Leistungen

Urologische Krebserkrankungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten

Urologische Krebserkrankungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung urologischer Krebserkrankungen erfordert viel Erfahrung, Einfühlungsvermögen und ein fachübergreifendes Netzwerk.

Prostatakrebs

Die Diagnose eines Prostatakrebses wird durch eine Gewebeentnahme aus der Prostata mit anschließender Untersuchung unter dem Mikroskop bestimmt. Hierfür werden durch das Ultraschallgerät gesteuert Proben aus der Prostata entnommen (Prostatastanzbiopsie). Dieser Eingriff kann ambulant mit einer örtlichen Betäubung durchgeführt werden. Zum Schutz vor Infektionen sollte vom Tag vor dem Eingriff bis zum Tag danach ein Antibiotikum eingenommen werden.

Wenn mit der Gewebeuntersuchung Krebs in der Prostata nachgewiesen wurde, so ist eine Behandlung notwendig.

Die vier Säulen der Therapie sind:
 
1.    die Operation
2.    verschiedenen Formen der Bestrahlung
3.    die kontinuierliche oder intermittierende Hormontherapie
4.    eine kontrollierende Überwachungsstrategie.

Welche Art von Behandlung in Frage kommt, ist von vielen objektiven und individuellen Faktoren abhängig. Sie sollten in einem ausführlichen ärztlichen Gespräch erörtert und gegeneinander abgewogen werden. An unserer Klinik wird die Therapieplanung in Zusammenarbeit mit allen Spezialisten durchgeführt (Urologen, Strahlentherapeuten, Onkologen, Psychologen, Physiotherapeuten).

Blasenkrebs

Video-assistiert werden einzelne Tumore mittels kleinster Instrumente durch die Harnröhre entfernt (transurethrale Resektion, TUR-B). Durch diese Behandlung lässt sich ein großer Teil der Blasentumoren kontrollieren. Zusätzlich werden zur Bestimmung der Ausdehnung eines Blasenkrebses noch Proben aus der scheinbar gesunden Blasenschleimhaut und der Harnröhre entnommen.

Für das Auge unsichtbare Tumorgewebe (Carcinoma in situ) kann durch den Einsatz einer Fluoreszenz-Technik entfernt werden (fluoreszenz-assistierten transurethralen Resektion, PDD). Zwei Stunden vor der Operation wird in die Blase des Patienten über einen Mini-Katheter eine Substanz namens Aminolävulinsäure (ALA) eingefüllt, die sich im Tumorgewebe anreichert. Bei der Operation werden eine spezielle Lichtquelle und eine besondere Kamera zum Einsatz gebracht. Das mit ALA gekennzeichnete Gewebe erscheint auf dem Untersuchungsmonitor leuchtend rot und kann dann durch die Harnröhre mittels moderner Mikroinstrumente abgetragen werden.

Die komplette Entfernung der Harnblase erfolgt bei fortgeschrittenen, also besonders bösartigen Tumoren. Das primäre Ziel ist eine möglichst umfassende Operation, um den Tumor vollständig entfernen zu können. Beim Mann werden die Prostata und die Samenblasen, bei der Frau die Gebärmutter und ein Teil der Vagina mitentfernt. Moderne mikrochirurgische Operationsverfahren erlauben in Abhängigkeit vom Krankheitsstadium den Erhalt der Erektionsfähigkeit beim Mann und der sexuellen Stimulationsfähigkeit bei der Frau.

Je nach Alter und Nebenerkrankungen gilt es dann, die für den Patienten optimale Harnableitung auszuwählen. Dazu stehen folgende Alternativen zur Verfügung:

  1. Blasenersatz mit Dünndarm und Harnröhrenanschluss  
  2. Darmersatzblase mit Anschluss an den Nabel
  3. Darmersatzblase mit Anschluss an den Enddarm (Rektum-Pouch)
  4. Harnableitungen ohne Möglichkeit der kontrollierten Entleerung (z.B. Ileum-Conduit)


Unser kompetentes Ärzte-Team wird Sie über die individuell passende Alternative informieren und die Behandlungsmöglichkeiten mit Ihnen besprechen.

