Hilfseinsatz in Tansania

Operationsteams von INTERPLAST-Germany e.V. aus Deutschland geben Menschen in Sumbawanga/Tansania neue Lebensqualität. Kristin Klausnitzer ist eine von den Freiwilligen, welche vor Ort helfen.

Die medizinische Versorgung in Tansania ist eher schlechter als besser in den letzten Jahren. In der Region Rugwa in einem Radius von 400 km um Sumbawanga/Tansania gibt es nur einen Facharzt für Chirurgie. Andere Disziplinen sind nicht vorhanden. Im Jahr 1994 waren noch 23 Spezialisten (Ärzte und Pflegepersonal) für 10.000 Menschen im Einsatz, so gab es noch sechs im Jahr 2012. Deshalb hat sich die Sektion Sachsen von Interplast e.V. entschlossen, Spezialisten für plastische Chirurgie (schwere Verbrennungskontrakturen und Mund-Kiefer-Gesichtsfehlbildungen), für Viszeral-Chirurgie (Schilddrüsenerkrankungen, Leistenbruch), Orthopädie (Klumpfüße, Knochenbrüche, Knochenhautentzündung ), Physiotherapie, Gynäkologie und Geburtshilfe im Rahmen der Einsätze vorzuhalten. (Quelle: Sektion Sachsen, Interplast Germany e.V.)

Kristin Klausnitzer, gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin und stellvertretende Pflegedirektorin ist seit Sonntag für die Nachsorge im Team der plastisch-chirurgischen Operationen im Hilfseinsatz in Sumbawanga und berichtet von ihrer Arbeit.

22. April 2018

Angekommen! Nach zwei Tagen Anreise, vier Starts und Landungen und sechs Stunden Busfahrt, müde, aber voller Vorfreude, bin ich am Sonntag, den 22.April sofort in meine neue Aufgabe gestartet.

 

 

23. April 2018

Nach über 12 Stunden Arbeit ist Tag 2 geschafft. Das Fazit: Fast 30 Verbandswechsel und mehrere Notfälle. Die Patienten nehmen Wege von über 400 km auf sich, um sich bei den Helfern von Interplast e.V. vorzustellen.

Heute begann auch das Screening für die Augenpatienten. ca. 400 Patienten warteten geduldig. 147 konnten angeschaut werden, die anderen müssen morgen wiederkommen.
Für das Augenteam ist es der erste Einsatz, wir unterstützen uns natürlich.

Bereits der 18. Einsatz und der achte als Nachsorge ist es für das Team der plastischen Operationen mit Diagnosen wie Klumpfüßen, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Verbrennungen, Hernien, Knochenbrüche und Amputationen.

24. April 2018

Tag 3 in Sumbawanga geht zu Ende. Nach über 13 Stunden Arbeit bin ich froh, endlich im Gästehaus zu sein und einfach mal zu sitzen. Das Fazit von heute sind über 40 Verbandswechsel und mehrere Geburten. Die Geduld und die Stärke, Schmerzen auszuhalten, ist sehr beeindruckend. Die einfachen Umstände holen einen ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück und geben vielem anderen eine neue Bedeutung.

25. April 2018

Tag 4 in Sumbawanga ist geschafft. Wir beginnen und beenden jeden Tag mit einer Visite, verteilen Medikamente und freuen uns an den kleinen Erfolgen, die wir erzielen konnten.

26. April 2018

Tag 5 in Sumbawanga. Wir werden geboren um zu leben...zumindestens ist dies der Grundsatz, nachdem wir leben und es für uns in Deutschland auch alle Möglichkeiten gibt, diesem Leben nachzugehen. Hier in Tansania ist das leider nicht immer so. Vor ca. vier Tagen wurde dieser kleine Junge in meinem Arm mit einer Gastroschisis geboren und uns heute im Hospital vorgestellt. Leider können wir dem Kind nur mit unseren bescheidenen Mitteln helfen. Die dringende OP, welche ihm eine Möglichkeit zum Überleben geben würde, ist hier nicht möglich, so dass der Kleine keine Chance hat und sterben wird. Bis dahin bleibt der Junge mit seiner Mama bei uns im Hospital.

27. April 2018

Tag 6 in Sumbawanga.
Hygiene ein bisschen anders und nicht unbedingt nach deutschen Standard - aber es funktioniert!

Die Instrumente werden erst in Lösung gelegt und anschließend mit der Bürste geputzt und abgetrocknet, bevor sie in die Sterilisation gehen.

Verbandsets stellen wir zum Teil selbst zusammen und packen nach der Arbeit die Tüten mit dem Verbandsmaterial und Instrumenten.

28./29. April

Das Wochenende in Sumbawanga ließ uns auch ein wenig Zeit, die Umgebung zu erkunden. Nach einem halben Tag Arbeit am Samstag bestiegen wir, gefolgt von einer Schar Kinder, einen kleinen Berg und hatten einen wahnsinnig schönen Ausblick auf die Stadt Sumbawanga.

Sonntag Nachmittag wurden wir von Marianne, einer Deutschen, welche hier ein Kinderheim betreibt, zu einem Fest eingeladen. Das Fest war geprägt von afrikanischer Musik und sehr leckerem Essen. Später blieb noch etwas Zeit, um durch die Stadt zu bummeln und sich ein wenig auf dem Markt umzusehen.

2. Mai 2018

Die Arbeitstage im Hospital werden etwas kürzer.  Viele Patienten konnten wir nun schon nach Hause schicken. Ihre Wunden sind gut verheilt und wir sind uns sicher, das die vollständige Wundheilung jetzt auch ohne unsere Hilfe funktioniert. Wir haben nun etwas mehr Zeit nach der Arbeit, die hiesigen Märkte zu erforschen und das tansanische Lebensgefühl zu ergründen.
Morgen ist auch unser letzter Arbeitstag und dann heißt es schon packen, aufräumen und den "Locals" die restlichen Patienten übergeben.

4. Mai 2018

Alles wieder aufgeräumt
Alles wieder aufgeräumt und verpackt.

Die letzten beiden Tage vergingen wie im Flug. Unzählige Verbandswechsel haben wir noch durchgeführt - in den letzten Wochen waren es allein 450.
Nun sitzen wir wieder im Bus und sind auf dem Rückweg. Erst jetzt wird einem klar, was wir in den letzten beiden Wochen alles erlebt und gesehen haben, welch tollen Menschen wir begegnen durften und wieviel wir alle voneinander lernen konnten. Bewusst wird mir gerade auch, wie müde und geschafft wir sind, fast Jeder im Bus schläft.
Diese Zeit ist unvergesslich und eine absolute Bereicherung für mein Leben. Sie hat mir mal wieder gezeigt, wie gut es uns geht und welch unbeschreibliches Glück wir haben, in Deutschland geboren zu sein, mit all seinen Möglichkeiten, wo die medizinische Versorgung gesichert ist und Niemand aufgrund mangelnder Möglichkeiten sterben muss.
Ich bedanke mich bei meinem Team, es war großartig und beeindruckend, wie schnell wir Hand in Hand miteinander gearbeitet haben und uns aufeinander verlassen konnten.
Mit Wehmut und ein bisschen Traurigkeit verlasse ich nun das Hospital und Sumbawanga und freue mich gleichzeitig noch auf ein paar Tage Urlaub auf dem Kontinent mit der roten Erde und dann bald wieder auf mein Zuhause.

Kristin Klausnitzer

Unser Team