Darmkrebs Ursachen, Risikofaktoren und Vorbeugung

Darmkrebs Ursachen, Risikofaktoren und Vorbeugung

Rund 90 Prozent aller Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut, den Darmpolypen (Adenome). Polypen innerhalb einer Darmspiegelung frühzeitig zu entdecken und zu entfernen ist deswegen eine sogenannte primäre Prävention, heißt: Man verhindert den Krebs, bevor er entsteht.

Die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs sind nicht eindeutig geklärt. Einige Faktoren scheinen jedoch das Risiko für eine Darmkrebserkrankung zu erhöhen. Dazu zählen:

  • Rauchen
  • Übergewicht (BMI > 25)
  • Bewegungsmangel
  • ballaststoffarme Ernährung
  • häufiger Verzehr von rotem Fleisch (Rind, Kalb, Schwein und Lamm) und verarbeitetem Fleisch
  • hoher Alkoholkonsum (mehr als 45g Alkohol pro Tag)
  • familiäre Veranlagung und vererbte Genmutation
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
  • Diabetes mellitus

Kann Darmkrebs vererbt werden?

Bei rund fünf bis zehn Prozent aller Darmkrebserkrankungen liegt eine familiäre Veranlagung vor. Ist ein Verwandter ersten Grades, wie Eltern, Geschwister oder Kinder an Darmkrebs erkrankt, steigt das eigene Erkrankungsrisiko um das zwei- bis dreifache. Sind mehrere nahe Familienmitglieder betroffen oder hat ein Verwandter vor dem 60. Lebensjahr die Diagnose Darmkrebs erhalten, erhöht sich das Erkrankungsrisiko um das drei- bis vierfache.

Neben dem familiären Risiko gibt es zudem die Möglichkeit, dass Darmkrebs in der Familie vererbt wird. Die zwei häufigsten Darmkrebsformen, die auf genetische Faktoren zurückgehen, sind das Lynch-Syndrom (HNPCC) sowie die familiäre adinomatöse Polyposis (FAP). Betroffene haben ein besonders hohes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Hier empfiehlt sich eine frühzeitige Darmkrebsvorsorge.

Mit dem Zentrum für hereditäre Tumorerkrankungen am Helios Universitätsklinikum Wuppertal gehört die bundesweit einzige chirurgische Fachabteilung, die sich primär mit der Betreuung von Familien mit einer familiären oder erblichen Veranlagung zu bösartigen Erkrankungen beschäftigt, zum Helios Netzwerk Krebsmedizin.

Prof. Dr. med. Christian Prinz, Leiter des Darmkrebszentrums Wuppertal, beschreibt die Risikogruppen, die sich frühzeitig einer Darmspiegelung unterziehen sollten.

Das Lynch-Syndrom

Das Lynch-Syndrom oder HNPCC steht für „hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom“. Es macht schätzungsweise ein bis drei Prozent aller Darmkrebserkrankungen aus. Ursache für die Krebsbildung ist hierbei die erbliche Veranlagung zur Mutation der sogenannten DNA-Mismatch-Reperaturgene.

Die Diagnose HNPCC ist dann wahrscheinlich, wenn bereits mehrere Familienmitglieder an Dickdarmkrebs erkrankt sind.

Auch bei diesem Krankheitsbild entstehen die bösartigen Tumore aus gutartigen Polypen (Adenome). Im Gegensatz zur familiären adenomatösen Polyposis (FAP) treten beim Lynch-Syndrom aber sehr viel weniger Polypen auf, weswegen HNPCC sich nur schwer von einem sonst auftretenden Dickdarmtumor unterscheiden lässt.

Als typisches Merkmal gilt, das HNPCC vor allem junge Menschen betrifft. Während Dickdarmkrebs üblicherweise erst nach dem 65. Lebensjahr auftritt, erkranken HNPCC-Patienten durchschnittlich mit etwa 40 Jahren. Aber auch Erkrankungen im Alter von 25 oder 30 Jahren sind keine Seltenheit.

Neben dem Dickdarm können beim Lynch-Syndrom auch die Gebärmutter, der Magen, der Dünndarm oder die ableitenden Harnwege befallen sein. Gehäufte Krebserkrankungen in einer Familie können daher ein Zeichen für ein HNPCC sein und sollten entsprechend getestet werden.

Die familiäre adenomatöse Polyposis

Die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) ist die häufigste bekannte erbliche Polypenerkrankung. Bei dieser Erkrankung entstehen die gutartigen Polypen (Adenome) primär im Dickdarm. Man unterscheidet die klassische Form einer FAP und eine abgebremste (attenuierte) Form.

