Leben und Alltag mit Brustkrebs: Tipps von der Pflegefachkraft
Kampf gegen Brustkrebs

Leben und Alltag mit Brustkrebs: Tipps von der Pflegefachkraft

Die Diagnose Krebs ist für jeden Menschen zunächst ein Schock. Die meisten wollen als erstes wissen: Was bedeutet die Krebs-Erkrankung für mein Leben? Wie werde ich wieder gesund? Und welche Therapie wird mir empfohlen?

Bettina Aldenkirchs

Breast Care Nurse im Brustzentrum im Helios Klinikum Krefeld

Als Breast Care Nurse weiß Aldenkirchs, welche Herausforderungen das Leben mit Brustkrebs mit sich bringt.

Bei Brustkrebserkrankungen stellen sich vielen Frauen zusätzlich ganz praktische Fragen, die das Leben mit der Angst und den Alltag mit der Krankheit betreffen: Wie gehe ich mit Haarausfall um? Wie beeinflusst die Diagnose meine Familienplanung? Und wie gelingt später der Wiedereinstieg in den Job? Bettina Aldenkirchs, Breast Care Nurse aus dem Brustzentrum im Helios Klinikum Krefeld, beantwortet diese und weitere Fragen rund um das Leben mit Brustkrebs.

brustkrebsvorsorge

Bitte beachten Sie:

Zwar können auch Männer einen Tumor in der Brust bekommen, jedoch sehr viel seltener. Darum richten sich die folgenden Informationen zum Thema Brustkrebs in erster Linie an Frauen. Da Brustkrebserkrankungen sehr unterschiedlich verlaufen können, sollten alle Maßnahmen stets individuell mit den behandelnden Ärzten entschieden werden.

Sport und gesunde Ernährung: Wie Sie zu Vorsorge und Genesung beitragen können

Zwei Frauen beim Joggen
Sportliche Betätigung tut dem Körper gut | Foto: Canva

Ein normales Körpergewicht und eine gesunde Ernährung tragen nicht nur zur Vorbeugung von Krebserkrankungen bei. Sie verbessern auch die Heilungschancen von Patientinnen, die an Krebs erkrankt sind.

Dagegen erhöhen Adipositas und Übergewicht das Risiko für eine Krebserkrankung in der Brust. Zugleich verschlechtert Übergewicht die Prognose für eine Genesung. Glücklicherweise gibt es zwei wirksame Mittel, um das eigene Gewicht auf ein normales Level zu bringen: gesunde Ernährung und sportliche Betätigung.

Gesund ernähren: Viele Pflanzen, wenig Fleisch

Obst und Gemüse
Wir empfehlen eine ausgewogene, mediterrane Ernährung | Foto: Canva

Grundsätzlich empfehlen wir eine ausgewogene, mediterrane Ernährung. Dabei liegt der Fokus auf pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Fleisch und Wurstwaren sollten dagegen ebenso reduziert werden wie Alkohol, Zucker und Weißmehl.

Sport treiben: Ausdauer und Entspannung

Auch körperliche Aktivität und ein aktives Leben tragen zur Vorsorge gegen Krebs bei und unterstützen den Genesungsprozess. Wir empfehlen zum Beispiel Gerätetraining und Ausdauertraining, etwa in Form von Sportarten wie Walken, Schwimmen und Fahrradfahren. Auch Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation und Chi Gong können den Körper beim Kampf gegen den Krebs unterstützen.

Allgemein können alternative und komplementäre Methoden in Kombination mit Sport, Ernährung oder Mind-Body-Medizin die schulmedizinische Krebsbehandlung ergänzen. Ersetzen können sie diese allerdings nicht.

Haarausfall, Hautprobleme, Erschöpfung: Wie Sie gegen Nebenwirkungen vorgehen können

Frau mit Kopftuch
Eine Begleiterscheinung der Chemotherapie: Haarausfall | Foto: Canva

Wer an Krebs erkrankt, hat während der Therapie mit diversen Begleiterscheinungen zu kämpfen. Neben Schmerzen und starker Erschöpfung sind einige dieser Nebenwirkungen auch äußerlich sichtbar, etwa Haarausfall und Hautprobleme. Gerade für junge Frauen können diese Erfahrungen sehr belastend sein.

