Frauen in Führungspositionen – Dr. Eva-Maria Hoffmann, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Für wie viele Mitarbeiter:innen sind Sie verantwortlich?

„25 Mitarbeiter:innen in vielen verschiedenen Berufen, über 100 Behandlungsplätze.“

Haben Sie ihre Karriere so geplant?

„Ich wusste schon im Studium, dass ich mich auf die Psychiatrie spezialisieren würde. Als Assistenzärztin habe ich mir dann 5-Jahres-Pläne gemacht und überlegt, wo ich wann sein und was ich dann gerne erreicht haben möchte. Dafür musste ich allerdings auch etwas tun. Um zum Beispiel Oberärztin zu werden, habe ich fleißig Zusatzqualifikationen gesammelt und zusätzliche Aufgaben oder Projekte übernommen. Zudem habe ich abends viel nachgelesen. Nebenher habe ich dann auch noch Gesundheitsökonomie studiert und meine Dissertation fertig geschrieben. Das war schon eine Belastung neben den vielen Diensten.“

War Ihr Weg nach oben schwieriger als bei Männern?

„Wer sich für eine Position qualifizieren möchte, muss sich aus der Masse hervorheben und besondere Schwerpunkte in der Ausbildung wählen. Die Position der stellvertretenden und kommissarischen Klinikdirektorin waren dann die Türöffner für meine heutige Position. Dabei hat mir die Unterstützung von anderen Frauen sehr geholfen.“

Das größte Vorurteil, mit dem ich zu kämpfen hatte war, dass ich das als Frau und Mutter nicht alle schaffen könne. Daher ist es sehr wichtig, dranzubleiben und seine Träume und Ziele zu verfolgen.“

Wie unterscheidet sich Ihr Führungsstil von dem von Männern?

„Meinen Führungsstil würde ich als mitarbeiternah, klar und verbindlich beschreiben. Ich fördere meine Mitarbeiter:innen individuell in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung, erwarte aber auch kontinuierliche Weiterbildung, Identifikation mit der Arbeit und persönlichen Einsatz. Ob ich mich damit von einem männlichen Führungsstil unterscheide, kann ich nicht sagen. Viele Mitarbeiter:innen sind mir gegenüber aber sehr offen und sprechen auch über private Dinge wie Familienplanung mit mir. Das würden sie vielleicht bei einem männlichen Vorgesetzten nicht machen.“

Was geben Sie Frauen mit, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

„Nicht alles im Leben ist planbar – auch nicht in 5-Jahres-Schritten. Ein wichtiges Lebensereignis wie die Geburt eines Kindes zum Beispiel lässt sich oft nicht einfach mal so planen. Frauen, die eine Karriere planen, sollten sich nicht zu sehr von ihrem Umfeld und der Gesellschaft beeinflussen lassen, sondern das machen, was ihnen guttut. Und Karriere und Familie sind vereinbar – wenn man es gut organisiert.“