Oft tritt die Dickdarmpolyposis gemeinsam mit anderen Symptomen der zugrunde liegenden genetischen Veränderung auf:

  • Polypen des oberen Magen-Darm-Trakts
  • gutartige Knochenmehrbildungen, oft im Gesichtsschädelbereich (Osteome)
  • gutartige Hautgeschwulste (Epidermoidzysten)
  • Pigmentflecken an der Netzhaut, die der Augenarzt bei einer Augenhintergrundspiegelung feststellen kann
  • Zahnanomalien (unter- oder überzählige Zähne)
  • bindegewebige Tumore, die bei der FAP oft im zeitlichen Zusammenhang mit der erforderlichen Dickdarmentfernung auftreten (Desmoide)

Aus einer unbehandelten FAP entwickelt sich immer Dickdarmkrebs, oft bereits im jungen Alter. Eine Polypenabtragung ist bei der Vielzahl der Polypen nicht ausreichend, um Darmkrebs zu vermeiden. Vielmehr ist es bei FAP-Patienten in aller Regel erforderlich, den End- und Dickdarm komplett zu entfernen. Diese Operation sollte weder zu früh noch zu spät durchgeführt werden. Bei der klassischen Form einer FAP wird der Eingriff im Allgemeinen mit einem sogenannten Dünndarmpouch durchgeführt, bei dem der Dünndarm durch ein Reservoir aus künstlichen Darmschlingen direkt mit dem Darmausgang verbunden wird. Die Lebensqualität nach dieser Operation ist oft sehr gut. Die Kontinenz kann meist vollständig erhalten werden.

Risikofaktor Lebensalter

Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken steigt mit zunehmendem Lebensalter: 90 Prozent aller Darmkrebserkrankungen werden nach dem 50. Lebensjahr diagnostiziert. Rund drei Viertel treten sogar erst ab dem 65. Lebensjahr auf.

Bei jüngeren Erwachsenen nimmt die Zahl der Darmkrebserkrankungen zwar europaweit zu, jedoch ist die Erkrankungsrate grundsätzlich sehr niedrig. So zeigt eine Auswertung aus 20 europäischen Ländern, dass zwischen 1990 und 2016 von 143,7 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 49 Jahren 187.918 oder 0,13 Prozent an Darmkrebs erkrankten.

Die Studie zeigt außerdem, dass die Zahl der neu auftretenden Darmkrebserkrankungen in der jüngsten betrachteten Altersklasse (20 bis 29 Jahren) zwischen 2004 und 2016 mit durchschnittlich 7,9 Prozent pro Jahr am stärksten gestiegen ist. In der Altersklasse 30 bis 39 Jahre betrug der Anstieg zwischen 2005 und 2016 rund 3,9 Prozent pro Jahr. In der Altersklasse von 40 bis 49 Jahren lag er bei jährlich rund 1,6 Prozent. Warum Darmkrebs im jüngeren Erwachsenenalter zunimmt, ist bisher nicht bekannt. Vermutet wird, dass die maßgeblichen Darmkrebs-Risikofaktoren eine Rolle spielen. [1]

Darmkrebs mit 15 und jünger

Darmkrebs ist bei Kindern und Jugendlichen äußerst selten und betrifft dann vor allem den Blinddarm in Form eines Appendixkarzinoms. Es wird geschätzt, dass von 1.000 Blinddarmentfernungen im Kindesalter eine auf einen Tumor des Blinddarms zurückgeht.[2]

Darmkrebs mit 16 bis 30

Erkranken Menschen in dieser Altersgruppe an einem kolorektalen Karzinom, liegt oft eine chronisch-entzündliche  Darmerkrankung, wie Colitis ulcerosa oder eine vererbte Genmutation vor.

So werden Patienten mit familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) bereits ab dem 10. Lebensjahr in die Darmkrebs-Früherkennung einbezogen. Nicht selten treten erste Entartungen von Darmpolypen bei dieser Risikogruppe bereits ab dem 15. Lebensjahr auf.

Patienten mit HNPCC werden ab dem 25. Lebensjahr in eine engmaschige Darmkrebsvorsorge aufgenommen. Da die zugrundeliegende Genmutation neben dem Darm auch andere Organe betreffen kann, ist die Untersuchung entsprechend umfassend:

 

Untersuchungen zur Füherkennung eines kolorektalen Karzinoms bei HNPCC-Patienten nach S3-Leitlinie
AltersangabeUntersuchungIntervall
vor dem 25. Lebenjahrgenetische Beratung
ab dem 25. Lebensjahrkörperliche Untersuchungjährlich
Koloskopiejährlich
Bei Frauen: gynäkologische Untersuchung einschl. transvaginaler Sonografiejährlich
ab dem 35. LebensjahrÖsophagogastroduodenoskopieregelmäßig
bei Frauen: Endometriumbiopsiejährlich

 Quelle [3]

Darmkrebs mit 30 bis 40

Wie die Auswertung der Krebsregister-Daten aus 20 europäischen Ländern für die Jahre von 1990 bis 2016 zeigt, ist das Risiko, im Alter von 30 bis 40 Jahren an Darmkrebs zu erkranken, sehr gering.

