Keine Angst vor der Narkose!
Pressemitteilung

Keine Angst vor der Narkose!

Zerbst/Anhalt

Niemand geht gerne ins Krankenhaus. Ist dann noch ein operativer Eingriff notwendig, fürchten manche Menschen vor allem die Narkose. Die Angst, zu früh oder gar nicht mehr aufzuwachen, ist ebenso verbreitet wie die vor Schmerzen und Beschwerden nach der OP. Warum Patienten keine Angst vor der Narkose haben müssen, erläutert Johannes Rhein, Chefarzt Klinik Anästhesiologie und Intensivmedizin in der Helios Klinik Zerbst/Anhalt, im Interview. Außerdem bietet der Spezialist Interessierten die Möglichkeit, sich im Rahmen der Patientenakademie am 13. Oktober 2021 von 15 – 17 Uhr per Telefon-Hotline über medizinische Fragestellungen zum Thema zu informieren.

Herr Chefarzt, viele Menschen wurden noch nie operiert. Können Sie kurz erklären, was alles für die Sicherheit des Patienten vor einer Operation getan wird?

Johannes Rhein, Chefarzt Klinik Anästhesiologie und Intensivmedizin in der Helios Klinik Zerbst/Anhalt

Bevor ein Patient operiert wird, besprechen im Vorfeld die Ärztinnen und Ärzte der Anästhesie mit den Patienten das individuell für ihn am besten geeignete Anästhesieverfahren. Ob wir beispielsweise eine Allgemeinanästhesie, auch Vollnarkose genannt, eine Teilbetäubung oder gar eine Kombination von beidem einsetzen, das klären wir in einem ausführlichen Gespräch in unserer Anästhesie-Sprechstunde. Dort befragen wir die Patienten zu Allergien, Vorerkrankungen und zu ihrem allgemeinen gesundheitlichen Zustand. Dann klären wir sie über die Anästhesietechniken und Medikation sowie über mögliche Risiken und Nebenwirkungen auf. Bei all dem ist es uns ein großes Anliegen, zu unseren Patienten ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Ängste und Sorgen vor einer Anästhesie sollten Patienten unbedingt in diesem Gespräch äußern! Ebenso Vorerkrankungen, die vielleicht nicht in der Akte stehen, wie Reiseübelkeit oder Migräne. Mit Hilfe all dieser Informationen wählen wir das Narkosemittel und die Narkoseart aus, die für den Patienten persönlich am besten ist. Und schließlich sind wir Anästhesisten nicht nur vor, sondern auch während und nach der OP an der Seite unserer Patienten, betreuen sie und sorgen so für ihre Sicherheit.

Können Sie bitte an dieser Stelle kurz erklären, was die Aufgabe eines Anästhesisten ist?

Anästhesisten sind Fachärzte für Anästhesiologie. Oft werden sie auch als Narkoseärzte bezeichnet. Sie arbeiten fachübergreifend mit Kolleginnen und Kollegen aller anderen Fachbereiche zusammen und begleiten die Patienten durch den gesamten Prozess der Anästhesie/Narkose. Das heißt: Anästhesisten überwachen und steuern alle lebenswichtigen Körperfunktionen des Patienten vor und während der Operation sowie anschließend im Aufwachraum. Hierbei werden modernste Geräte und Techniken eingesetzt. In unserer Klinik gibt es insgesamt drei Operationssäle und drei separate Anästhesie-Einleitungsräume. Um die Sicherheit unserer Patienten zu garantieren, haben wir ein Team, das nicht nur aus ärztlichem Personal, sondern auch aus hoch qualifizierten Anästhesie-Pflegekräften besteht. Bei größeren Eingriffen oder ausgeprägten Nebenerkrankungen betreuen wir die Patienten nach der Operation auf der Intensivstation weiter.

Wie erklären Sie sich die Angst der Patienten vor einer Narkose?

Eine Narkose wird nicht von allen Patienten gleich bewertet. Nicht alle haben Angst. Einige Menschen empfinden die Vorstellung, tief zu schlafen und nichts zu spüren, als ausgesprochen beruhigend –werten dies als einen Komfort. Andere wiederum haben oft mehr Angst vor der Narkose als vor dem eigentlichen operativen Eingriff, sind in Sorge nicht mehr aufzuwachen oder während der Operation nicht tief zu schlafen bzw. Schmerzen zu verspüren. Zudem besteht oftmals das Gefühl des Ausgeliefertseins, Kontrollverlustes oder der Scham.