Die im Rahmen einer Chemotherapie verabreichten Wirkstoffe stoppen oder verlangsamen das Wachstum von Krebszellen. Bei der Immuntherapie wird die körpereigene Abwehr in die Lage versetzt, die Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen.

Obwohl oberflächliche Tumoren am ehesten operativ entfernt werden können, besteht die Möglichkeit, dass trotz vollständiger Abtragung ein Tumor wiederkehrt oder sich zu einem tief wachsenden Blasenkrebs entwickelt. Studien haben gezeigt, dass eine lokale Chemo- oder Immuntherapie, bei der die Substanzen durch einen Katheter in die Blase eingefüllt werden, das Risiko für solche Verläufe senken kann. Bei manchen Patienten kann eine Langzeittherapie mit einer lokalen Chemotherapie oder Immuntherapie sinnvoll sein, um das Tumorwachstum zu unterdrücken.

Die Chemotherapie kann als Sicherheitsmaßnahme empfehlenswert sein, wenn ein Risiko besteht, dass einzelne Tumorzellen aus der Blase in andere Körperregionen gewandert sind. Die Chemotherapie soll dann diese bösartigen Zellen zerstören, bevor sie weiterwachsen können. Auch bei Patienten, bei denen aufgrund eines eingeschränkten Allgemeinzustandes oder einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung eine Operation nicht empfehlenswert scheint, kann eine Chemotherapie mit dem Ziel durchgeführt werden, ein fortschreitendes Vermehren der Krebszellen zu unterdrücken. Diese Chemotherapie wird in unserem Hause in Kooperation mit der Onkologischen Klinik und den niedergelassenen urologischen Ärzten in Wuppertal geplant und durchgeführt.  

Nieren- und Nebennierenkrebs

In speziellen Fällen sollte unbedingt versucht werden, eine Nierentumorentfernung mit Erhalt des restlichen Nierengewebes durchzuführen. Aber auch wenn keine zwingenden Faktoren vorliegen, so sollte wenn möglich versucht werden, so viel gesunden Anteil der Niere wie möglich zu erhalten. Dies ist insbesondere bei kleineren und auf der Nierenoberfläche gelegenen Nierentumoren möglich. Weltweit hat sich gezeigt, dass das Risiko eines Wiederauftretens des Tumors in der Niere (sog. Rezidiv) bei Einhaltung strikter operativer Standards extrem gering ist. Über Minischnitte werden durch vier bis fünf kleine Hohlhülsen Kamerasysteme und Instrumente in den Körper eingebracht und die Operation durchgeführt. Nach Entfernung des Tumors wird dieser zur weiteren Untersuchung geschickt.

Die Vorteile dieser Operationstechnik sind eine schnellere Erholung von der Operation, weniger postoperative Schmerzen, ein kürzerer Krankenhausaufenthalt und eine kosmetisch befriedigende Wundheilung.

Bei schwierig gelegenen oder sehr großen Tumoren ist eine minimal-invasive Schlüssellochoperation zu unsicher bzw. riskant. In diesen Fällen ist dann eine offene Schnittoperation der bessere Weg.

An speziellen Techniken verfügt die Urologische Klinik in Wuppertal über die Möglichkeit, während der Operation eine Ultraschallortung des Tumorgewebes zu realisieren. Zudem kann das Gewebe direkt vom Operationstisch zu den Pathologen gesandt werden, um beispielsweise einen tumorfreien Schnittrand zu erreichen. In seltenen Fällen kann es auch notwendig sein, die Niere mit künstlichen Spüllösungen stark abzukühlen, um mehr Zeit zu gewinnen, den oder die Tumore ohne Schädigung des verbleibenden gesunden Gewebes zu entfernen.

Bösartige Tumore der Nebenniere sind selten, können jedoch heute in mehr als 90% minimalinvasiv per Schlüssellochchirurgie operiert werden. An der Wuppertaler Klinik wird dieses Verfahren seit vielen Jahren erfolgreich angewandt und wir haben für diese Operationen viele überregionale Zuweiser.

Ist die komplette Entfernung der Niere erforderlich (Nephrektomie), wird an unserer Klinik in der Mehrzahl der Fälle die Schlüssellochtechnik angewandt. Die Operationsmethode und die Vorteile sind analog der organerhaltenden Tumorentfernung.

