Wenn Distanz plötzlich Fürsorge bedeutet
Besuchsverbot in Krankenhäusern

Wenn Distanz plötzlich Fürsorge bedeutet

Menschliche Nähe und soziale Kontakte sind für unser Wohlergehen wichtig. Doch was macht es mit einem Menschen, wenn diese zwansläufig ausbleiben? Klinikseelsorger Helmut Markowsky über das deutschlandweite Besuchsverbot in Krankenhäusern.

10 Punkte für Ihre Sicherheit

10 Punkte für Ihre Sicherheit

Sicher im Krankenhaus – trotz Corona-Pandemie. Helios hat ein 10 Punkte Sicherheitskonzept entworfen, dessen Maßnahmen Erkrankte, Besucher und Mitarbeiter vor Corona schützen. Mit dem Sicherheitskonzept gestalten wir Ihren Aufenthalt im Krankenhaus so sicher wie möglich: Beginnend mit einem individuellen Risikocheck über die strikte Trennung von Infizierten und Nicht-Infizierten bis hin zu kurzen Krankenhausaufenthalten und Videosprechstunden.

Zwei Hände halten sich
Menschliche Nähe ist für unser Wohlbefinden wichtig | Foto: Helios

Aufbauende Worte, das fröhliche Lachen des Enkelkinds oder einfach nur stilles Händehalten – der persönliche Kontakt zu Familie und Freunden kann Patientinnen und Patienten im Krankenhaus Halt und Trost spenden. Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie ist der Besuch von Angehörigen – bis auf wenige Ausnahmen – allerdings streng untersagt. Diese politische Maßnahme gilt für alle Krankenhäuser deutschlandweit und soll eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern. "Auch, wenn die Maßnahmen für viele Menschen in Krankenhäusern und deren Angehörige eine große Belastung darstellen, sind sie wichtig und unbedingt einzuhalten, um jeden Einzelnen zu schützen", betont Helmut Markowsky. Er ist seit vielen Jahren Krankenhausseelsorger in der Helios Klinik Zerbst und weiß, was ein Besuchsverbot in Krankenhäusern für alle Betroffene bedeutet.

Belastung für Patienten und Angehörige

Auch Pfarrer Markowsky ist vom derzeitigen Besuchsverbot in Krankenhäusern betroffen. Er hält Kontakt zu Patientinnen und Patienten durch Telefon und Internet. "Ich weiß, dass die Betroffenen in der Klinik die Situation als sehr schwierig und herausfordernd empfinden", erzählt der Seelsorger.

Vor allem ältere Patienten können die aktuelle Situation nur sehr schwer verstehen. So etwas hat es in ihrem langen Leben noch nie gegeben.

Helmut Markowsky, Seelsorger in der Helios Klinik Zerbst

Auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, wie die Grünen Damen und Herren, gehören altersbedingt oftmals zur Risikogruppe und können deshalb ihre Tätigkeit nicht mehr ausführen. Patienten fühlten sich ohne Besuch isoliert von der Außenwelt und könnten nur schwer ertragen, dass kein baldiges Ende der Situation in Aussicht ist. "Für die psychologische Gesundheit der Betroffenen und einen erfolgreichen Heilungsprozess ist die derzeitige Lage schlimm", sagt Helmut Markowsky. "Ich versuche den Betroffenen dann immer wieder klar zu machen, dass das Besuchsverbot allerdings die einzige Chance ist, die Corona-Krise erfolgreich zu überstehen."

Kontakthalten kennt viele Formen und Wege

Familie mit kleinem Sohn sitzt auf einem Sofa und macht ein Selfie
Videotelefonie bietet eine tolle Chance, die Liebsten am Alltag teilhaben zu lassen | Foto: Canva

Die menschliche Nähe eines geliebten Menschen ist nur schwer zu ersetzen. Dennoch gibt es Wege, für Patienten und Angehörige sich in dieser Ausnahmesituation zu verbinden. In allen Helios Kliniken wird derzeit kostenloses und flächendeckendes WLAN angeboten, genauso wie kostenlose Telefongespräche. Das soll ermutigen, zumindest digital oder am Hörer Kontakt zu den Liebsten aufzubauen.

Ein Kind malt einen Regenbogen. Auf dem Blatt Papier steht "Alles wird wieder gut"
Patientinnen und Patienten freuen sich immer über selbstgemalte Bilder | Foto: Helios

Seelsorger Markowsky meint: "Regelmäßige handgeschriebene Briefe oder gemalte Bilder vom Enkelkind können große Freude bereiten und Trost spenden". Auch Videotelefonie oder Sprachnachrichten können den Kontakt so gut es geht aufrechterhalten. Außerdem erzählt Herr Markowsky von einer kindlichen Geste, die ihm besonders ans Herz geht: Immer mehr Kinder malen Bilder für Patientinnen und Patienten, damit sich diese in der schweren Zeit an den bunten Kunstwerken erfreuen können. "Kleine Gesten können in dieser Zeit sehr viel bewirken", meint er.

Wie erkläre ich Kindern das Besuchsverbot?

Frau hat Mädchen auf ihrem Arm und tröstet sie
Versuchen Sie Ihren Kindern die Situation einfühlsam zu erklären | Foto: Canva

Vor allem die Kleinsten können oft nicht verstehen, warum Oma oder Opa plötzlich keinen Besuch mehr bekommen dürfen – unabhängig davon, ob sie sich in einem Krankenhaus befinden oder nicht. In dieser Situation rät der Seelsorger ehrlich zu den Kindern zu sein: "Erzählen Sie keine Märchen. Kinder merken, wenn sie belogen werden. Versuchen Sie kindgerecht die Wahrheit zu sagen und zeigen Sie Ihren Kindern Perspektiven auf. Erklären Sie, dass Oma und Opa wieder besucht werden dürfen, sobald sich die Situation gebessert hat", rät der Seelsorger.

Auch Mitarbeiter brauchen seelischen Beistand

Das Seelsorgeangebot von Pfarrer Markowsky richtet sich auch an die gesamte Belegschaft der Helios Klinik in Zerbst. Markowsky erlebt häufig, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Erlebte durch Gespräche mit ihm verarbeiten möchten. "Sonst bleibt oft niemand mit einem offenen Ohr", erzählt er.

Jeder möchte in so einer Situation natürlich alles richtigmachen. Das baut Druck und Ängste auf. Diese Ängste sind da und können auch nicht wegdiskutiert werden.

Helmut Markowsky, Seelsorger in der Helios Klinik Zerbst

Es sei wichtig, in einer solchen Ausnahmesituation auch mal alles rauslassen zu können, um Bedenken und Überforderung nicht nur mit sich selbst auszumachen. "In solchen Situationen bin ich gerne auch mal Blitzableiter. Ich halte eine ganze Menge aus", schmunzelt er.

Ein offenes Ohr bietet auch die Telefonseelsorge

Viele Pfarrer und Psychotherapeuten bieten derzeit die Möglichkeit der telefonischen Seelsorge an. Das ist ein Weg, trotz geschlossener Kirchen und Praxen, den Kontakt zu Hilfesuchenden nicht zu verlieren. Auch Helios bietet unter (0800) 8 123 456 eine kostenlose psychologische Beratung am Telefon an. Die Psychologinnen und Psychologen sind Teil der Helios Arbeitsmedizin. Der Service ist rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche verfügbar. Seelsorger Helmut Markowsky legt jedem ans Herz, Sorgen und Ängste zu teilen - egal in welcher Form.