Kardio-MRT

Forschung für die Herzgesundheit

Forschung für die Herzgesundheit

Schwerpunkte der Forschungsaktivität der Arbeitsgruppe für kardiovaskuläre Magnetresonanztomografie sind die Analyse der akuten Schädigung des Herzmuskels im Rahmen des Takotsubo-Syndroms (auch „Broken-Heart Syndrom“) genannt und im akuten Myokardinfarkt.

Die Arbeitsgruppe für kardiale MRT-Forschung bei akutem Koronarsyndrom

Forschung zum „Broken Heart Syndrome“


Das „Broken Heart Syndrome“ wurde erstmalig 1991 in Japan beschrieben und ist in der Fachliteratur geläufiger unter dem Begriff Takotsubo-Syndrom. Takotsubo bedeutet übersetzt „Tintenfisch-Falle“. Die Erkrankung wird deshalb so genannt, weil die Form des Herzens in der akuten Phase der Erkrankung an eine Tintenfisch-Falle erinnert (Abbildung 1).

Abbildung 1:  Darstellungen des Herzens in der kardialen MRT. In der Systole ähnelt die Form des Herzens einer japanischen Tintenfisch-Falle.

Es handelt sich um eine Erkrankung, die selten auftritt, häufig sind Frauen im mittleren Alter betroffen. Häufig wird ein Stress-Ereignis als Auslöser beschrieben, nicht selten ein Trauerfall in der Familie, daher auch der Begriff „Broken Heart Syndrome“ („Gebrochenes Herz“).

Warum betrifft die Erkrankung meistens Frauen? Was hat der Stress damit zu tun? Wie ist die Prognose? … Das sind alles Fragen, die bislang noch nicht geklärt sind. Die genauen Mechanismen und Ursachen dieser Erkrankung sind bislang noch nicht geklärt und hier hat die Forschung einen wesentlichen Stellenwert.

Unsere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dieser seltenen Erkrankung und untersucht die Funktion des Herzens im Kardio-MRT. Wir untersuchen den Schaden des Herzmuskels und vergleichen die Rate an klinischen Ereignissen wie z.B. das Auftreten eines Schlaganfalls nach Takotsubo-Syndrom. Das Ziel unserer Arbeit ist die bessere Einschätzung der Herzmuskel-Funktion im Verlauf und der Prognose der Erkrankung. Diese Fragen werden in Kooperationen mit anderen Herzzentren, wie der Charitè und dem Helios Klinikum Erfurt untersucht.

Das Kardio-MRT besitzt eine hohe diagnostische Sicherheit in der Diagnosestellung des Takotsubo-Syndroms. Meistens können Patienten erst nach einer Kardio-MRT Untersuchung von Patienten mit anderen Ursachen eines akuten Koronarsyndroms unterschieden werden.

Forschung zum akuten Myokardinfarkt

Im akuten Herzinfarkt kann es zu einer Schädigung des Herzmuskels kommen. Durch Aufnahmen mit Kontrastmittel kann das Ausmaß dieser Schädigung mittels kardiovaskulärer Magnetresonanztomografie dargestellt und analysiert werden. (Abbildung 2 und 3).

Abbildung 2: Beispiel einer späten Kontrastmittelanreicherung im Herzmuskel (siehe schwarzer Pfeil: weißer Bereich im Herzmuskel) nach akutem Myokardinfarkt. Gesundes Herzmuskelgewebe stellt sich dunkel dar. Die späte Kontrastmittelanreicherung „Late Enhancement“ (weisser Bereich) gibt in diesem Fall das Ausmaß des Schadens im Herzmuskel wieder. 

Abbildung 3: Gleicher Patient mit derselben späten Kontrastmittelanreicherung nach einem Hinterwandinfarkt aus einer anderen Perspektive (dem sogenannten „Zweikammer-Blick“). Der Herzmuskel im Hinterwandbereich ist geschädigt.

