Vaterfreuden für Lars: ein inniger Moment mit seinem Sohn
Geburt per Kaiserschnitt

Vaterfreuden für Lars: ein inniger Moment mit seinem Sohn

Als Lars zum ersten Mal seinen neugeborenen Sohn im Arm hält, fällt alle Anspannung von ihm ab. Vätern kommt bei einer Geburt ohnehin die passivere Rolle zu. Erst recht, wenn das Baby per Kaiserschnitt zur Welt kommt.

Lars erlebt das, als bei seiner Partnerin keine Wehen einsetzen: Aus der geplanten natürlichen Geburt wird eine Operation. Als alles gut überstanden ist, können die frischgebackenen Eltern die ersten Momente mit ihrem neugeborenen Sohn Mattes umso mehr genießen.

Vater hält Sohn in Armen, Mutter macht Kussmund in Richtung Baby
Mattes kam per Kaiserschnitt auf die Welt | Foto: Murat Aslan

Drei Monate später: Stolz hält Lars seinen Sohn im Arm, der mit seinen Ärmchen und Beinchen strampelt, als wolle er davonschwimmen. Mattes gluckst fröhlich, während er seine Umgebung mit den Augen erkundet. Neugierig betrachtet er die unbekannten Menschen um sich herum, dann lächelt er. „Manchmal kann ich es noch gar nicht glauben, dass ich jetzt Mutter bin“, sagt Stefanie. Für sie ist es das erste Kind, Lars ist bereits zum dritten Mal Vater geworden.

„Den Kinderwunsch hatte ich schon lange“, sagt Stefanie und fügt augenzwinkernd hinzu: „Nur bislang nicht den richtigen Mann dazu.“

Aus dem Matsch in die Liebe

Das ändert sich im Mai 2017 bei einem XLETIX-Wettkampf – einer Variante des bekannteren „Tough Mudder“. Unter den Teilnehmern, die sich durch einen matschigen Hindernisparcours kämpfen, sind auch Stefanie und Lars. Über gemeinsame Freunde lernen sie sich kennen, ein Jahr später sind sie ein Paar.

Die Beziehung funktioniert gut, schon bald steht die Kinderfrage im Raum. „Wir haben uns schon intensiv ausgetauscht“, erzählt Lars, der aus eigener Erfahrung weiß: „So niedlich Kinder sind – Sie sind auch eine Herausforderung.“ Doch je mehr die beiden reden, umso klarer wird ihnen: Ja, wir wollen gemeinsam ein Kind haben.

Danach geht es schnell. Im Februar 2019 fällt der Schwangerschaftstest positiv aus. „Das war ein wahres Gefühlsfeuerwerk“, beschreibt Stefanie diesen Moment. „Freude, Schock – alles.“ Zwei Tage bestätigt ein erneuter Test das Ergebnis. „Dann habe ich es Lars erzählt.“ Die Eltern in spe sind überglücklich.

Mattes kommt – mit Verspätung

Die Schwangerschaft verläuft reibungslos und ohne größere Beschwerden. „Im neunten Monat habe ich sogar noch Wände gestrichen“, erzählt Stefanie. Geplant ist eine normale Entbindung im nahegelegenen Helios Klinikum Berlin-Buch. „Wir wollten sichergehen, dass wir für den Fall der Fälle gut versorgt sind“, sagt sie. „Ich bin ja nicht mehr die Jüngste.“

Aber aus den Plänen für eine reguläre Geburt wird nichts: Mattes will einfach nicht kommen. „Bei mir wurden keinerlei Anzeichen für Wehen festgestellt“, sagt Stefanie. „Da war ich schon in der 42. Woche.“ Die Eltern beraten sich mit ihrer Ärztin. Mattes ist bereits überdurchschnittlich groß, man schätzt sein Gewicht auf 4.600 Gramm.

Um jedes Risiko für den Kleinen auszuschließen, entscheidet man sich gemeinsam, ihn per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen. Die Entscheidung fällt am Samstag, am Montag erscheint das Paar zum geplanten Termin.

