Heller Hautkrebs Heilungschancen, Prognose und Nachsorge

Die meisten Formen des hellen Hautkrebses haben keinen Einfluss auf die Lebenserwartung der Betroffenen. Rund 230.000 neu erkrankten Patienten (Stand: 2016) stehen knapp 900 Todesfälle entgegen.

Heller Hautkrebs in Zahlen

Der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von weißem Hautkrebs ist die UV-Strahlung. Eine große Zahl an Basaliomen und Plattenepithelkarzinomen geht auf den ungeschützten Aufenthalt im Freien bei hoher UV-Strahlung oder auf die Nutzung von Solarien beziehungsweise künstlichem UV-Licht zurück.  

In Deutschland führt das Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut die Zahlen über die Neuerkrankungen und Überlebensraten bei Krebserkrankungen zusammen. Gemeinsam mit der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e. V. (GEKID) veröffentlicht das Zentrum alle zwei Jahre den Bericht „Krebs in Deutschland“ [1], der das Geschehen im Bereich der onkologischen Erkrankungen dokumentiert.

Für den weißen Hautkrebs stellt der Bericht die Neuerkrankungen, Sterbefälle und Überlebensrate wie folgt dar:

Tabelle mit der Zahl der Neuerkrankungen, Sterbefälle und Überlebensraten in Deutschland bei hellem Hautkrebs
Übersicht über die Zahl der Neuerkrankungen, Sterbefälle und Überlebensraten in Deutschland bei hellem Hautkrebs. | Diagramm: Helios, Quelle: [1]

Lebenserwartung bei weißem Hautkrebs

Säulendiagramm zur Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Diagnose Heller Hautkrebs
Diagramm: Helios | Quelle: nach [1]

Mit Ausnahme des seltenen Merkelzellkarzinoms haben alle Tumore des weißen Hautkrebses sehr gute Heilungschancen und beeinflussen die Lebenserwartung kaum. Das Merkelzellkarzinom ist eine sehr seltene und hochaggressive Form des hellen Hautkrebses, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei rund 70 Jahren [2].

Folgendes Diagramm zeigt, wie viele Patienten je Tumortyp fünf Jahre nach der Diagnose noch leben („Fünf-Jahres-Überlebensrate“):

Heilungschancen Basaliom

Die häufigste Form des weißen Hautkrebses, das Basaliom, beeinflusst die Lebenserwartung in der Regel nicht. Basaliome können zwar sowohl in der Fläche als auch in die Tiefe wachsen, bilden aber im Allgemeinen keine Metastasen.

Heilungschancen Spinaliom

Beim Plattenepithelkarzinom kommt es ganz besonders darauf an, dass man es erkennt, solange es noch keine fortgeschrittene Tumordicke oder- größe erreicht hat. Spinaliome mit einem Durchmesser von maximal 1 Zentimeter sind meist komplett heilbar.

Hat der Hautkrebs allerdings in andere Organe gestreut, gestaltet sich die Behandlung in den meisten Fällen schwieriger. Liegen bestimmte Risikofaktoren vor, erhöht sich zudem die Wahrscheinlichkeit, dass das Plattenepithelkarzinome Metastasen bildet. Dazu zählen laut S3-Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften [3]:

  • ein horizontaler Tumordurchmesser von mehr als 2 Zentimetern
  • eine vertikale Tumordicke von mehr als 6 Millimetern
  • ein hoher Differenzierungsgrad von G3 oder G4 
  • Lokalisation des Spinalioms an Unterlippe oder Ohr
  • die Einnahme von Immunsupressiva 
  • Tumor ist Bindegewebe bildend 
  • die Ausbreitung des Tumors entlang von Nerven (perineurales Wachstum)

Bedeutung des Differenzierungsgrades

Die Wachstumsgeschwindigkeit eines Spinalioms spiegelt sich unter anderem im histologischen Grad der Krebszellen wider. Je höher dieser ist, desto schneller teilen sich die Krebszellen und desto aggressiver wächst der Tumor.

Krebszellen werden in der Regel in vier verschiedene histologische Grade unterteilt:

  • G1: gut differenziert
  • G2: mäßig differenziert
  • G3: schlecht differenziert
  • G4: nicht differenziert

Gut differenzierte Zellen (G1) ähneln den gesunden Zellen am stärksten, ihr Wachstum ist weniger aggressiv. Bei mäßig differenzierte Zellen (G2) spricht man von einer mittleren Bösartigkeit. Diese Zellen teilen sich schneller als in G1 aber weniger schnell als in G3. Schlecht differenzierte Zellen (G3) weisen große Unterschiede zu gesunden Zellen auf, sie teilen sich schnell, der Krebs wächst aggressiv. Die größten Unterschiede zu gesunden Zellen und auch das aggressivste Wachstumsverhalten zeigen jedoch die nicht differenzierten Zellen (G4).  

