Hüftarthrose

Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk: Dabei bildet der kugelförmige Kopf des Oberschenkelknochens "die Kugel", die sich in der von den Beckenknochen gebildeten Gelenkpfanne drehen kann. Dadurch kann das Bein frei im Raum um drei Achsen bewegt werden - beim gesunden Gelenk schmerzfrei und "locker": Dazu sind sowohl "Pfanne" als auch "Kugel" mit einer glatten Schicht aus hyalinem Knorpel überzogen. Die häufigste Ursache für einen endoprothetischen Eingriff am Hüftgelenk stellt die Hüftarthrose dar. Bei dieser Erkrankung wird der Knorpel des Kugelgelenks abgerieben und geschädigt. Es kommt zu Entzündungen, wodurch die Knorpelschicht weiter angegriffen wird, bis letztendlich Knochen auf Knochen unter extremen Schmerzen reibt. Gleichzeitig kommt es zu einem Knochenanbau, der zunehmend die Beweglichkeit einschränkt. Wie weit die Hüftarthrose fortgeschritten und welche Behandlung angezeigt ist, wird durch eine eingehende körperliche Untersuchung und die Beurteilung des Röntgenbildes festgestellt.

Während der Totalprothesen-OP werden Oberschenkelhals, -kopf und die Gelenkpfanne ersetzt: In den Oberschenkel wird ein Schaft mit kugelförmigem Keramik-Kopf und ins Becken eine künstliche Hüftpfanne eingesetzt. Es können auch kleine knochensparende Schenkelhalsimplantate zum Einsatz kommen, wenn es die Knochenqualität zulässt. Die Festigkeit erhalten die fest verklemmten Prothesen, indem die Knochenzellen in die Oberfläche des Implantates einwachsen. Die Hüftgelenkprothesen können danach unterteilt werden, wie die Implantate verankert und befestigt werden: Man spricht von zementierten und nicht zementierten Gelenkeinsätzen, die ich Ihnen auf gesonderten Seiten vorstelle. Zudem kann der Zugang zum Gelenk unterschiedlich erfolgen, zwingend ist, dass wichtige Strukturen, wie die am Gelenk ansetzende Muskulatur weitgehend unbeschädigt bleiben. In meiner Sprechstunde können wir gemeinsam die für Sie passende Prothese bestimmen: Wichtig zu wissen ist, dass sie eine mittlere Standzeit (Lebensdauer) von ca. 12 bis 15 Jahren hat und nach Ablauf dieser Spanne erneute Wechsel (und damit eine bewegliche schmerzfreie Hüfte) auch mehrfach möglich sind.

Bei der sogenannten "zementierten Hüfte" werden Kunststoffpfanne und metallener Oberschenkelschaft mit Knochenzement verankert. Knochenzement können Sie sich wie einen Zwei-Komponentenkleber vorstellen - ein Gemisch aus Binder und Härter. Zahlreiche Untersuchungen konnten belegen, dass dieser "Kleber", der chemisch dem Plexiglas sehr ähnelt, körperverträglich ist. Daher wird Knochenzement heute routinemäßig in vielen Bereichen der Chirurgie eingesetzt. Bei der künstlichen Hüfte füllt der Knochenzement den Raum zwischen Prothese und Knochen aus und verankert so die Implantate. Da er schnell aushärtet, liegt der Vorteil in der frühen Belastbarkeit des künstlichen Hüftgelenks nach der OP trotz der hohen Belastungen, die auf die Hüfte einwirken. Ein Nachteil besteht darin, dass es im Fall eines Prothesenwechsels nach Ablauf der Standzeit schwierig sein kann, den "Kleber/Zement" vollständig zu entfernen.

Bei der "zementfreien Hüfte" fehlt der "Kleber" - der Knochenzement. Die Oberflächen der aus Titan gefertigten Pfanne (mit einer Gleitfläche aus hochvernetztem Kunststoff) und des Schaftes sind - wie auf den Beispielbildern des 2. und 3. orangenen Punktes gut erkennbar - so gearbeitet, dass sie sich fest im Knochen verklemmen. Dazu müssen die Implantate sehr genau eingepasst werden. Auf diese Weise kann der Knochen stabilisierend einwachsen. Der Vorteil der zementfreien Prothese besteht darin, dass man sie im Fall einer Lockerung leichter wechseln kann, weshalb sie vor allem bei jüngeren Patienten eingesetzt wird. Bei ihnen ist meist auch das zweite Kriterium erfüllt: Das umgebende Gewebe und der Knochen müssen gesund und vital sein, damit ausreichend Knochen "zum Verfestigen" gebildet wird. Wie bei einer zementierten Prothese kann der Patient gleich mit der Belastung beginnen.

