Prostatakrebs: Auswirkungen auf Sex und Partnerschaft

Prostatakrebs ist mit rund 68.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Tumorerkrankung bei Männern. Neben der intensiven Krebsbehandlung und damit verbundenen Sorgen stehen die Betroffenen vor einer weiteren Herausforderung: Die Beeinträchtigung der Sexualität belastet die Patienten und deren Partnerschaften mitunter enorm. Aber welche Auswirkungen hat Prostatakrebs wirklich auf das Sexleben? Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Jäger, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie an den Helios HSK Wiesbaden steht Prostatakrebs-Patienten während der Therapie zur Seite.

Prostata-Operation: Wann droht eine Impotenz?

Die Sorge vor einer Impotenz beschäftigt viele Prostatakrebs-Patienten. Leider ist die Angst in vielen Fällen auch begründet. Impotenz, medizinisch erektile Dysfunktion, tritt nach der Entfernung der Prostata häufig auf und kann zu großem psychischen Druck führen. Die Steuerung der männlichen Potenz erfolgt über sehr dünne und empfindliche Nervenfasern, die auf ihrem Weg zum Penis in den sogenannten „Gefäß-Nerven-Bündeln“ sehr dicht an und entlang der Prostataoberfläche verlaufen.

Funktionserhaltende Operationen mit Da Vinci

Die radikale nervenschonende Prostatektomie – die operative Entfernung der Prostata – ist dann zu empfehlen, wenn der Tumor die Kapsel und Wände der Prostata noch nicht durchbrochen hat. „Mit Unterstützung unseres neuen roboterassistierten Operationssystems Da Vinci, das seit Anfang des Jahres in unserer Klinik im Einsatz ist, operieren wir mit höchster Präzision und können in vielen Fällen die Potenz erhalten“, erläutert Jäger. Ist der Krebs weiter fortgeschritten und die Prostatakapsel bereits durchbrochen, müsse meist eine weitere Resektion erfolgen. Nur so könne der Tumor möglichst vollständig entfernt werden. Die damit verbundene Durchtrennung der Gefäß-Nerven-Bündel führe zu einer Impotenz. „Erektionsstörungen können wir jedoch inzwischen sehr gut behandeln, sodass viele Betroffene wieder Sex haben können“, erklärt Jäger weiter.

Was hilft gegen Impotenz?

Falls es nach dem operativen Eingriff zu Erektionsstörungen kommt, sollte umgehend der nachbehandelnde Urologe aufgesucht werden. Vielen Männern fällt dieser Schritt schwer, weil sie sich schämen und nicht über ihre sexuellen Probleme sprechen wollen. Dabei sind Erektionsstörungen nach der Entfernung der Prostata ganz normal. Damit es zu keiner dauerhaften Impotenz kommt, sollte mit dem Urologen frühzeitig eine Behandlung abgesprochen werden. Am besten wird die anschließende Behandlung schon während des Klinikaufenthaltes geplant, um die physische und mentale Stabilität des Patienten nach der Operation schnell zu verbessern. Eine Möglichkeit, die nach der OP auftretende Impotenz zu behandeln, ist eine medikamentöse Therapie. Die einzunehmenden Tabletten erweitern die Penisgefäße und sorgen für einen vermehrten Bluteinstrom in die Penis-Schwellkörper. Alternativ zur Tabletteneinnahme kann ein anderes durchblutungssteigerndes Medikament verabreicht werden. Es kann direkt über den Schwellkörper injiziert (SKAT) oder in die Harnröhre eingeführt werden (MUSE).

Übungen zur Erektionsfähigkeit nach der Prostataentfernung

Neben der medikamentösen Therapie bietet das Schwellkörpertraining eine weitere Alternative, um die Potenz nach einer Prostatektomie wiederherzustellen. Eine Vakuum-Erektionspumpe bewirkt durch das erzeugte Vakuum einen stärkeren Blutstrom in die Schwellkörper. Urologen empfehlen betroffenen Patienten die Übung mit einer Vakuum-Erektionspumpe täglich zu wiederholen. Sollten die beschriebenen Therapien nicht helfen, kann als letztes Mittel eine hydraulische Penisprothese eingesetzt werden. Wichtig ist, dass die betroffenen Patienten Geduld mitbringen, denn die Zurückerlangung der Potenz nach einer Prostata-OP kann ein bis zwei Jahre dauern.