Tag der Organspende am 5. Juni

Lasst uns über Organspende sprechen

„Sie erfüllen ihrem Angehörigen damit seinen letzten Wunsch“. Mit diesen Worten findet Dr. Frederic Wanis, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie und Transplantationsbeauftragter der Helios HSK Wiesbaden, tröstende Worte für diejenigen, die sich von ihrem oder ihrer Liebsten verabschieden müssen und eine Organentnahme in Frage kommt.

Das kann er natürlich nur dann sagen, wenn der Sterbende diese Absicht in seinem Organspendeausweis dokumentiert oder zu Lebzeiten seinen Angehörigen gegenüber geäußert hat, dass er sich als Spender zur Verfügung stellt. Und eine Organspende kann nur dann durchgeführt werden, wenn der Hirntod nach einem standardisierten Verfahren von zwei erfahrenen Fachärzten festgestellt worden ist.

Allzu oft erlebt Dr. Wanis jedoch die Situation, dass die Familie nie über das Thema Organspende gesprochen hat und niemand weiß, was der mutmaßliche Wille des Sterbenden ist. „Zum Tag der Organspende ist es mir daher ein Anliegen, darauf aufmerksam zu machen, das Thema Organspende in der Familie und unter Freunden zu besprechen“. Irreversible Hirnschäden, die den Hirntod zur Folge haben, können ganz plötzlich nach einem Unfall oder einem Schlaganfall eintreten. Im Falle eines Falles ist es daher sehr wichtig zu wissen, ob jemand seine Organe spenden möchte oder eben ausdrücklich nicht. „Das nimmt den Angehörigen eine äußerst schwierige Entscheidung ab“, so Dr. Wanis. Zu den Organen, die gespendet werden können zählen Herz, Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Darm. Auch Gewebe wie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Haut, Blutgefäße, Knochen-, Knorpel- und Weichteilgewebe werden transplantiert. Das Alter ist für eine Organspende kein limitierender Faktor, Organe älterer Spender werden älteren Empfängern implantiert. Patienten mit schweren Kopfverletzungen, Schlaganfällen oder Hirnblutungen kommen am häufigsten als Organspender in Frage.

Strenge Voraussetzungen für Organentnahme

An den Helios HSK werden jährlich rund fünf Organentnahmen durchgeführt. Die Kriterien dafür sind sehr streng. Voraussetzung ist der irreversible Ausfall des Groß- und Kleinhirns sowie des Hirnstamms. Den Hirntod müssen zwei langjährig intensivmedizinisch erfahrene Fachärzte unabhängig voneinander feststellen. Einer der Ärzte muss ein Neurologe oder ein Neurochirurg sein.

In Deutschland warten derzeit mehr als 9.400 Menschen auf ein Organ. Viele stehen schon seit mehreren Jahren auf der Warteliste. Die meisten von ihnen warten auf eine neue Niere, eine Leber, ein Herz, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse. Das Problem: Der Bedarf an Spenderorganen ist in Deutschland größer als die Zahl gespendeter Organe. Die Anzahl der Organspender in Deutschland ist zu gering. Im Jahr 2020 waren es 913. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Spenderniere beträgt 5 bis 6 Jahre.

Die Organisation Eurotransplant in den Niederlanden koordiniert die Organspende in Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern. Jedes sechste Organ, das 2017 in Deutschland gespendet wurde, kam einem Empfänger außerhalb Deutschlands zu. Umgekehrt wurden hierzulande rund 600 Organe transplantiert, die von einem Spender eines anderen Eurotransplant-Landes stammten. Eurotransplant ist eine Stiftung, die für die länderübergreifende Zuteilung der gespendeten Organe zuständig ist. Neben Deutschland sind Kroatien, Belgien, Österreich, Slowenien, Ungarn, die Niederlande und Luxemburg Mitglieder bei Eurotransplant.