Mit dem Kunstherz wieder aktiv leben
Neue Option für Menschen mit schwerer Herzschwäche

Mit dem Kunstherz wieder aktiv leben

Wuppertal

Das Helios Herzzentrum Wuppertal hat erstmals ein innovatives Herzunterstützungssystem bei Patienten mit schwerer Herzschwäche eingesetzt. Die Methode wird auch als Behandlungsoption für Patienten angeboten, die eigentlich ein neues Herz bräuchten, doch aufgrund von Spendermangel oder von Begleiterkrankungen hier keine Chance haben.

Nobert Welter leidet unter einer starken Verkalkung der Herzkrankgefäße, so dass sein Herz kaum noch das Blut durch seinen Körper pumpen konnte. Lange merkte er nichts, doch im vergangenen Herbst wurde sein Zustand rapide schlecht, er hatte große Luftnot, Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge und in den Beinen, stand kurz vor der künstlichen Beatmung. Aufgrund der schweren Erkrankungen kamen für ihn Bypässe oder Stents nicht mehr in Frage, für den Empfang eines Spenderherzes ist sein Alter das Ausschlusskriterium. Außerdem können in Deutschland derzeit nur rund 300 Herzen jährlich verpflanzt werden, während 1000 Patienten auf der Warteliste stehen. Einige von ihnen erhalten momentan in Deutschland ein künstliches Herzunterstützungssystem – der längste dauerhafte Einsatz läuft seit neun Jahren.

 

Die Herzleistung wird komplett von einer Pumpe übernommen

Diese Methode, bei der das kranke Herz nicht entnommen, sondern nur unterstützt wird, ist für die Patienten eine Möglichkeit, in kürzester Zeit ein großes Maß an Lebensqualität zurückzugewinnen. Eine 160 Gramm schwere, faustgroße Pumpe wird unterhalb des eigenen Herzes an die linke Herzkammer angeschlossen und übernimmt die Pumpleistung des zu schwachen Muskels. Wichtig ist eine kontinuierliche Stromzufuhr, die über einen externen Akku geleistet wird. Daher muss der Patient etwa 1.100 Gramm schwere Tasche oder einen Gerätegürtel bei sich tragen, in dem die Akkus und das Steuergerät untergebracht sind. Ein dünnes Kabel zur Energieversorgung der Pumpe wird durch die Bauchdecke nach außen geführt und an den Steuercomputer angeschlossen. Bei einigen Patienten ist sogar im Laufe der Zeit eine Verbesserung der eigenen Herzleistung möglich, so dass die Leistung des Kunstherzens später langsam zurückgefahren werden kann.

Für Norbert Welter ist die künstliche Pumphilfe ein großer Gewinn. Er verließ das Helios Herzzentrum ohne Wassereinlagerungen in den Beinen und hochmotiviert in Richtung Reha-Klinik, wo er sich in aller Ruhe mit der neuen Lebenssituation vertraut machen konnte. Seine Frau und er selbst wurden schon während des Krankenhausaufenthaltes vom „Heart-Team“ – also von den Kardiologen und den Herzchirurgen unter dem Dach des Herzzentrums – ausführlich geschult, wie mit dem Gerät umzugehen ist, was beim Akku-Wechsel zu tun ist oder auch im Notfall. „Ich fühle mich mit dem Gerät sicher versorgt und es geht mir bestens, ich fahre damit schon auf dem Ergometer, die Akkus schränken mich fast nicht ein“, erzählt Norbert Welter.

Prof. Herbert Vetter, Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie am Herzzentrum Wuppertal, war 1992 Leiter des OP-Teams gewesen, als in München zum ersten Mal außerhalb der USA die bahnbrechende Technik eingesetzt wurde, die zahllosen Patienten seither die Wartezeit bis zu einer Herztransplantation zu überbrücken geholfen hat. Das Helios Herzzentrum erweitert damit sein Leistungsspektrum für die Behandlung von Patienten mit Herzschwäche, da diese Erkrankung immer mehr Menschen betrifft. „Wir möchten heute dazu beitragen, dass auch Patienten, die nicht mehr für ein Spenderherz infrage kommen, Hilfe erhalten. Durch das Gerät haben auch ältere Patienten die Möglichkeit, noch viele Jahre lang ein vergleichsweise normales Leben zu führen, was ihnen ohne die Technik nicht möglich wäre“, erklärt der Herzspezialist. „Wir arbeiten hier eng mit der Kardiologie und kardiologischen Praxen in der Stadt und der Umgebung zusammen, mit denen wir gemeinsam eine Herzinsuffizienz-Ambulanz betreiben. Hier können Patienten sich beraten lassen, bevor sie bei uns operiert werden.“

Zu der höheren Lebensqualität gehört nicht nur, dass der Kunstherz-Patient wieder mehr Mobilität erlangt und in vielen Fällen fast normal am Leben teilnehmen kann – es gibt noch weitere Vorteile. „Menschen mit Herzschwäche müssen ab einem bestimmten Stadium sehr häufig ins Krankenhaus, manchmal alle sechs bis acht Wochen, um „entwässert“ zu werden, sie müssen viele teure Medikamente einnehmen, die auch ihre Nebenwirkungen haben. Davon ersparen wir ihnen einen Großteil mit dieser Technik, die natürlich auch ihren Preis hat und ein gewisses Maß an Mitwirkung erfordert“, erklärt Prof. Vetter. „Aber wir freuen uns umso mehr, wenn ein Patient wie Herr Welter sich so gut fühlt, dass er wieder mit Freude in die Zukunft schauen kann.“

_________________________________
 

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit mehr als 100.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören die Helios Kliniken in Deutschland und Quirónsalud in Spanien. 15 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios.

In Deutschland verfügt Helios über 111 Akut- und Rehabilitationskliniken, 89 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), vier Rehazentren, 17 Präventionszentren und 12 Pflegeeinrichtungen. Jährlich werden in Deutschland rund 5,2 Millionen Patienten behandelt, davon 3,9 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 73.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von rund 5,8 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt in Spanien 43 Kliniken, 44 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für Betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden in Spanien über 9,7 Millionen Patienten behandelt, davon 9,4 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 35.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro.
 
Helios und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

Pressekontakt:
Helios Universitätsklinikum Wuppertal
Jörn Grabert
Pressesprecher
Telefon: (0202) 896-20 75
E-Mail: joern.grabert@helios-gesundheit.de