Ungebetener Besuch – Was bei Wespen(-stichen) zu beachten ist

Ungebetener Besuch – Was bei Wespen(-stichen) zu beachten ist

Zerbst/Anhalt

Für uns Menschen sind sie gerade in diesen Wochen oft lästig, doch im Ökosystem sind sie ein wichtiger Bestandteil: Wespen bestäuben ebenso wie Bienen die Blüten und fressen zudem Schädlinge wie Blattläuse oder Fliegen. Doch im Spätsommer zieht es die Hautflügler immer öfter an die reich gedeckte Kaffeetafel oder sie werden zum ungebetenen Gast eines bis dahin fröhlichen Grillabends. Kommt es zwischen den fliegenden Insekten und uns Menschen dann zu einem Zusammenstoß, endet dieser oft mit einem schmerzhaften Stich. Wie Sie mit einfachen Hausmitteln erste Abhilfe schaffen und was Sie im Notfall einer allergischen Reaktion tun sollten, erklärt Dr. med. Matthias Prager Chefarzt und Leiter des Zentrums für Innere Medizin in der Helios Klinik Zerbst/Anhalt.

Eine unachtsame Bewegung und schon ist es geschehen - Bienen und Wespen stechen schnell zu, wenn sie sich bedroht fühlen. Viele Menschen versetzt dies in Panik. Schließlich gehen mit dem schmerzhaften Einstich meist unangenehme Rötungen und Schwellungen einher. Noch dazu leiden rund 20 % der Deutschen an einer übersteigerten örtlichen Reaktion auf Insektengift. Bei 5 % der Betroffenen treten sogar Ganzkörperreaktionen wie Ausschlag, Atemnot oder Herz-Kreislauf-Reaktionen auf.

„Viele Menschen versetzen die Stiche von Insekten in Panik. Dazu besteht erst einmal aber kein Grund. Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren und schnell, aber besonnen zu reagieren. Es kommt in den ersten 24 Stunden zu einer lokalen Entzündungsreaktion, die sich durch Rötung, Schwellung und Juckreiz äußert.“, erklärt Dr. med. Matthias Prager Chefarzt und Leiter des Zentrums für Innere Medizin in der Helios Klinik Zerbst/Anhalt. In den meisten Fällen können einfache Hausmittel wie Zwiebelsaft oder auch das Kühlen der Einstichstelle eine schnelle, erste Abhilfe schaffen. Auch Essigumschläge oder Zitronensaft können helfen.

Allerdings sollte die Stelle mit einem Antiseptikum desinfiziert werden, um eine Superinfektion zu vermeiden. Antijuckmittel in Form von Gels oder Cremes helfen gerade bei Kindern, ein Kratzen an der Stelle zu vermeiden. Übrigens ist Insektengift für Kinder nicht gefährlicher als für Erwachsene. „Doch muss man mehr auf sie achten“, sagt Dr. med. Prager. „Kinder reagieren meist falsch, weil sie intuitiv hektischer reagieren und versuchen die Tiere wegzuschlagen. Das erhöht das Aggressionspotential der Wespe.“

Viele Menschen versetzen die Stiche von Insekten in Panik. Dazu besteht erst einmal aber kein Grund. Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren und schnell, aber besonnen zu reagieren.

Dr. med. Matthias Prager, Chefarzt und Leiter des Zentrums für Innere Medizin

Besondere Vorsicht: Insektenstiche im Mundraum

Kurz nicht aufgepasst und es kann schnell passieren, das eine Wespe mit in den Mundraum befördert wird und in ihrer Panik zusticht. In diesem Fall rät Dr. med. Matthias Prager dazu, den Rettungsdienst zu alarmieren, da es durch die anschwellenden Schleimhäute zu einer Atemnot kommen kann. Der Mediziner empfiehlt unbedingt zu kühlen. „Etwa durch das Lutschen eines Eiswürfels oder kalte Umschläge um den Hals.“ Zudem sollte bei merkbaren Atemproblemen nicht mehr getrunken werden, um Verschlucken zu vermeiden. Wichtig ist zudem, den Stachel – mit desinfizierten Händen – zu entfernen, sollte er noch in der Wunde stecken. Im Falle eines Atemstillstandes müssen Wiederbelebungsmaßnahmen bis zum Eintreffen des Notarztes vorgenommen werden.

Vorsichtsmaßnahmen für Allergiker

Allergiker sollten besonders genau beobachten, wie ihr Körper reagiert und sofort einen Arzt aufsuchen, wenn sich ihr Zustand verschlechtert. Bei einer Allergie auf Insektengift kommt es erst beim zweiten Stich zu einer Überreaktion des Körpers. „Die Allergie entwickelt sich nach dem ersten Kontakt des Immunsystems mit dem Gift “, erläutert Dr. med. Matthias Prager. In Deutschland leiden rund 20 Prozent der Menschen an einer übersteigerten, örtlichen Reaktion auf Insektengift. Bei fünf Prozent der Betroffenen treten sogar Ganzkörperreaktionen wie Ausschlag, Atemnot oder Herz-Kreislauf-Reaktionen auf.

In den ersten Momenten nach dem Stich gilt aber erst einmal der Grundsatz: Atmung sichern, Kreislauf stabilisieren und den Krankenhaus-Transport organisieren. „Bei Luftnot, Herzrasen, verschwommenem Sehen, Schweißausbrüchen, Schwindel und Übelkeit sollte schnellstmöglich der Rettungsdienst gerufen werden“, sagt der Experte.

Daher sollten Allergiker immer ein Notfallset bei sich zu tragen. Für Kinder gibt es zudem spezielle Notfallarmbänder, die Ersthelfer auf die Allergie gegen Insektengifte aufmerksam machen. Dennoch sollte im Notfall immer der Rettungsdienst gerufen werden, da weitere Reaktionen des Körpers auch nach einer Medikamentengabe nicht vorhersehbar sind.

So vermeiden Sie es, gestochen zu werden

  • Decken Sie Lebensmittel im Freien ab und achten Sie darauf, nicht direkt aus offenen Dosen oder Flaschen zu trinken.
  • Sprühen Sie die Tiere mit zerstäubten Wasser an: Die Wespen werden dadurch träge und verlieren ihre Angriffslust.
  • Lenken Sie die Wespen ab: Platzieren Sie eine Ablenkfütterung in Form von reifen Trauben einige Meter entfernt von Tisch oder Buffet.
  • Bleiben Sie ruhig: Schnelle Bewegungen reizen und alarmieren die Tiere.
  • Pusten Sie die Insekten nicht weg: Das Kohlenstoffdioxid in unserer Atemluft ist für Wespen ein Angriffsstoff.
  • Tragen Sie helle Kleidung. Bunte Kleidung, Parfum oder parfümierte Cremes ziehen die fliegenden Insekten an.
  • Stellen Sie Basilikum, Tomatenpflanzen oder Duftpelargonien in Tischnähe. Den Geruch dieser Pflanzen mögen Wespen gar nicht. Auch einige Tropfen Nelkenöl können sie vertreiben.