Brustkrebs erfolgreich bekämpft
Ein Knoten in der Brust änderte ihr Leben schlagartig

Brustkrebs erfolgreich bekämpft

Brigitte Stieren ist ein lebenslustiger und offener Mensch. Sie spricht unbefangen über ein Thema, bei dem in unserer Gesellschaft oft Sprachlosigkeit herrscht: ihre Krebserkrankung. Vor 14 Jahren hat Brigitte Stieren einen Knoten in ihrer Brust entdeckt.

Die Untersuchung des Knotens brachte die Gewissheit, dass es sich um eine bösartige Veränderung handelte. So wurde Brigitte Stieren Patientin im Brustzentrum Neckar-Donau in der Helios Klinik Rottweil.

Klinik statt gewohnter Alltag

Kranke Frau liegt im Krankenbett und hält ihre Hand gegen die ihrer Kindes, das auf dem Stuhl sitzt.
Auch mit Kindern sollten Betroffene ehrlich und offen über die Krankheit sprechen. | Foto: Canva

In der Helios Klinik Rottweil erfuhr sie schnell, was sie als Brustkrebspatientin erwartet: Chemotherapie, Operation, Bestrahlung, Reha. Schnell wird ihr klar, dass die kommende Zeit einen Abschied vom bisherigen Alltag bedeutet. Statistisch wird jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Doch wie gehen Betroffene um mit einer Situation, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt? Was bedeutet die Diagnose für Familie und Freunde?

Brigitte Stieren sieht es eher pragmatisch. „Als klar war, dass ich einen bösartigen Tumor habe und behandelt werden muss, habe ich das getan, was mir am wichtigsten war. Ich habe sofort meine Familie informiert und dann meine Freunde angerufen.“ Die Angst, dass sie im Freundeskreis auf ihre Krankheit reduziert wird, hatte sie nicht. Der offene Umgang mit ihrer Erkrankung war ihr nicht zuletzt wegen ihres Sohnes ein Anliegen. „Man verändert sich ja auch im Laufe der Therapie, das sieht ein Kind. Und darüber muss man doch als Mutter dann reden, ganz offen.“ 

Nach dem Befund stellte sie ihr Frauenarzt im Brustzentrum Neckar-Donau vor. Seitdem weiß Brigitte Stieren auch, was ein Tumorboard ist – eine regelmäßige Konferenz von Medizinern verschiedenster Fachrichtungen, in der jeder einzelne Fall ausführlich besprochen wird. Aus der Diagnose wird dann, individuell für jede Patientin, die Therapie festgelegt. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass in die Behandlung alle medizinisch relevanten Aspekte einfließen, über alle Disziplinen hinweg, vom Frauenarzt bis zum Strahlentherapeuten.

Ambulante Chemotherapie zur Tumorverkleinerung

Kranke Frau liegt mit Kopfuch auf dem Sofa und sieht erschöpft aus.
Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. | Foto: Canva

Im speziellen Fall von Brigitte Stieren wurde die Operation des Tumors zunächst hinten angestellt. Die Mediziner hatten entschieden, die Patientin zunächst einer Chemotherapie zu unterziehen. Dr. Gerhard Bartzke, ehemaliger Chefarzt der Frauenklinik in der Helios Klinik Rottweil und Leiter des Brustzentrums Neckar-Donau, erinnert sich noch genau: „Unser Ziel war es, den Tumor vor der Operation möglichst zu verkleinern, was im Fall von Frau Stieren möglich war. Und wir konnten gleichzeitig kontrollieren, ob der Tumor auf die Chemotherapie reagiert“.

Auch Brigitte Stieren hat diese Zeit nicht vergessen – sie kam alle drei Wochen in die Rottweiler Klinik, wo ihr die Medikamente ambulant verabreicht wurden. „Auch, wenn es sich komisch anhört, aber wir waren ein ganz netter Kreis von Frauen, den das gemeinsame Schicksal hier regelmäßig zusammengebracht hat.“ Über was unterhält man sich bei solchen unfreiwilligen Treffen? „Über alles. Die Kinder, den Alltag, natürlich darüber, wie man sich fühlt. Aber wir haben auch viel gelacht!“

Was ist ein Tumorboard?

Was ist ein Tumorboard?

Wenn Frauen an Brustkrebs erkranken, ist die Behandlung stets individuell. In einer wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenz werden alle Patientinnen mit Mammakarzinom vorgestellt. Der betreuende Stationsarzt stellt den Fall der Patientin allen Teilnehmenden anhand von Befunden vor.

Anschließend wird in einer gemeinsamen Diskussion zwischen Strahlentherapeuten, Pathologen, gynäkologischen Onkologen, den Operateur sowie ggf. den niedergelassenen Gynäkologen die Therapie besprochen. Dabei werden die jeweiligen Möglichkeiten, Risiken und Chancen der Therapie berücksichtigt. Die angestrebte Therapie wird in einem Protokoll dokumentiert, über das die Patientin in einem gesonderten Termin informiert wird.

Erfolgreiche Entfernung des Tumors

Nach zwölf Mal Chemotherapie wurde Brigitte Stieren stationär im Krankenhaus aufgenommen. In der Radiologischen Praxis wurde das genaue Operationsgebiet mit einer Schlaufe markiert. Anschließend wurde der durch die Medikamente inzwischen verkleinerte Tumor von Dr. Bartzke operativ entfernt. „Dank der vorangegangenen Therapie konnten wir glücklicherweise brusterhaltend operieren“, so Dr. Bartzke. 

Der Operation folgte ein kurzer Krankenhausaufenthalt, in dem die Patientin auch Kontakt zu einem Psychoonkologen hatte, der, wie auch die Seelsorger, zum Team eines Brustzentrums gehört. „Ich bin eine robuste Natur und habe die psychologische Betreuung nicht gebraucht. Aber ich weiß von anderen Frauen, dass ihnen dieses Angebot sehr geholfen hat!“ sagt Brigitte Stieren.

Behandlungserfolg mit Happy End

Mann kuesst Frau auf Stirn, die krank ist.
Die Familie ist ein wichtiger Anker in dieser schwierigen Zeit. | Foto: Canva

Nach dem Krankenhausaufenthalt kam nahtlos der nächste Behandlungsschritt: die Strahlentherapie. 36 Mal fuhr Brigitte Stieren fast täglich zur Bestrahlung nach Villingen-Schwenningen, wo man die Patientin vom Tumorboard bereits kannte, denn auch die Strahlentherapeuten gehören als Partner zum Team des Brustzentrum Neckar-Donau.

Nach der letzten Bestrahlung war klar, dass die Behandlung bei Brigitte Stieren angeschlagen hatte, regelmäßige Nachkontrollen im Brustzentrum Neckar-Donau und beim Frauenarzt bestätigten dies. Heute gilt Brigitte Stieren als geheilt. „Ich hatte wirklich großes Glück, und das weiß ich zu schätzen. Und ich bin froh, dass ich so offen mit Familie und Freunde über diese Krankheit reden konnte und kann, das hat dem Krebs viel von seinem Schrecken genommen“.

Und heute?

„Ich habe immer daran geglaubt, dass ich wieder gesund werde, und heute geht es mir richtig gut!“, so Brigitte Stieren im Januar 2020. Sie hat den Brustkrebs besiegt und wir wünschen ihr alles Gute für die Zukunft!