Frühchen wiegt 390 Gramm
Lena kam als Fliegengewicht zur Welt

Frühchen wiegt 390 Gramm

Die kleine Lena kam als absolutes Fliegengewicht zur Welt: Sie wog nur 390 Gramm. Das ist nur etwas mehr als eineinhalb Stückchen Butter. Viele so extrem kleine Frühchen schaffen den schwierigen Start ins Leben nicht. Lena kämpfte sich mit Hilfe ihrer Eltern ins Leben.

Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen, dann ist das Neugeborene so ausgereift, dass es das Licht der Welt erblicken kann. Die kleine Lena hingegen wog bei ihrer Geburt nur 390 Gramm bei gerade mal 26 Zentimetern. Nur eine Handvoll Mensch – und viel zu klein, um ihren Weg bereits alleine zu gehen.

Lena durfte nur 24 Wochen im Mutterleib wachsen, dann ging alles sehr schnell: Als sich Blut- und Nierenwerte ihrer Mama verschlechterten und Lenas Versorgung gefährdet war, musste sie mit einem Kaiserschnitt geholt werden. Viele Frühchen mit ähnlichem Gewicht schaffen den schwierigen Weg nicht. Manchmal kommt es zu schweren Lungenproblemen, Hirnblutungen, Sehstörungen oder motorischen Einschränkungen.

Hoffen und Bangen

Kleines Baby mit Schlauch in der Nase
Frühchen Lena wird mit Sauerstoff unterstützt | Foto: Helios

Nicht nur für den unreifen Säugling, auch für die Eltern eine herausfordernde Zeit zwischen Hoffen und Bangen, die sich über quälende Wochen hinzog. Eltern von Frühchen leiden oft stark unter der Situation. Sie fühlen sich hilflos, haben es schwer, Nähe zu ihrem Kind aufzubauen. Außerdem müssen sie mit vielen Ängsten und oft auch mit Rückschlägen bei der Entwicklung klarkommen.

Für Lena und ihre Eltern galt daher: Kuscheln unter Aufsicht. Die moderne Frühchenversorgung wie in Hildesheim bindet die Eltern stark in die Pflege der Babys ein. So erlernen sie den Umgang mit den zerbrechlichen kleinen Säuglingen. Beim „Känguruhing“ darf das unbekleidete Baby auf der nackten Brust von Mama oder Papa kuscheln. „Diese innigen Momente haben wir immer sehr genossen“, sagt Lenas Mutter. Inzwischen ist auch wissenschaftlich bewiesen, dass dieser Hautkontakt dazu beiträgt, eine gute Bindung zwischen Eltern und Kind aufzubauen, und die Entwicklungschancen der Frühgeborenen verbessert.

Lena ist stark

Kleine Babayfüße in einer großen Hand
Lenas kleine Füßchen | Foto: Helios

Trotz aller Startschwierigkeiten ist Lena ein Glückskind: Sie war bereits reifer als die meisten Frühchen in diesem Stadium. Die ersten Wochen ihres Lebens musste sie trotzdem im Inkubator auf der Frühchenstation des Helios Klinikums Hildesheim verbringen – was teilweise auch durch die Unterversorgung vor der Geburt zu erklären ist.

Dank einer intensivmedizinischen Therapie und Überwachung rund um die Uhr war es möglich, ihr zu einem sicheren Start ins Leben zu verhelfen. Lena wurde über eine Magensonde ernährt, künstlich beatmet, erhielt später Sauerstoff über eine Atemmaske, Medikamente für eine bessere Verdauung und Lungenfunktion sowie Eisen und Kalzium für die Blut- und Knochenbildung.

Glücklich in der Krippe

„Diese intensive Betreuung hat uns in der Anfangszeit viel Sicherheit gegeben“, sagt Lenas Mutter. Heute kann sie sich kaum noch vorstellen, wie winzig ihre Tochter war, als sie auf die Welt kam. Im April 2020 feiert Lena ihren zweiten Geburtstag. „Noch immer ist Lena ein bisschen kleiner und zarter als ihre Altersgenossen“, sagt ihre Mutter, „aber ansonsten hat sie keinerlei Einschränkungen.“

Sie ist ein quirliges Mädchen, das ihre ersten Schritte macht, gern in die Krippe geht und viel lacht. Und wenn Lena etwas durchsetzen will, kann sie auch einen ganz schönen Dickkopf haben. „Aber das ist gut so“, sagt ihre Mutter, „denn der Dickkopf hat ihr sicher geholfen, sich nach ihrer Geburt ins Leben zu kämpfen.“

Frühchen

Frühchen

Als Frühgeborene bezeichnet man Säuglinge, die mehr als drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommen. Das sind in Deutschland rund neun Prozent der lebend geborenen Kinder. Gesetzlich dürfen Frühchen ab der 22. Schwangerschaftswoche intensivmedizinisch betreut werden. Die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung sollte gut überdacht, vertrauensvoll besprochen und im besten Fall immer von Ärzten und Eltern gemeinsam getroffen werden. Es besteht das Risiko, dass schwere körperliche und geistige Behinderungen zurückbleiben. Daneben können Entwicklungsstörungen, Probleme mit der Lunge und dem Magen-Darm-Trakt sowie ein eingeschränktes Seh- und Hörvermögen auftreten.