Welthirntumortag am 8. Juni 2021

Operieren wie Quark in einem Joghurt

Mit Hilfe von Augmented Reality operieren Neurochirurgen der Helios HSK millimetergenau im Gehirn. Neuste Verfahren der Bildgebung unterstützen dabei, das Gehirn beim Entfernen eines Tumors so wenig wie möglich zu schädigen. Doch steigen auch die Anforderungen an die Neurochirurgen.

„Es ist so, als würde man einen Quark im Joghurt operieren“, beschreibt Prof. Dr. Barbara Carl, Klinikdirektorin und Chefärztin der Neurochirurgie an den Helios HSK, Eingriffe im Gehirn. Das Gewebe ist ähnlich weich, die Strukturen gehen fließend ineinander über. Umso wichtiger, dass die Chirurgin ihr Einsatzgebiet genau vermessen kann, mit den neusten Methoden der Bildgebung. „Denn Spielraum haben wir im Gehirn keinen“, erklärt Chefärztin Carl. „In einer anderen Körpergegend würde man den Tumor etwas großzügiger entfernen, um das kranke Gewebe möglichst vollständig zu erfassen. Im Gehirn hingegen kann jeder Millimeter zu viel zu Schädigungen führen.“ So wird im Hirn auch nicht geschnitten, um den Tumor zu entfernen, sondern gesaugt oder mit Hilfe von (elektrischen) Pinzetten wird das gesunde Gewebe vom Tumor getrennt.

Um den Tumor zu verorten, kommen verschiedene Verfahren der Bildgebung zum Einsatz. Der Tumor wird mittels hochauflösender MRT-Daten dargestellt, die mit beliebig vielen weiteren Bilddaten fusioniert werden können. Die MRT (Magnetresonanztomographie) zeigt den Tumor in 3D. Mit den Bilddaten kann Prof. Carl dann arbeiten, zum Beispiel exakt markieren, wo sie den Eingriff setzt. Über der offenen Schädeldecke operiert Prof. Carl dann unter einem Mikroskop bei bis zu zehnfacher Vergrößerung. Über das Bild des Mikroskops kann sie dann beispielsweise Bilder aus CT und MRT sowie ihre Markierungen legen, sodass die erfahrene Neurochirurgin mit Hilfe dieser Augmented Reality (die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung) eine genaue „Kartierung“ des Gehirns ihres Patienten hat. So weiß sie, in welchen Bereich und wie tief sie mit ihrem Präzisionswerkzeug ansetzen muss.

Ergänzt wird die OP durch eine Echtzeitbildgebung, zum Beispiel per Ultraschall. „Das ist wichtig, um die Veränderungen des Gehirns während der OP zu sehen. Jeder Eingriff führt zu einer Veränderung.“ Neurochirurgen nennen dies Brainshift (Verschiebung des Gehirns). Zusätzlich verabreicht man einen unschädlichen Fluoreszenzmarker, der beim Blick durchs Mikroskop ausschließlich die kranken Tumorzellen leuchten lässt. „So kontrolliere ich, ob ich das kranke Gewebe vollständig entfernt habe“, sagt Prof. Carl. So kommen verschiedene Bildgebungsverfahren zusammen, die einerseits eine wichtige Unterstützung für die millimetergenauen Eingriffe sind, andererseits aber auch die Komplexität der Operation erhöhen. „Daher hat eine Tumoroperation im Gehirn sehr viel mit Strategie zu tun“, führt Chefärztin Prof. Carl aus. Aber eines nimmt ihr selbst die modernste Bildgebung nicht ab: die exakte und filigrane Handarbeit. Hier ist ihre Erfahrung Trumpf.

Die Helios HSK investieren in diese anspruchsvolle Spezialdisziplin und schaffen ein noch moderneres Mikroskop an, das für absolute High-Tech steht. Es kann die Gewebestrukturen in 3D visualisieren, und in herausragender Auflösung darstellen. Zudem beherrscht es alle denkbaren Fluoressenztechniken.

Bei den meisten Gehirntumoren ist eine Operation das erste Mittel der Wahl. Nach erfolgter Operation schließen sich in der Regel Bestrahlung und dann Chemotherapie an.

Die Klinik für Neurochirurgie ist Teil des zertifizierten Onkologischen Zentrums an den Helios HSK.