Deshalb ist es unser Ziel, Patienten so zu informieren, dass sie sich von der Qualifikation der anästhesiologischen Betreuung überzeugen können, über den Ablauf aufgeklärt sind und dem operativen Eingriff beruhigt und ohne Sorgen entgegensehen können. Denn letztlich steht die Patientensicherheit für uns an allererster Stelle.

Welche Beschwerden können denn nach der Narkose auftreten?

In der Regel erleben unsere Patienten das Erwachen aus der Narkose als angenehm, fragen oft, ob sie schon operiert worden sind. Seltene Nebenwirkungen können Übelkeit, Frösteln und Halsschmerzen sein. Unsere Pflegekräfte im Aufwachraum überwachen die Patienten und geben ihnen bei Beschwerden in Absprache mit den behandelnden Ärzten entsprechende Medikamente. Mit Übelkeit nach der Narkose beispielsweise haben vor allem Frauen zu kämpfen – oder Menschen, die unter Reiseübelkeit leiden. Weist ein Patient hier Risikofaktoren auf, geben wir bereits während der Narkose ein Mittel, um dem vorzubeugen. Routinemäßig bieten wir unseren Patienten nach der OP zudem ein Wassereis an – dies reduziert nachweislich den Medikamentenbedarf und stärkt das Wohlbefinden, so schwellen etwa die Schleimhäute ab und der leere Magen wird beruhigt.

Und müssen Patienten Angst vor Schmerzen haben?

Nein, unsere Patienten brauchen keine Angst vor Schmerzen zu haben. Sie erhalten von uns Schmerzmedikamente nach einem Stufenkonzept: schon während der Operation verabreichen wir prophylaktisch Schmerzmittel. Nach dem Erwachen können einerseits Injektionen, die wir direkt in die Blutbahn über den liegenden Venenzugang verabreichen, schnell und effektiv helfen. Gleichzeitig werden auch Schmerztabletten verordnet, sobald die Patienten trinken können. Und: besonders effektiv sind Teilbetäubungsverfahren. Hierbei werden bei hierfür geeigneten Eingriffen über einen Schmerzkatheter Medikamente direkt in Nervennähe gebracht. Auf diese Weise kann der Patient zusätzliche Medikamentengaben nach Bedarf über eine Pumpe abrufen und so die Schmerztherapie selber steuern. Diese sogenannte Patientenkontrollierte Analgesie wird auch mit Medikamenten über die Vene eingesetzt.

Haben Sie noch Hinweise für Patienten? Was sollte unbedingt beachtet werden?

Wichtig ist, dass die Patienten die Hinweise im Vorgespräch vor der Operation einhalten. Ein besonderes Problem stellt es dar, wenn Patienten vor der Narkoseeinleitung gegessen haben. Denn durch die Anästhetika werden die Schutzreflexe ausgeschaltet und somit auch der Schluck- und Hustenreflex. Es besteht daher die Gefahr, dass Mageninhalt während der Narkose in den Rachen gelangt, eingeatmet wird und eine Lungenentzündung hervorruft.

In der Regel gelten deshalb folgende Empfehlungen: Mindestens sechs Stunden vor der Narkoseeinleitung sollte der Patient keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Klare Flüssigkeiten wie Wasser, fruchtfleischlose Säfte, Tee oder Kaffee ohne Milch können in kleinen Mengen bis zu zwei Stunden vor Narkoseeinleitung getrunken werden. Weitere Details, auch wenn Medikamente eingenommen werden, müssen mit dem Anästhesisten zuvor genau abgesprochen werden.

Weiterhin empfehlen wir Patienten auf Gesichts- und Körpercreme, Make-up, Nagellack und Schmuck zu verzichten. Der Grund: Eine unverfälschte Sicht auf das Gesicht, Finger und die Zehen dienen der allgemeinen Krankenbeobachtung. Wir sehen bereits an der Farbe der Fingerspitzen oder an der Durchblutung der Haut, ob der Patient Störungen hinsichtlich der Sauerstoffversorgung entwickelt. Auch Kontaktlinsen sind untersagt, Brillen nur bei starker Fehlsichtigkeit erlaubt. Über einen herausnehmbaren Zahnersatz oder Hörgeräte sollte der Anästhesist informiert sein. Zudem darf am Tag der Operation nicht mehr geraucht werden.

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Telefon-Hotline zu Fragen rund um die Narkose

mit Johannes Rhein, Chefarzt Klinik Anästhesiologie und Intensivmedizin in der Helios Klinik Zerbst/Anhalt

13. Oktober 2021, 15 – 17 Uhr

Tel: (03923) 739-161

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Weitere Informationen „Rund um den OP"

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