Haarausfall nach Chemotherapie vermeiden

Bettina Aldenkirchs und eine Patientin im Austausch | Foto: Helios

Der mögliche Verlust des Haupthaars macht fast jeder Frau zu schaffen. In den letzten Jahren wurden jedoch Methoden entwickelt, die dabei helfen können, Haarausfall infolge einer Chemotherapie zu verhindern oder wenigstens deutlich zu reduzieren.

„Eine solche Methode ist die sogenannte Kopfhautkühlung („Scalp Cooling“). Dabei wird die Temperatur der Kopfhaut mithilfe einer sogenannten Kältekappe („Cool Cap“) gesenkt“, erklärt Bettina Aldenkirchs, Breast Care Nurse aus dem Brustzentrum im Helios Klinikum Krefeld. Durch die Kühlung verringert sich die Durchblutung der Haarfollikel, die somit von der Chemotherapie weniger angegriffen werden. Der Haarausfall kann dadurch gemindert oder sogar ganz verhindert werden.

Nicht immer helfen allerdings solche Methoden. „Betroffene sollten sich daher gedanklich auf die Möglichkeit eines Haarverlustes einstellen. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen wachsen die Haare etwa vier bis sechs Wochen nach einer überstandenen Therapie wieder nach“, erläutert Bettina Aldenkirchs.

Wer den kahlen Kopf bis dahin subtil kaschieren möchte, dem bieten sich verschiedene Möglichkeiten. Klarheit kann eine Beratung in einem Perückenstudio oder Haarsalon des Vertrauens schon im Vorfeld verschaffen. Inzwischen gibt es gutsitzende und individuell angepasste Perücken, die wie echtes Haar aussehen. Auch Kopfbedeckungen wie Kopftücher empfinden viele Patientinnen als gute Lösung, um sich in der Öffentlichkeit wohler zu fühlen.

Betroffene sollten sich daher gedanklich auf die Möglichkeit eines Haarverlustes einstellen. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen wachsen die Haare etwa vier bis sechs Wochen nach einer überstandenen Therapie wieder nach.

Bettina Aldenkirchs | Breast Care Nurse aus dem Brustzentrum im Helios Klinikum Krefeld

Schmerzen nach einer Operation lindern

Die wichtigste Information vorweg: Kein Patient muss bei einer Operation unter Schmerzen leiden. Bei Eingriffen aller Art werden starke körperliche Beschwerden effektiv nach einem Medikamentenplan behandelt, so auch bei der Tumor-Operation.
 
Auch andere während der Behandlung auftretende Beschwerden können gezielt und wirksam behandelt werden. Dafür arbeitet der behandelnde Arzt oft mit einem sogenannten „Schmerzteam“ zusammen, das auf die Behandlung von Schmerzen spezialisiert ist.

Hautprobleme in den Griff bekommen

Während einer Behandlung kann die Haut angegriffen werden, etwa bei einer Bestrahlung. Da Hautprobleme oftmals gut sichtbar sind, erleben viele Betroffene sie als ähnlich belastend wie Haarausfall.

Zwar können schwere Hautschäden dank moderner Bestrahlungsgeräte heute weitgehend vermieden werden. Jedoch kann die Bestrahlung des Krebs auch der Haut zusetzen und Rötungen, Schwellungen sowie andere Reizungen hervorrufen, die längere Zeit sichtbar bleiben.

„Mit der richtigen Pflege lassen sich solche Hautprobleme häufig lindern. Das Klinikpersonal informiert daher vor einer Strahlentherapie eingehend, wie die Haut währenddessen und danach gepflegt werden sollte – zum Beispiel mit Wasser und einer rückfettenden Lotion“, erklärt Bettina Aldenkirchs.

Mit der richtigen Pflege lassen sich solche Hautprobleme häufig lindern. Das Klinikpersonal informiert daher vor einer Strahlentherapie eingehend, wie die Haut währenddessen und danach gepflegt werden sollte – zum Beispiel mit Wasser und einer rückfettenden Lotion.

Bettina Aldenkirchs | Breast Care Nurse aus dem Brustzentrum im Helios Klinikum Krefeld

Müdigkeit akzeptieren

Eine Frau mit Kopftuch liegt im Bett
Viele Krebspatientinnen leiden unter dem "Fatigue"-Syndrom | Foto: Canva

Eine Krebstherapie ist anstrengend und ruft bei vielen Patienten – ob Mann oder Frau – schwere Erschöpfung hervor. Lässt sich die Müdigkeit durch körperliches Schonen und langes Schlafen nicht in den Griff bekommen, redet man von „Fatigue“. Die akute Fatigue während einer Krebsbehandlung kann sich zu einer chronischen Fatigue entwickeln, wenn die starke Erschöpfung noch Monate oder sogar Jahre nach der Behandlung anhält.

