Wenn das Immunsystem überreagiert - Volkskrankheit Allergie und mögliche Therapieoptionen

Wenn das Immunsystem überreagiert - Volkskrankheit Allergie und mögliche Therapieoptionen

Zerbst/Anhalt

Ob gegen Tierhaare, Insektengift, Nahrungsmittel oder Pollen – in Deutschland haben schätzungsweise 30 Millionen Menschen eine Allergie. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Über die Volkskrankheit Allergie spricht Dr. med. Fred-Reinhard Puhlmann, Chefarzt Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in der Helios Klinik Zerbst/Anhalt. In einer Telefon-Hotline der Klinik beantwortet er am 17. Februar in der Zeit von 15 bis 17 Uhr unter Tel.: (03923) 739-161 Fragen von Betroffenen und Interessierten.

Dr. Puhlmann, bei Allergien denken die meisten Menschen zuerst an Heuschnupfen. Welche Allergieformen gibt es noch und was passiert bei einer Allergie im menschlichen Körper?
Der Heuschnupfen ist die häufigste Art der Allergie in Deutschland - wie übrigens in den meisten Industrieländern. Wie bei allen Allergien findet auch bei dieser Atemwegsallergie eine Überreaktion des Immunsystems auf Stoffe aus der Umgebung statt, die dem Körper normalerweise nicht schaden. Das Immunsystem reagiert auf diese Stoffe wie auf einen Krankheitserreger und versucht sie zu bekämpfen. Beim Heuschnupfen sind dies Pflanzenpollen in der Luft, etwa von Eiche, Buche, Birke, Kräutern oder Gräsern. Aber auch Nahrungsmittel, Tierhaare, Insektenstiche, Medikamente, Kosmetika oder Hausstaub können Allergien auslösen. Hier spricht man von Nahrungsmittel- und Kontaktallergien. Mittlerweile stehen rund 20.000 Substanzen unter Verdacht, Überempfindlichkeitsreaktionen im Immunsystem auszulösen!

Bei welchen Symptomen sollten Betroffene prüfen, ob eine Allergie Auslöser der Beschwerden ist?
Die Symptome fallen je nach Allergen und Betroffenen unterschiedlich aus. Sie können sich auch im Laufe der Jahre verändern. Niesattacken, Fließschnupfen, eine verstopfte Nase und juckende, tränende Augen sind klassische Anzeichen eines Heuschnupfens. Rötungen, Schwellungen und Juckreiz der Haut können Symptome einer Kontaktallergie sein. Typisch für Nahrungsmittelallergien sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfälle oder Erbrechen.
Lebensbedrohlich kann es werden, wenn der Betroffene einen anaphylaktischen Schock erleidet. Als Auslöser sind hier vor allem bestimmte Nahrungsmittel, Medikamente oder Insektengift zu nennen. Ein anaphylaktischer Schock macht sich durch Kribbeln in den Fingern, Juckreiz und Schwellungen bemerkbar. Herzrasen, Schwindel, Atemnot oder Erbrechen bis hin zu Atem- und Kreislaufstillstand können die Folge sein.
Patienten mit diagnostizierter Insektengiftallergie etwa sollten hier stets ein spezielles Notfallset, oft bestehend aus einem Adrenalinautoinjektor, Cortison zum Einnehmen und einem Antihistaminikum, bei sich tragen.

Heutzutage gibt es vielfältige Möglichkeiten, um Allergien effektiv und gut verträglich zu behandeln oder sich auf etwaige Intoleranzen einzustellen.

Dr. med. Fred-Reinhard Puhlmann, Chefarzt Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Welche Therapiemöglichkeiten stehen Betroffenen zur Verfügung?
Heutzutage gibt es vielfältige Möglichkeiten, um Allergien effektiv und gut verträglich zu behandeln oder sich auf etwaige Intoleranzen einzustellen. Die meisten Allergien – etwa gegen Pollen, Hausstaub oder Insektenstiche – kann man durch eine Hyposensibilisierung behandeln. Ziel ist es, das Immunsystem des Patienten mit gezielten Dosen des unverträglichen Stoffs über einen längeren Zeitraum schrittweise an das Allergen zu gewöhnen. Solche Therapien führen wir auch in unserer Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde durch. Patienten sollten vorher allerdings bei einem niedergelassenen HNO-Arzt vorstellig werden.
Daneben gibt es noch die Allergenvermeidung, z.B. mit Diätplänen, milbenabweisenden Bettbezügen oder Pollenfiltern.  Als dritte Methode sind medikamentöse Therapien, etwa mit Antihistaminika oder Kortikoiden, zu nennen.

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Telefon-Hotline zu „Allergien und Therapiemöglichkeiten“

Referent: Dr. med. Fred-Reinhard Puhlmann, Chefarzt Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
17. Februar 2021, 15 – 17 Uhr
Tel.: (03923) 739-161

Hyposensibilisierung gegen Wespen- und Bienengift:

  • HNO Gemeinschaftspraxis, Dr. med. Roman Hirt & Dr. med. Thomas Adamiak, Tel: (03491) 8017990
  • Dr. med. Fred-Reinhard Puhlmann, Dessau-Roßlau; Tel.: (0340) 250500
  • Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Helios Klinik Zerbst/Anhalt: Tel.: (03923) 739-80003 oder -80034