Besuchsverbot

Das Besuchsverbot in den Wiesbadener Krankenhäusern wurde bis zum 18. Oktober verlängert.

Alle Infos zu den Ausnahmeregelungen finden Sie hier: Besuchsverbot und Ausnahmeregelungen

Kniearthrose

Das Knie verbindet den Ober- mit dem Unterschenkel. Dabei endet der Oberschenkel in zwei rollenähnlichen Köpfen, die innen und außen mit dem Schienbeinplateau korrespondieren. Das Gelenk ermöglicht das Beugen und Strecken. Dabei rollt der Oberschenkelknochen mit seinen beiden "End-Rollen" auf den zwischengelagerten Menisken, die die Kontaktfläche vergrößern. Gleichzeitig gleitet er vor und zurück: Es handelt sich um ein komplexes Roll-Gleitgelenk, das durch starke Bänder und eine stramme Kapsel so gesichert ist, dass es nur diesen Bewegungsspielraum zu lässt. Lediglich angewinkelt sind eine geringe Außen- und Innendrehung des Unterschenkels möglich. Zudem existiert neben dem Roll-Gleitgelenk das Kniescheibengelenk, bei dem sich die Kniescheibe unter der Patellasehne gegenüber dem Oberschenkelknochen verschiebt. Als Arthrose bezeichnet man die zu hohe Abnutzung des Gelenkknorpels, die mit Entzündungen einhergeht. Der Grund besteht meist darin, dass das Knie durch abweichende Beinanatomie, vorangegangene Verletzungen oder Entzündungen einer hohen Belastung ausgesetzt ist. Schließlich lässt sich das Knie schlechter bewegen und die Schmerzen nehmen stark zu - bis man "auf dem blanken Knochen läuft".

Der Begriff des "künstlichen Kniegelenks" suggeriert, dass in Analogie zum Hüftgelenk ein komplett neues Gelenk eingesetzt wird. Das ist allerdings beim Kniegelenk nicht der Fall: Bei der Knieprothesenoperation werden nur die Gelenkoberflächen ersetzt. Dabei werden - vergleichbar der Zahnkrone beim Zahnarzt - die geschädigten Gelenkflächen so vorbereitet, dass sie mit dem Implantat überkront werden können. Diese Technik wird im Falle der Totalprothese an allen drei Gelenkflächen (innen, außen, Kniescheibe) angewendet. Dabei müssen die stabilisierenden Bänder gut erhalten sein, lediglich auf das vordere Kreuzband wird verzichtet. Sind allerdings bestimmte Gelenkflächen noch intakt, werden nur die geschädigten erneuert: Man spricht von einer Teilprothese. Sie stelle ich Ihnen im anschließenden Menüpunkt gesondert vor. Bei der Knieprothese ist es möglich, die sichernden Bänder und die Gelenkkapsel weitestgehend zu erhalten. Sind die Bänder in keinem guten Zustand, kann deren Funktion zudem durch eine achsgeführte Totalprothese übernommen werden.

SCHLITTENPROTHESE/INNEN   SCHLITTENPROTHESE/AUSSEN   KNIESCHEIBENPROTHESE

Jeder der drei Gelenkanteile des Kniegelenks (die innere und äußere Gelenkfläche des Oberschenkel-Unterschenkel-Gelenks plus das Kniescheibengelenk) können auch einzeln "überkront" werden. Bei einem solchen partiellen Gelenkersatz sprechen wir von einer Teilprothese, bei der alle Bänder intakt sein mu?ssen. Damit kann die bestehende Stabilität und Funktion erhalten werden. Wegen der Ähnlichkeit mit einem "Schlitten" werden die Teilprothesen am inneren oder äußeren Gelenk als Schlittenprothesen bezeichnet. Dabei wird der innere beziehungsweise der äußere Meniskus/Knorpel durch ein Gleitlager aus Kunststoff ersetzt.

Beim künstlichen Kniegelenk wird kein komplett neues Kniegelenk eingesetzt. Es wird lediglich die zerstörte Knorpelschicht der Knochenenden (Oberflächenschicht), aus denen sich das Kniegelenk zusammensetzt, erneuert. Das Prinzip verdeutlicht die Animation: Unterschenkel und Kniescheibe werden nahezu plan vorbereitet. Die Oberschenkelenden werden eckig der bestehenden rundlichen Form nachempfunden. Um die Knochen genau auf die Implantatgröße anzupassen (die wir vorab anhand Ihrer Röntgenbilder festgelegt haben), werden von mir entsprechende Schablonen benutzt. Sie geben die genaue Knochenform für die gewählten Prothesen vor, auf die die Knochenenden "zugeschnitten" werden. Mit Probeprothesen wird der feste Sitz und die entstehende Bänderspannung geprüft. Auf die so vorbereiteten Knochenenden des Gelenks werden die künstlichen Edelstahl-Gleitflächen - vergleichbar einer Zahnkrone - als Kappen aufgebracht und mit Knochenzement fixiert. Sie sind gleich voll belastbar. Die Knochenzellen können in den Knochenzement einwachsen. Zwischen die Gleitflächen wird zudem ein Kunststoff-Gleitlager eingesetzt, das den Meniskus/Knorpel ersetzt. Das Kniescheibenimplantat, dessen Gleitfläche aus hochvernetztem Kunststoff gefertigt ist, wird zementiert eingesetzt.