Tiefenentspannt in den Kreißsaal

Lars sieht seinen Sohn Mattes zum ersten Mal: es ist Liebe auf den ersten Blick | Foto: Murat Aslan

Kein Taxi, keine Hektik, keine einsetzenden Wehen, kein langes Warten: „Durch den geplanten Kaiserschnitt verlief die Geburt ganz anders als die meiner anderen Kinder“, sagt Lars. „Man packt in Ruhe seine Sachen, erscheint zum vereinbarten Termin im Krankenhaus – und ehe man sich versieht, ist alles vorbei.“

Ein Kaiserschnitt ist für das Geburtshilfe-Team im Krankenhaus absolute Routine, nicht jedoch für die Eltern. „Als die Entscheidung fiel, haben wir einmal tief durchgeatmet“, sagt Stefanie. „Aber besorgt waren wir zu keiner Zeit.“ Kurz vor dem Eingriff scherzen beide sogar noch im Vorbereitungsraum. Selbst als sie in den Kreißsaal geschoben wird, wo Arzt, Hebamme, Anästhesist und OP-Schwester sie bereits erwarten, ist sie völlig ruhig. Und das, obwohl es die erste Operation ihres Lebens ist.

Ich fühlte mich noch hilfloser, als man es als Mann in dieser Situation eh schon ist. Als ich in den Kreissaal kam, konnte ich mich nur auf den Stuhl setzen und Stefanies Hand halten.

Lars über die Geburtssituation

Der Anästhesist legt eine Periduralanästhesie. So kann Stefanie die Geburt bei vollem Bewusstsein, aber ohne Schmerzen erleben. „Natürlich denkt man mal: Hoffentlich hält die Betäubung, wenn sie den Bauch aufschneiden“, beschreibt Stefanie ihre Gemütslage im Kreißsaal. „Aber die ganze Zeit über war jemand da, der mir jeden Schritt ganz genau erklärt hat: Das kommt jetzt, das passiert danach.“ Da habe sie sich entspannen können.

Während die Messgeräte bei Stefanie während des ganzen Eingriffs einen niedrigen Puls dokumentieren, erlebt Lars die Situation angespannter. „Ich fühlte mich noch hilfloser, als man es als Mann in dieser Situation eh schon ist“, erinnert er sich. „Als ich in den Kreissaal kam, konnte ich mich nur auf den Stuhl setzen und Stefanies Hand halten.“

Mann mit freien Oberkörper hält sein Neugeborenes auf der Brust
Über das Bonding wird die Beziehung zwischen Eltern und ihrem Neugeborenen gestärkt | Foto: Murat Aslan

Umso intensiver ist der Moment, in dem er seinen Mattes zum ersten Mal auf den Arm nehmen kann. „In diesem Moment fiel die ganze Anspannung ab – und es war nur noch Freude pur.“

Ein Foto hält diesen intimen Moment des ersten Bondings fest, durch den die Vater-Kind-Beziehung schon in den ersten Momenten des Lebens gestärkt werden soll: Lars, in sich gekehrt, hat sein Hemd ausgezogen, um dem Baby durch den Hautkontakt zu ermöglichen, seinen Vater kennenzulernen, ihn zu riechen und ganz nah bei sich zu spüren.

In diesem Moment fiel die ganze Anspannung ab – und es war nur noch Freude pur.

Lars nach der Geburt seines Sohnes

Ein Lächeln entschädigt für alles

Kleiner neugeborener Junge liegt auf Babydecke
Der kleine Mattes ist der ganze Stolz seiner Eltern | Foto: Murat Aslan

Noch drei Tage bleibt Stefanie nach der Geburt im Krankenhaus, bis sie ihren Mattes mit nach Hause nehmen kann. Während der ganzen Zeit helfen ihr die Mitarbeiter der Geburtshilfe durch ihre erste Zeit als Mutter.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Fürsorge einer Pflegekraft der Nachtschicht. „Ich hatte zweieinhalb Stunden am Stück gestillt und war mit den Nerven am Ende“, erinnert sie sich. „Da war sie für mich da, hat mir gut zugeredet, mich beruhigt und sich gekümmert.“ Das habe ihr in diesem Moment ungemein geholfen. „Alle waren sehr nett zu uns – aber diese Nachtschwester war besonders toll!“

Heute sind Stefanie und Lars bereits ein eingespieltes Eltern-Team. Jeder Handgriff sitzt, wenn sie den Kleinen wickeln. Mattes lässt es entspannt über sich ergehen, fühlt sich sichtbar wohl. „Er kommt ganz nach den Eltern“, sagt Lars. „Wir sind ja auch eher ruhige Typen.“

„Das gilt nicht unbedingt für die Nächte“, scherzt Stefanie. Der Zwei-Stunden-Wachrhythmus bringe sie beide derzeit um so manche Stunde Schlaf. „Stimmt’s, Mattes?“ Sie beugt sich vor und wirft ihrem Kleinen einen verliebten Blick zu. „Aber wenn er einen dann so anlächelt wie jetzt – das entschädigt für alles.“

Wenn es keine Worte braucht …