Ein etwas höheres Erkrankungsrisiko besteht auch in dieser Altersgruppe für Menschen mit chronischer Entzündung des Darmes bei Colitis ulcerosa sowie Morbus Crohn. Deutlich erhöht ist das Risiko für Menschen mit vererbter Genmutation, wie HCCP und FAP sowie bei einer familiärer Vorbelastung. Die Darmkrebsvorsorge-Untersuchungen sollten hier entsprechend frühzeitig beginnen.

Menschen mit vererbter Genmutation, wie HCCP und FAP, oder einer familiären Vorbelastung sollten entsprechend frühzeitig mit Darmkrebsvorsorge-Untersuchungen beginnen.

Prof. Dr. med. Jörg-Peter Ritz | Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Ärztlicher Direktor der Helios Kliniken Schwerin

Darmkrebs vorbeugen und davor schützen

Auch wenn die Ursachen von Darmkrebs – und damit auch die Möglichkeiten einer effektiven Vorbeugung – nicht abschließend geklärt sind, gibt es doch einige Faktoren, die das Darmkrebs-Risiko reduzieren können:

  • Verzicht auf Zigarettenkonsum
  • Reduzierung von Übergewicht und erhöhtem Bauchumfang
  • Reduzierung des Alkoholkonsums
  • häufiger Verzehr von Gemüse (vor allem Kohl und Brokkoli) und Obst
  • ballaststoffreiche Ernährung (mehr als 30mg Ballaststoffe pro Tag)
  • fleischarme Ernährung (betrifft Rind, Kalb, Schwein, Lamm)
  • ausreichend Bewegung oder Sport (mindestens 2 Stunden pro Woche, optimal 7 Stunden pro Woche)

Ernährungsgewohnheiten

Viele Studien zeigen eine Verbindung zwischen dem häufigen Verzehr von rotem Fleisch (Rind, Kalb, Schwein, Lamm) sowie weiterverarbeitetem Fleisch und dem erhöhten Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Eine schützende Wirkung hat hingegen eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Vor allem Kohl und Brokkoli können das Tumorrisiko senken.

Das Motto sollte daher lauten: „Viel aus dem Garten, wenig aus dem Stall.“ Konkret heißt das: Fleisch sollte nicht häufiger als zwei Mal pro Woche als Hauptmahlzeit gegessen werden. Gleichzeitig sollte mehr Obst und Gemüse verzehrt werden.

Vorbeugend wirkt zudem eine ballaststoffreiche Ernährung mit mindestens 30 mg Ballaststoffen pro Tag. Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen sind unter anderem Vollkornbrot, Früchtemüsli, Trockenobst, Hülsenfrüchte und Salat.

Sport und Bewegung

Auch hier zeigt die Studienlage einen Zusammenhang zwischen dem Aktivitätsgrad und dem Darmkrebsrisiko: So reduziert regelmäßige Bewegung, wie 30 bis 60 Minuten schnelles Gehen pro Tag, das Erkrankungsrisiko um bis zu 40 Prozent. Bei sportlich aktiven Menschen sind darüber hinaus seltener Darmpolypen nachweisbar, die eine gutartige Vorstufe des kolorektalen Karzinoms darstellen. 

Übergewicht

Ein BMI (Body-Mass-Index) von mehr als 25 erhöht das Darmkrebsrisiko nachweislich, ebenso ein zunehmender Bauchumfang sowie eine kontinuierliche Gewichtszunahme im Erwachsenenalter. Die klare Empfehlung lautet daher: Übergewichtige sollten ihr Gewicht reduzieren. Normalgewichtige sollten ihr Körpergewicht stabil halten.

Rauchen und Alkohol

Das Robert-Koch-Institut benennt den Faktor Rauchen neben dem Übergewicht als größten Risikofaktor für Darmkrebs. Raucher haben ein um 16 Prozent höheres Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken. Die Krebsgefahr steigt mit zunehmender Dauer und Häufigkeit des Rauchens (Dosis-Risiko-Beziehung). Zudem sind rauchende Männer stärker gefährdet als rauchende Frauen.

Ebenso führt regelmäßiger Alkoholkonsum von mehr als 45 Gramm pro Tag – je nach Alkoholgehalt entspricht das ca. 1,2 Liter Bier oder 0,4 Liter Wein – zu einem erhöhten Darmkrebsrisiko. Dabei ist egal, welches alkoholische Getränk konsumiert wird. Ausschlaggebend ist allein die Menge an Alkohol. Menschen, die keinen oder weniger als 25 Gramm Alkohol pro Tag trinken, haben hingegen ein reduziertes Erkrankungsrisiko.

Die Empfehlungen der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) ist deswegen eindeutig: Auf das Rauchen von Zigaretten sollte verzichtet und der Genuss von Alkohol zumindest eingeschränkt werden.

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