Kein Knie gleicht dem anderen: Daher wird die genaueste Anpassung des Oberflächenersatzes erreicht, indem der Computer zu Hilfe genommen wird. Auf diese Weise können genau auf Ihr Knie ausgemessene Implantate und die dazugehörigen Schablonen für die Positionierung erstellt werden. Dazu ist eine (strahlungsfreie) Magnetresonanztomographie-Messung (MRT) nötig, mit deren Hilfe ein dreidimensionales Bild Ihres Gelenks und Beins errechnet werden kann. Liegt dieses Bild vor, kann - wie in der Animation gut zu sehen - sowohl die Größe als auch die Lage des Implantats anhand definierter Parameter vorab exakt festgelegt werden. Der so simulierte Gelenkersatz wird abschließend als Datensatz gespeichert. Anhand dieser Daten werden die Schablonen produziert. Liegen sie vor, werden in der realen Prothesen-Operation die vorab errechneten "virtuellen" Arbeitsschritte eins zu eins auf Ihr Gelenk übertragen. Neben der genauesten Anpassung an Ihr Knie kann mit diesem Verfahren das Operationstrauma sowie die Operationszeit verringert werden. Diese erweiterte Planungshilfe wird von den Krankenkassen bisher nicht übernommen. Über die Kosten informiere ich Sie gerne bei der Planung Ihres Kniegelenkersatzes. Weitere Informationen finden Sie hier.

Bei der Totalprothese werden bei ausreichender Kniestabilität alle drei Gelenkflächen ersetzt. Es ist allerdings sehr wichtig, vorab genau zu untersuchen und zu beurteilen, wie "fest" Ihr Knie ist: Ist die Kniestabilität durch vorangegangene Operationen am Knie oder durch den Verschleiß der Bänder stark herabgesetzt, ist es wichtig, dass die Prothese auch die verlorene Stabilität garantiert. Eine Scharnierprothese ist hier das Mittel der Wahl: Dabei wird der Gelenkersatz im Oberschenkel zusätzlich fest verankert. Zudem sind die beiden implantierten Gelenkflächen von Ober- und Unterschenkel gekoppelt: Sie sind aneinander befestigt oder mit einer Führungsschiene miteinander verbunden - vergleichbar dem Scharnier einer Tür - womit die Prothese die Funktion der Bänder übernimmt. Hierbei wird zudem eine leichte Drehung des Unterschenkels durch eine drehbare Aufnahme des Scharniers (in den Schienbeinteil) ermöglicht. Mit dieser Lösung lässt sich bei schwer­wiegenden Kniedefekten eine stabile Kniegelenks­situation mit guter Funktion herstellen.

ZEMENTFREI   ZEMENTIERT

Knieendoprothesen können sich lockern. Schmerzen bei Belastung, aber auch in Ruhe sind die Folge. Zudem kann das Knie überwärmt werden oder es kommt zu Ergüssen, Schwellungen und Instabilitätsgefühlen im Kniegelenk. Die Lockerung kann durch den Abrieb der Kunststofflauffläche oder durch den natürlichen Knochenumbau an der Kontaktfläche zum Implantat verursacht sein, der am Ende der mittleren Prothesen-Lebensdauer (Standzeit) von 12 bis 15 Jahren festzustellen ist. Allerdings können auch Bandinstabilitäten, Fehl­stellungen der Implantate oder eine bakterielle Infektion für die Lockerung verantwortlich sein, die zudem behandelt werden muss (siehe Infektionsbedingter Prothesenwechsel). Meist kann die Lockerung schon am Röntgenbild nachgewiesen werden. Zudem kann auf weiter führende diagnostische Mittel zurückgegriffen werden, um beispiels­weise eine Infektion nachzuweisen. Gerade für jüngere Patienten ist es wichtig zu wissen, dass die Implantate mehrfach gewechselt werden können. Bei den ersten Wechseln ist es meist möglich, nur den Oberflächenersatz zu erneuern und somit die Funktion und Belastbarkeit zu erhalten.

Ein Wechsel der Prothese kann auch erforderlich sein, wenn es zu einer durch Bakterien bedingten Infektion des Knieimplantats gekommen ist und eine vorangegangene Antibiotika-Therapie erfolglos verlief. Der Prothesenwechsel erfolgt in diesem Fall in zwei Schritten: Im ersten Schritt wird das Antibiotikum zum Entzündungsherd gebracht. Dazu wird die alte Prothese ausgebaut und in die entstehende "Lücke" Knochenzement (siehe zementierte Hüfte) als "Platzhalter" eingesetzt. Der Zement ist stark mit Antibiotika angereichert. Nun diffun­dieren die Medikamente ins Gewebe, bekämpfen und vernichten die Bakterien. In der Regel ist die Infektion nach sechs bis zwölf Wochen überwunden. Für diese Zeit kann der Patient mit einer Schiene versorgt werden: Damit ist es möglich, den "Platzhalter" so zu belasten, dass der Patient sich mit Gehstützen bewegen und mobil bleiben kann. Ist die Infektion überstanden, wird der Platzhalter herausgenommen und durch eine neue Prothese ersetzt.