Patientinnen sollten versuchen, diesen Zustand in ihrem Leben vorübergehend zu akzeptieren und ihren Alltag entsprechend einzurichten. Das bedeutet, alle Art von Aktivitäten langsam anzugehen, Prioritäten zu setzen und den Tagesablauf nach dem eigenen körperlichen Vermögen zu planen.

Wichtig ist auch ein guter Schlaf. Möglichen Schlafproblemen können Sie mit verschiedenen Techniken begegnen. Eine angenehme, störungsfreie Schlafumgebung kann ebenso zu einem gesunden Schlaf beitragen wie allabendliche Einschlaf-Rituale – etwa Meditation, Musik oder Techniken zur Entspannung. „Auch sportliche Aktivitäten befördern das Einschlafen, wenn diese nicht zu knapp vor dem Schlafengehen ausgeübt werden. Stress sollte dagegen unbedingt vermieden werden“, erklärt Bettina Aldenkirchs.

Sexualität, Familienplanung, Wechseljahre: Was Sie bei Brustkrebs beachten sollten

Eine Frau hält Tabletten in den Händen
Hormonelle Verhütungsmethoden können das Tumor-Wachstum anregen | Foto: Canva

Eine Krebsbehandlung kann den Körper verändern. Diese Veränderungen und die angeschlagene Gesundheit können das Selbstbewusstsein, das Selbstwertgefühl und damit die Lebensqualität eines Menschen stark beeinträchtigen.

Sexualität und Verhütung bei Brustkrebs

Nach einer Krebsdiagnose sollten Frauen, die per Antibabypille verhüten, auf alternative Verhütungsmittel umsteigen. Hormonelle Verhütungsmethoden wie Pille, Hormonpflaster oder Hormonspirale können das Wachstum des Tumors anregen.

Einer normalen Sexualität steht ansonsten in der Regel nichts im Wege. Körperliche Veränderungen, etwa infolge einer Operation oder einer Chemotherapie, können jedoch eine psychische Barriere hervorrufen. Viele Frauen müssen sich erst umgewöhnen und ein neues Gefühl für ihren Körper entwickeln. Einige schämen sich anfangs vor ihrem Partner. Das wiederum kann sich negativ auf das Intimleben auswirken.

Wer in seiner Partnerschaft Scham empfindet, sollte möglichst offen über das Thema sprechen. Das fällt leichter, wenn der Partner von Anfang an in die Erkrankungssituation einbezogen wurde. Manchmal sind jedoch beide Partner durch die Situation so stark verunsichert, dass der Weg zu einer Paarberatung helfen kann.

Familienplanung und Fruchtbarkeit

Bettina Aldenkirchs berät eine Patientin | Foto: Helios

Im Vorfeld einer Krebstherapie sollte die Familienplanung geklärt werden. Wer sich ein Kind wünscht, muss den Traum, Mutter zu werden, keinesfalls aufgeben. Beim Thema Nachwuchs bestehen heute verschiedene Möglichkeiten, um die Fruchtbarkeit etwa bei einer Chemotherapie zu erhalten. Eine dieser fertilitätsprotektiven Maßnahmen ist die sogenannte Kryokonservierung. Dabei werden Eizellen oder Ovarialgewebe in flüssigem Stickstoff eingefroren.

Der behandelnde Frauenarzt arbeitet dabei mit FertiPROTEKT zusammen, einem Zusammenschluss von Kliniken und Praxen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, um Müttern den Wunsch nach einem (weiteren) Kind auch nach der Diagnose Brustkrebs zu erfüllen.

Beschwerden durch Hormonentzug

Bei einer Erkrankung mit hormonabhängigem Brustkrebs können spezielle, hormonhemmende Medikamente verabreicht werden. Durch den Hormonentzug können Wechseljahresbeschwerden auftreten wie Hitzewallungen, Gelenkschmerzen sowie Unruhe, Fahrigkeit und depressive Verstimmungen. Auch kann sich die Knochendichte verringern (Osteoporose).

Lindern lassen sich solche Beschwerden mit alternativen Mitteln wie Remifemin oder Vitamin E, aber auch durch Akupunktur und körperliche Aktivität. Wird eine Osteoporose diagnostiziert, können Bisphosphonate helfen. Dabei handelt es sich um Medikamente, die einen übermäßigen Knochenabbau hemmen.