Heilungschancen Merkelzellkarzinom

Wird das Merkelzellkarzinom in einem zeitigen Stadium diagnostiziert, überleben bis zu 75 Prozent der Patienten die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Wenn der Tumor in einem fortgeschrittenen und metastasierten Stadium erkannt wird, ist die Prognose deutlich schlechter: Schätzungsweise 17 Prozent der Patienten leben in diesem Fall noch fünf Jahre nach der Diagnose.    Heller Hautkrebs Nachsorge 

Um einen Krankheitsrückfall, das Rezidiv, oder auch einen neuen Hauttumor frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig. Menschen, die bereits einmal an weißem Hautkrebs erkrankt waren, haben ein erhöhtes Risiko, nochmals daran zu erkranken. Je nachdem, welche Form des hellen Hautkrebses vorlag, kann sich die Nachsorge unterschiedlich gestalten.

Unmittelbar nach der Behandlung des weißen Hautkrebses bekommen die Patienten von ihrem behandelnden Arzt ein Nachsorgeschema. Je nachdem, ob es sich bei dem bösartigen Hauttumor um ein Basaliom oder ein Spinaliom gehandelt hat und abhängig von weiteren Risikofaktoren werden die Intervalle und die Dauer festgelegt. Auch wird bestimmt, welche Untersuchungen vorgenommen werden.

Nachsorge Basaliom

Zwischen den regelmäßigen Vorstellungen zur Nachsorgeuntersuchung beim Hautarzt wird eine ebenso regelmäßige Selbstuntersuchung des gesamten Körpers empfohlen. Wichtig dabei ist die Untersuchung der Narbe und der Narbenumgebung im Bereich des behandelten Tumors sowie die Untersuchung des restlichen Körpers.

Auf folgende Punkte sollte geachtet werden:

  • Neue kleine, hautfarbene bis hellrötliche Pickel und Knoten im Narbenbereich oder anderen Körperstellen v. a. in den sonnenexponierten Arealen
  • Blutende Hauterhabenheiten
  • Flache, wie Narben aussehende Hautveränderungen, die an Größe zunehmen und häufig erweiterte Gefäße aufweise

Die Nachsorge orientiert sich an den aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO). Die klinische Nachsorge erstreckt sich über einen Zeitraum von mindestens drei Jahre

Patienten mit Anamnese und körperliche Untersuchung 1.-3. Jahr Anamnese und körperliche Untersuchung ≥ 4. Jahr
- oberflächlichen Wachstumsformen

- eindeutig abgrenzbare Tumore
alle 6 Monate alle 12 Monate
- Lokalrezidiven

- nicht vollständig chirurgisch entfernten Tumoren

- tief in Gewebe oder Knorpel eingedrungenem Basaliom

- genetisch bzw. erblicher Veranlagung

- erhöhtem Risiko auf weitere neue Tumore bei Immunsuppression
alle 3 Monate (ggf. individuell noch engmaschigere Nachsorge festzulegen) Je nach Befund Fortsetzung der Nachsorge, gegebenenfalls lebenslang

 

Nachsorge Spinaliom

Auch in der Nachsorge des Plattenepithelkarzinoms wird ergänzend zu den regelmäßigen Vorstellungen beim Hautarzt zu einer Selbstuntersuchung des gesamten Körpers geraten.

Wichtig dabei ist:

  • die Untersuchung der Narbe und der Narbenumgebung im Bereich des behandelten Tumors
  • die Untersuchung des restlichen Körpers
  • die Untersuchung der im Abflussgebiet des Spinalioms liegenden Lymphknoten (z.B. bei einem Spinaliom im Gesicht die Lymphknoten im Bereich des Halses)

Bei der Untersuchung ist auf folgende Punkte zu achten: Verhornende, schuppende rötliche, langsam wachsende Knoten, teils mit Krusten bedeckt, die vor allem an den stark der Sonne ausgesetzten Körperstellen wie Gesicht, Unterlippe, Ohren, Kopf (vor allem haarlose Areale) oder Handrücken vorkommen.

Die Nachsorge orientiert sich an den aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie.

