Thürmann, Stellvertretende Ärztliche Direktorin, im Helios Universitätsklinikum Wuppertal.

Welchen Stellenwert hat Forschung bei Helios?

Forschung hat eine große Bedeutung für Helios. Engagierte Mitarbeiter, die sich für Forschung interessieren, möchten unterstützt und gefördert werden. Das kann für Assistenzärzte interessant sein, die noch eine Promotion anfertigen möchten, aber auch für andere Mitarbeiter aus anderen Gesundheitsberufen, die einen Abschluss, sei es Master oder Promotion, vorhaben. Wenn wir uns Forschung auf die Fahnen schreiben und auch umsetzen, sind wir auch für exzellente Bewerber attraktiv. Last, but not least: Forschung sollte Resultate ergeben, die nützlich für den Patienten sind.

Wie genau funktioniert Forschung bei Helios? Reicht einfach eine gute Idee und dann kann losgeforscht werden?

Gute Ideen gibt es viele, doch der Weg zur Entwicklung einer Forschungsfrage kann schon steinig sein. Man sollte zunächst recherchieren, was dazu eigentlich schon veröffentlicht ist. Dabei erfährt man eine riesengroße Unterstützung in unserer Helios Zentralbibliothek. Als Nächstes braucht man eine Methode. Kann ich retrospektiv Daten auswerten, oder muss ich prospektiv Patienten untersuchen? Was benötige ich an Ressourcen, Zeit, Sachmitteln? Habe ich überhaupt genügend Patienten in meiner Klinik, sollten andere Häuser mitmachen? Mit einer mehr oder weniger ausformulierten Idee und Skizze kann man sich an das Helios Center for Research and Innovation (HCRI) wenden, hier werden weitere Schritte im Rahmen einer Forschungsförderung konzipiert.

Wie viel investiert das Unternehmen in die Forschung?

Allein in der Zentrale werden knapp 800.000 Euro für Fördermittel, Preise und Personalkosten bereitgestellt, um die Forschung zu unterstützen. Sicher gibt es noch auf Klinikebene weitere Unterstützung, zum Beispiel durch die Finanzierung von sogenannten Study Nurses, die die Forscher vor Ort unterstützen.

Nach welchen Kriterien werden die Projekte ausgewählt?

Bei Projekten, die durch die Helios Forschungsförderung unterstützt werden, sind zwei Dinge bedeutsam: Das Projekt muss einen potenziellen Nutzen für Helios Patienten aufweisen, das heißt, es sollte nah am Patientenbett stattfinden. Außerdem sollte es  ein relevantes Thema betreffen. Reine Grundlagenforschung ist sicher nicht die Domäne der Helios Forschungsförderung.

Wie sehen Sie die Rolle der Ärztinnen in der Forschung?

Ich würde sagen, Forscherinnen finden bei Helios genauso ihre Förderung, wie außerhalb von Helios. Es kommen aber leider weniger Anträge als von männlichen Kollegen. Ich habe mal die Anträge auf Helios Forschungsförderung der letzten drei Jahre ausgewertet: Etwa 35 Prozent der gestellten und auch bewilligten Förderanträge stammen von Frauen. Damit liegen wir immerhin mit der Frauenquote höher als die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Bei Forschung denkt man an einen einsamen Wissenschaftler am Mikroskop. Das ist wahrscheinlich nicht sehr realistisch… Wie arbeitet ein Wissenschaftler heute?

Natürlich gibt es einsame Forschungsnächte. Doch heutzutage ist jeder Forscher in ein Umfeld eingebettet, er benötigt Mitstreiter, die er auch überzeugen muss. In Forschungsverbünden steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass valide Ergebnisse herauskommen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass etwas international publiziert wird. Ohne Internet, moderne und schnelle Kommunikationswege geht nichts mehr.

In welchem Bereich wird am meisten geforscht?

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In welchem Fachbereich wird am meisten geforscht? | Grafik: Helios

Die meisten Projekte beziehen sich auf sehr praktische Fragestellungen, beispielsweise das kritische Hinterfragen, ob manche Laborwerte wirklich vor einer Operation erforderlich sind oder ob eine bestimmte Form der Regionalanästhesie einen Vorteil für den Patienten bietet.

Auf welchem Gebiet wünschen Sie sich noch mehr Forschung?

Wir stehen noch am Anfang in dem Prozess der Digitalisierung unserer Krankenhäuser und ich wünsche mir entsprechende Begleitforschung dazu. Ein Beispiel: Alle denken, dass mit einer elektronischen Verordnung von Medikamenten weniger Medikationsfehler und Nebenwirkungen auftreten. Leider ist das bisher in der Literatur noch nicht so eindeutig bewiesen. Es gibt sogar seltene, aber gegenteilige Befunde: Man verlässt sich auf den Computer und es entstehen neue Fehler. Und schon jetzt verfügen wir über einen riesigen Schatz an Daten von Helios Patienten, der leider viel zu selten gehoben wird.

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