Bei großen oder in die Umgebung eingewachsenen Tumoren muß nicht nur die gesamte Niere entfernt werden, sondern auch das eventuell in Nachbarstrukturen eingebrochene Tumorgewebe. In diesen Fällen erfolgt nach sorgfältiger Abwägung der Möglichkeiten immer eine offene Schnittoperation.

Hodenkrebs

Sollte sich der Verdacht auf einen bösartigen Tumor in den Untersuchungen erhärtet haben, muss der Hoden durch eine Operation freigelegt und feingeweblich untersucht werden. Hierbei wird der Hoden durch einen Schnitt in der Leiste freigelegt und von dem tumorverdächtigen Hodengewebe eine Probe entnommen. Diese wird noch während der Operation im Institut für Pathologie untersucht, so dass nur bei einer Bestätigung der Diagnose der Hoden entfernt werden muss.

Simultan wird in der Operation auch vom Gegenhoden eine kleine Probe entnommen und ebenfalls zur feingeweblichen Untersuchung gegeben.

Auf Wunsch kann dem Patienten eine Hodenprothese anstelle des entnommenen Hodens eingesetzt werden. Diese übernimmt zwar nicht die Funktion des Hodens, führt aber zu einem kosmetisch befriedigenden Ergebnis.

Sollte im Vorfeld der Hodenoperation die Verdachtsdiagnose nicht eindeutig sein, gibt es spezielle Untersuchungen, die die Notwendigkeit einer operativen Freilegung untermauern. Entscheidend ist die Verfügbarkeit eines hoch auflösenden Ultraschallgerätes (10 MHz) und in einigen Fällen einer Duplexsonographie. In Wuppertal haben wir hierfür die neueste apparative Ausstattung. Insbesondere zur Klärung der Frage von Tochtergeschwülsten ist eine exzellente radiologische Schnittbilddiagnostik mit einer Computer- (CT) oder seltener einer Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich. Die Radiologische Klinik am HELIOS-Klinikum Wuppertal verfügt auch über modernste Geräte mit einer hervorragenden Bildqualität. Wichtige ergänzende Informationen sind die Blutbestimmung der sogenannten Tumormarker (AFP, bHCG, LDH). 

Bei fortgeschrittenen Tumorstadien kann eine Entfernung der Lymphknoten im hinteren Bauchraum (Retroperitoneum) notwendig sein. Je nach bereits nachgewiesenem Befall von Lymphknoten im Computertomogramm werden nur ein Teil (modifizierte Lymphadeneknomie) oder alle Lymphknoten entfernt (radikale Lymphadenektomie). Bei beiden Operationsverfahren wird jedoch stets versucht, die Nervenfasern, welche im Retroperitoneum verlaufen und für einen gerichteten Samenerguss wichtig sind, zu schonen (retroperitoneale Lymphadenektomie, RLA).

In Abhängigkeit von Tumorart, -größe und vor allem des Ausbreitungsgrads können im Anschluss an die operative Entfernung des tumortragenden Hodens noch weitere Therapieschritte wie eine Bestrahlung oder Chemotherapie notwendig sein. Beides wird in unserer Klinik in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Kollegen aus der Strahlenheilkunde oder Onkologie angeboten. So kann die gesamte Behandlung aus einer Hand hier in unserem Hause erfolgen. 

Unsere Therapie- und Nachsorgeempfehlungen entsprechen den aktuellsten europäischen Leitlinien. Es erfolgt immer eine interdisziplinäre Fallbesprechung mit den Onkologen und Strahlentherapeuten. Die Wahl der Therapieform hängt insbesondere von Stadium und Ausprägung der Erkrankungen sowie dem erwarteten optimalen Nutzen für den Patienten ab. Über die hier aufgezählten Therapieformen hinaus gibt es auch die Möglichkeit einer medikamentösen Tumortherapie.

Weiterführende Informationen

Patientenmerkblatt Prostatabiopsie

Patientenmerkblatt Radikale Prostatektomie

Patientenmerkblatt TUR-Blase

Patientenmerkblatt TUR-Prostata

Flyer Chemotherapie