Umfang und Frequenz der Nachsorgeuntersuchungen sind dabei von folgenden Faktoren abhängig:

  • dem maximalen Tumordurchmesser
  • der maximalen Tumordicke
  • der Ausdehnung ins Unterhautfettgewebe
  • dem Patientenalter
  • der Anzahl der invasiven Tumoren in den letzten drei Jahren
  • eventuellen Rezidiven
  • der Histologie des Tumors (Zelltypen des Tumors).

Der Nachsorgezeitraum erstreckt sich dabei über mindestens fünf Jahren.

Patienten mit körperliche Untersuchung 1.-5. Jahr* Lymphknotensonographie 1.-5. Jahr Bildgebung
Plattenepithelkarzinom mit niedrigem Metastasierungsrisiko alle 6 Monate nur bei unklarem oder schwierig zu erhebenden Tastbefund fakultativ je nach Befund
Plattenepithelkarzinom mit hohem Metastasierungsrisiko

T3 Tumor:

- mehr als 4cm in der größten Ausdehnung

- oder oberflächliche Knocheninvasion

- oder Eindringen des Plattenepithelkarzinoms in den einen Nerv umgebenden Raum (perineurale Invasion)

- oder tiefe Invasion (Eindringen des Tumors jenseits des subkutanen Fettgewebes oder > 6mm)

oder Vorliegen folgender Kriterien:

- Merhfachtumore (inklusive genetischer Veranlagung)

- Immunsupression

- lokal rezidivierend

- Tumor nicht komplett chirurgisch entfernt
alle 3 Monate alle 3 bis 6 Monate fakultativ je nach Befund

* gegebenenfalls lebenslange Nachkontrolle nötig

Nachsorge Merkelzellkarzinom

Die Nachsorge des Merkellzellkarzinoms wird ebenfalls geprägt durch die Kombination von regelmäßigen Vorstellungen beim Hautarzt sowie der Selbstuntersuchung des gesamten Körpers und der Lymphknoten.

Wichtig dabei ist:

  • die Untersuchung der im Abflussgebiet des Merkelzellkarzinoms liegenden Lymphknoten (z.B. bei einem Merkelzellkarzinom am Unterschenkel die Lymphknoten in der Kniekehle und Leiste)
  • die Untersuchung der Narben im Bereich des entfernten Tumors sowie gegebenenfalls im Bereich der Wächter-Lymphknoten-Entfernung

Auf folgende Punkte sollte geachtet werden:

  • Vergrößerung oder Verhärtung der Lymphknoten
  • Knoten im Narbenbereich sowohl unter der Haut als auch neue hautfarbene oder pigmentierte Knoten an der Haut

In allen genannten Fällen sollten Sie schnellstmöglich Ihren behandelnden Hautarzt informieren.

Die Nachsorge des Merkelzellkarzinomes richtet sich nach der aktuellen S2k-Leitlinie zum Merkelzellkarzinom [4]. Umfang und Frequenz der Nachsorgeuntersuchungen orientieren sich am Tumorstadium. Der Nachsorgezeitraum erstreckt sich über mindestens zehn Jahre. Anschließend sollten einmal jährliche klinische Kontrollen beim Hautarzt durchgeführt werden.

Patienten mit Körperliche Untersuchung Lymphknoten-Ultraschall Röntgenuntersuchung des Brustkorbs  
Primärtumor 1. Jahr: Alle 6 Wochen

2. Jahr: Alle 3 Monate

3.-5. Jahr: Alle 6 Monate
1. Jahr: Alle 3 Monate

2. Jahr: Alle 6 Monate

3.-5. Jahr: Alle 12 Monate
1.-5. Jahr: 1 x pro Jahr  
lokale Metastasen in maximal zwei Zentimetern Entfernung vom Ursprungstumor

oder

Metastasierung in nahe oder entfernte Lymphknoten

oder

Fernmetastasierung
1. Jahr: Alle 6 Wochen

2.-5. Jahr: Alle 3 Monate

6.-10. Jahr: Alle 6 Monate
1. Jahr: Alle 3 Monate

2.-5.Jahr: Alle 3 - 6 Monate

6.-10. Jahr: 1 x pro Jahr
 
1. Jahr: Alle 6 Monate*

2.-5. Jahr: Alle 6 Monate*

6.-10. Jahr: -
 

* unter laufender Therapie als Therapiekontrolle alle 3 Monate

Die Inhalte dieser Seite wurden in Zusammenarbeit mit unserem Experten erstellt

11.01.2021
Prof. Dr. med. Alexander Kreuter
Chefarzt Dermatologie, Venerologie und Allergologie sowie Leiter Hauttumorzentrum in der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen Prof. Dr. med. Alexander Kreuter
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