Schultergelenksarthrose

Schultergelenksarthrose

Das Schultergelenk ist ein Kugelgelenk, bei dem sich der Kopf des Oberarmknochens als "Kugel" in der Gelenkpfanne des Schulterblatts bewegt. Da die Pfanne im Vergleich zur Kugel klein ist, kann das Gelenk um alle drei Achsen so bewegt werden, dass es das beweglichste Gelenk des Menschen ist. Dies ist allerdings nur möglich, da das Gelenk "weichteilgeführt" ist. Es verfügt über eine spezielle komplexe Führung und Sicherung: Sie wird vor allem von Muskeln übernommen, die das rotierende Gelenk wie eine Manschette fest umfassen. Man spricht bei dieser Muskelgruppe daher von der Rotatorenmanschette. Im Gegensatz zu den Gelenken der unteren Gliedmaßen wirkt das Körpergewicht nicht auf das Gelenk ein. Daher ist die Abnutzung des Gelenkknorpels (Arthrose) beim Schultergelenk seltener anzutreffen als bei den tragenden Gelenken wie der Hüfte. Allerdings können Unfälle, vorangegangene Verletzungen (häufig Auskugelungen) und übermäßige Beanspruchungen (Leistungssport, Beruf) zu Schäden am Gelenkknorpel und einer Gelenkarthrose führen. Starke Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit sind die Folge.

Sollte der Verschleiß des Schultergelenks so weit fortgeschritten sein, dass nicht-operative Maßnahmen wie Spritzen, Tabletten oder Bestrahlungen keine Besserung erbringen, kann es notwendig sein, ein künstliches Gelenk einzubauen. Dazu ist es sehr wichtig, die sichernde Muskelführung der Rotatorenmanschette zu beurteilen. Ist sie intakt und Stabilität gegeben, kann die Prothese der Anatomie der Schulter nachempfunden werden: Bei der "anatomischen Schulterprothese" wird bei leichten Schädigungen der Knorpel der geschädigten Kugel entfernt und die Kugel mit einer künstlichen Kappe überkront (s. Bild unten). Bei schweren Schädigungen kann die Kugel komplett ersetzt und mit einem langen Schaft im Oberarmknochen verankert werden. Ist eine sehr gute Knochenqualität gegeben, wird das Implantat zementfrei verankert, im andern Fall zementiert (zu "Knochenzement" siehe zementierte Hüfte). Die kleine Pfanne wird nach Möglichkeit nicht ersetzt, wobei sie ausgetauscht werden sollte, wenn Form und Oberfläche stark beschädigt sind.

Die "inverse Schulterprothese" setze ich ein, wenn ein starker Verschleiß im Schultergelenk vorliegt und zudem die Schulterkappenmuskulatur (die Rotatorenmanschette) zerstört ist. Solche extremen Erkrankungssituationen sind dank der "inversen" Technik erst beherrschbar geworden: Die Mechanik des Implantats ist im Vergleich zur Standardprothese "invers" - umgekehrt - angelegt. Im Gegensatz zur anatomischen Schulter sitzt hier die Kugel auf der Schulterpfanne und die künstliche Schulterpfanne auf dem Oberarmschaft. Auf diese Weise gelingt es, das Dreh-Zentrum für die Bewegungen des Armes "nach unten und innen" zu verlagern. Damit ist die Prothese in sich stabiler und es reicht in der Regel ein spezieller Muskel aus, damit das Implantat funktioniert und die nicht arbeitende Rotatorenmanschette kompensiert wird. Mit der inversen Prothese gelingt es, die Schmerzen zu beseitigen und die Beweglichkeit stark zu erhöhen - wobei eine "natürliche" Beweglichkeit in allen Ebenen leider noch nicht erreicht werden kann.