Die Schenkelhalsprothese verdankt ihren Namen der Tatsache, dass der Schenkelhals des Oberschenkelknochens bei diesem Spezialfall der "zementfreien Hüfte" erhalten bleibt: Es wird ein Titankurzschaft eingesetzt, da der Schenkelhals des Oberschenkelknochens nicht ersetzt werden muss. Pfanne und Schaft verklemmen sich nach dem Einsetzen wiederum fest im Knochen, der nun in das Implantat einwächst. Bei diesem Verfahren kann viel Knochenmaterial erhalten werden, was für spätere Wechsel von Vorteil ist. Diese Methode ist jedoch nur für Patienten geeignet, die über eine sehr gute Knochenqualität verfügen. Bei einer Fehlstellung der Hüfte kann es durch große Krafteinwirkung zu einer Lockerung der Prothese kommen. Daher stellt die Schenkelhalsprothese eine gute Alternative für junge, sehr aktive Patienten dar.

Pfannen und Schäfte können sich lockern. Die Ursachen sind vielfältig: Meist ist der natürliche Knochenumbau in der Kontaktfläche zum Implantat die Ursache. Aber auch ein Materialverschleiß der Gleitpaarung mit nachfolgender Entzündungsreaktion und Knochenverbrauch kann für die verminderte Stabilität verantwortlich sein. Meist zeigt sich eine nicht mehr fest sitzende Pfanne durch Schmerzen im Leistenbereich. In diesem Fall sollte die Pfanne operativ gewechselt werden, da eine gelockerte Pfanne das benachbarte Knochenmaterial weiter schädigen kann. Um den sicheren Halt zu gewährleisten, wird die Basis für die Pfanne - das bestehende Knochenmaterial - von mir während der Operation genau geprüft. Je nach Beschaffenheit wird die neue Pfanne mit oder ohne Knochenzement eingesetzt. Bei Knochendefekten kann zudem das abgebildete Gitterwerk eingesetzt werden. Sowohl Gitter als auch Pfanne können durch die Öffnungen mit dem Knochen verschraubt werden, wodurch eine enorme Stabilität erreicht wird. Solche Pfannenwechsel sind mehrmals möglich, wenn der Schaft weiterhin in gutem, stabilem Zustand ist.

Auch gelockerte Schäfte können gewechselt werden. Zum einen führt die Lockerung zu Schmerzen, meist im Bereich des Oberschenkels und es ist nicht mehr leicht, sich schmerzfrei zu bewegen: Das alte Leiden ist wieder da. Zum anderen besteht aus medizinischer Sicht die Gefahr, dass der lockere Schaft das umliegende Knochenmaterial des Oberschenkelknochens belastet und schädigt. Damit würde ein in der Zukunft unabdingbarer Wechsel komplizierter. Der Wechsel des Schaftes kann mehrmals erfolgen. Es wird von mir ein Titanschaft eingesetzt (fast immer zementfrei). Dazu ist es unter gewissen Umständen erforderlich, beim Ausbau den alten Schaft längs zu spalten. Der neue Schaft verklemmt sich fest im Oberschenkel und kann zur Sicherheit zusätzlich mit Drahtverklemmungen stabilisiert werden, falls der alte Schaft gespalten wurde. Der Knochen kann in diesen stabilen neuen Schaft gut einwachsen, ihn fest umschließen und die Prothese damit fest und belastbar machen.

Wie bei jedem sterilen Eingriff birgt auch die Hüftendoprothesen-Operation ein geringes Restrisiko, dass es zu einer "Früh-Infektion" (Vereiterung) des Implantats nach der Operation kommt. Zudem kann es auch nach Monaten oder Jahren zu einem "Spät-Infekt" kommen, wenn Bakterien beispielsweise nach einer Zahn-Operation in den Körper gelangen und über das Blut das Implantat infizieren. Bei solchen Komplikationen reicht eine alleinige Antibiotikatherapie oft nicht aus. Stattdessen muss die Prothese ausgebaut werden, um das entzündete Gewebe nachhaltig mit Antibiotika behandeln zu können. Dieser Wechsel erfolgt in zwei Schritten: Im ersten Schritt wird das Antibiotikum zum Entzündungsherd gebracht. Dazu wird in die nach dem Ausbau entstehende Lücke Knochenzement als "Platzhalter" eingesetzt, der stark mit Antibiotika angereichert ist. Nun diffundieren die Medikamente ins Gewebe, bekämpfen und vernichten die Bakterien. Dieser Prozess dauert in der Regel sechs bis zwölf Wochen. Nach dieser Zeit wird der Platzhalter herausgenommen und durch eine neue Prothese ersetzt.