Der Kampf gegen den Krebs findet nicht nur im Körper statt, sondern auch im Kopf. Die psychische Belastung ist für Patienten wie Angehörige oft gleichermaßen hoch. Betroffenen stehen daher zahlreiche Anlaufstellen und Angebote zur Verfügung, bei denen sie sich beraten lassen können.

Informationen rund um die Krebserkrankung

Nach einer Brustkrebsdiagnose beantworten Hausärzte erste allgemeine Fragen rund um die Erkrankung und die Therapie. Nach der Diagnose sollten sich Patientinnen an ein zertifiziertes Brustzentrum wenden. Hier informieren spezialisierte Frauenärzte (Senologen) und Fachpflegeschwestern (Breast Care Nurses) über die vielfältigen Möglichkeiten und Abläufe der Behandlung.

Schriftliches Informationsmaterial in verständlicher Form bieten die sogenannten „blauen Ratgeber“. Sie können auf der Website der Deutschen Krebshilfe kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden. Im Internet finden sich auch weitere Informationen, etwa auf den Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft, des Deutschen Krebsforschungszentrums oder der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie.

Bleiben Fragen offen, stehen im Behandlungsverlauf Ärzte und Fachkräfte aus verschiedenen Fachbereichen zur Seite. Sie sind auf die Behandlung von Brustkrebs spezialisiert und wissen die Antworten auf alle wichtigen Fragen zum Thema Brustkrebs.

Psychologische Unterstützung

Zwei Frauen unterhalten sich
Psychologische Hilfe kann Krebspatientinnen unterstützen | Foto: Canva

Die psychologischen Unterstützungsmaßnahmen bei Brustkrebs sind ebenfalls vielfältig.  So können Psychoonkologen Krebspatientinnen dabei helfen, mit ihrer Angst umzugehen und die psychischen Herausforderungen der Krankheit.

Die Frauenselbsthilfe Krebs bietet ebenfalls umfassende Hilfestellung und Beratung im gesamten Krankheitsverlauf an. Hier werden auch psychologische und sozialrechtliche Fragen beantwortet. Und Seelsorge-Angebote, bei denen Erkrankte und Angehörige Trost finden, können auch telefonisch und inzwischen zumeist sogar digital genutzt werden.

Vielen Krebspatienten hilft es ganz besonders, mit Menschen in der gleichen Lage zu sprechen. Denn so sehr Angehörige und Freunde auch unterstützen: Andere Betroffene können nicht nur Tipps und eigene Erfahrungen weitergeben. Sie können auch die eigene Situation besser verstehen. Solche Selbsthilfegruppen tauschen sich heute ebenfalls vermehrt in sozialen Netzwerken im Internet aus. Man findet sie aber auch in vielen Städten ganz klassisch vor Ort.

Viele Erkrankte möchten nach ihrer Genesung schnell wieder in ihren Beruf zurückzukehren, um mit dem Start in ihr neues Leben ein „Stück Normalität“ zurückzugewinnen.

Der Sozialdienst in zertifizierten Brustzentren berät daher auch über Möglichkeiten der Wiedereingliederung in den beruflichen Alltag. Wie die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit genau aussehen kann, wird individuell abhängig vom Alter und von der Schwere der Erkrankung ermittelt.

Beratung für Patientinnen ohne Heilungschance

Während ein Tumor in der Brust im frühen Stadium und ohne Metastasen gut behandelt werden kann, ist fortgeschrittener Brustkrebs bis heute leider nicht heilbar. In der letzten Zeit wurde jedoch eine ganze Reihe von Verfahren und Medikamenten entwickelt, die die Lebenszeit in diesem fortgeschrittenen Stadium bei guter Lebensqualität deutlich erhöhen können.

Über Behandlungsmöglichkeiten bei metastasiertem Brustkrebs wie Antihormontherapie, PARP-Inhibitoren oder Immuntherapie informieren die medizinischen Spezialisten direkt im Brustzentrum.

Patienten, die eine unheilbare Diagnose erhalten, können eine Zweitmeinung in einem anderen Brustzentrum einholen. Auch bietet sich betroffenen Frauen die Möglichkeit, in einer klinischen Studie zum ersten Mal neue Medikamente noch vor ihrer Zulassung zu testen.

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