Mittels kardiovaskulärer Magnetresonanztomografie kann die Schwere der Herzmuskel-Schädigung ohne Anwendung von Strahlen analyisert werden. Schäden, die sich nicht regenerieren, können von vorübergehender Schädigung unterschieden werden. Dadurch kann das individuelle Risiko für die Prognose nach einem Herzinfarkt eingeschätzt werden.

In unserer Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns mit dem Ausmaß der Schäden am Herzmuskel und untersuchen mögliche Faktoren, die das Auftreten einer späten Kontrastmittelanreicherung nach akutem Myokardinfarkt beeinflussen können. Das Ziel unserer Arbeit ist eine möglichst frühe Risikoeinschätzung und damit Prognoseeinschätzung für den betroffenen Patienten.

Nicht jeder Herzinfarkt verläuft gleich!

Bei einigen Patienten zeigt sich eine ausgeprägte Herzmuskel-Schädigung nach akutem Herzinfarkt. Ein Zeichen hierfür ist der Nachweis einer mikrovaskulären Obstruktion (Abbildung 4). Die bisherige Forschung hat ergeben, dass der Nachweis einer mikrovaskulären Obstruktion nach akutem Herzinfarkt mit einer schlechten Prognose einhergeht. Bislang ist noch nicht eindeutig geklärt, warum bei einigen Patienten die mikrovaskuläre Obstruktion nachweisbar ist und bei anderen nicht.

Abbildung 4: Patient mit akutem Herzinfarkt der Seitenwand. Innerhalb des weißen Bereiches im Herzmuskel (s.o. „späte Kontrastmittelanreicherung oder „Late Enhancement“) zeigt sich ein dunkler Kern, die sogenannte mikrovaskuläre Obstruktion.

 

In unserer Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Faktoren das Auftreten einer mikrovaskulären Obstruktion begünstigen, um auch hier frühzeitig das Risiko nach einem schweren Herzinfarkt einschätzen zu können. Hierzu vergleichen wir Patienten mit und ohne mikrovaskuläre Obstruktion im erstmalig aufgetretenen akuten Herzinfarkt.

Eine Auswahl an bisherigen Publikationen unserer Arbeitsgruppe:

·        Abanador-Kamper N, Kamper L, Wolfertz J, Pomjanski W, Wolf-Pütz A, Seyfarth M. Evaluation of therapy management and outcome in Takotsubo syndrome. BMC Cardiovasc Disord. 2017 Aug 17;17(1):225.

 

·        Abanador-Kamper N, Kamper L, Vorpahl M, Brinkmann H, Karamani V, Haage P, Seyfarth M. Clinical predictors for the manifestation of late gadolinium enhancement after acute myocardialinfarction. Medicine (Baltimore). 2017 May;96(21):e7004.

 

·        Abanador-Kamper N, Kamper L, Karamani V, Haage P, Seyfarth M. (2016) Proximal culprit lesion and coronary artery occlusion independently predict the risk of microvascular obstruction in acute myocardial infarction. Int J Cardiovasc Imaging.32(8):1235-42.

 

·        Abanador-Kamper N, Karamani V, Kamper L, Brinkmann H, Haage P, Seyfarth M. (2016) Temporal course of microvascular obstruction after myocardial infarction assessed by MRI. Diagn Interv Radiol. 22(2):151-5.

 

·        Abanador-Kamper N, Kamper L, Wolfertz J, Dinh W, Thürmann P, Seyfarth M (2012) Influence of algorithm-based analgesia and sedation in patients after sudden cardiac arrest. Clin Res Cardiol 101: 175-83.

 

·        Abanador-Kamper N, Kamper L, Vorpahl M, Tiroch K, Haage P, Seyfarth M (2014) Coronary aneurysm with stent dislocation leading to the diagnosis of marfan syndrome. Circulation 129(17):1791-2.

 

·        Abanador-Kamper N, Wolfertz J, Kamper L, Haage P, Seyfarth M (2012) Disseminated intracardiac thrombosis: a rare manifestation of antiphospholipid syndrome. Eur Heart J Cardiovasc Imaging 13(6):537.