Multimodale Schmerztherapie

Die multimodale Schmerztherapie richtet sich an Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen, die durch viel Aktivität und gezielte therapeutische Maßnahmen lernen möchten, ihr Schmerzerleben zu verringern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Unter Gesundheit verstehe ich nicht Freisein von Beeinträchtigungen, sondern die Kraft, mit Ihnen zu leben.

Johann Wolfgang von Goethe

Die Multimodale Schmerztherapie ist ein Konzept, bei dem Therapeuten verschiedener Bereiche unter ärztlicher Leitung Hand in Hand zusammenarbeiten, um chronische Schmerzen zu behandeln. Die Grundlage der chronischen Schmerztherapie beruht auf dem biopsychosozialen Modell, das körperliche, psychische und soziale Faktoren im Zusammenhang betrachtet und in ein ganzheitliches Therapiekonzept zur Schmerzbewältigung umsetzt.

Der Name „multimodal“ leitet sich ab von: viele (lateinisch: multi) Arten (lateinisch: modi) der Behandlung.

Die Multimodale Schmerztherapie kombiniert körperliche Therapieeinheiten mit seelischer Behandlung über einen festgelegten Zeitraum in Form von Einzel- und Gruppenübungen. In Abstimmung mit jedem Patienten werden Behandlungsziele vereinbart und alle Therapeuten verfolgen gemeinsam diese Ziele mit ihren Behandlungen nach einem vorgegebenen umfassenden Behandlungsplan. Patienten lernen – trotz und wegen ihrer Schmerzen – selbstbestimmt zu handeln. Dabei sind die Überwindung von Angst und Vermeidung sowie die Förderung von Verständnis und Selbstberuhigung wesentliche Bestandteile des multimodalen Therapiekonzeptes. Die Nachhaltigkeit entsteht durch das eigenständige Fortführen der erlernten Verfahren im Alltag.

Für die stationäre Multimodale Schmerztherapie ist das Vorhandensein von 3 der folgenden 5 Kriterien von den Krankenkassen gefordert:

 

  • Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen des Bewegungssystems
  • Bereits durchgeführte Behandlung wegen chronischer Schmerzen waren nicht erfolgreich
  • Deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität/Arbeitsfähigkeit
  • Medikamentenabhängigkeit oder -missbrauch
  • Psychische Faktoren, die die Schmerzen verstärken
  • Gravierende körperliche Erkrankung, wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Nierenerkrankung, Herzrhythmusstörungen

Dazu beraten wir Sie gerne in einem vorbereitenden Gespräch.

An folgenden Zielen können wir gemeinsam arbeiten:

  • Verringerung Ihrer Schmerzen
  • Steigerung von Fitness, Belastbarkeit, Koordination und Körperwahrnehmung
  • Aufbau von Vertrauen in die eigene Bewegungs- und Leistungsfähigkeit, Bewegungsangst verringern
  • Eigenverantwortlicher Umgang mit dem Schmerz, Besserung der Schmerzerträglichkeit, positive Schmerzbewältigung
  • Erkennen und Verändern von Situationen, Verhaltensweisen und Gedanken, die Schmerzen auslösen oder verstärken
  • Motivation zur Aktivität und zum Fortführen erlernter Techniken im Alltag
  • Steigerung Ihrer Lebensfreude und Lebensqualität
  • Ggf. Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit

Bei unserem vorbereitenden Gespräch beraten wir Sie gerne über die von uns empfohlene Behandlungsdauer für Sie. Wir bieten Programme von 7 bis 14 Behandlungstagen an. Dazwischen liegen jeweils Ruhetage zur Stabilisierung und Festigung des Erlernten, so dass ein Gesamtaufenthalt bei uns zwischen 9 und 20 Tagen dauert.

Zu Beginn unserer Multimodalen Schmerztherapie steht eine sorgfältige Schmerzdiagnostik. Wir untersuchen Sie umfassend und ausführlich ärztlich, psychologisch, ergo- und physiotherapeutisch und erstellen einen individuellen Behandlungsplan.

Die Behandlungen finden sowohl in der Gruppe als auch einzeln statt und werden von Ärzten, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten durchgeführt.

  • Informationsvermittlung:
    Damit Sie zum "Experten für Ihren Körper" werden, vermitteln wir Kenntnisse über Aufbau und Funktionsweise Ihres Körpers, Bewegungstechniken, Hintergründe akuter und chronischer Schmerzen sowie Zusammenhänge mit psychologischen und sozialen Faktoren.
  • Sport / Bewegung:
    In täglich durchgeführten Sportstunden können Sie wieder Freude und Spaß an der eigenen Bewegung erleben sowie Bewegungs- und Schmerzängste überwinden. Das Laufen mit und ohne Stöcke (Nordic Walking) - egal, bei welchem Wetter im Freien - dient zum Ausdauertraining und Leistungsaufbau
  • Psychologie:
    Chronische Schmerzen werden durch Stress, Konflikte und Stimmungen beeinflusst und manchmal sogar dadurch ausgelöst. Gemeinsam mit Ihnen versuchen wir festzustellen, ob derartige Einflüsse bestehen und arbeiten dann daran, diese zu verändern. Wir wollen Ihnen Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteln, die Sie in der Bewältigung des Alltags und der beruflichen Herausforderungen unterstützen können.
  • Körperwahrnehmung / Spannungsregulation:
    Damit die Umsetzung in den Alltag gut gelingt, erlernen Sie verschiedene Techniken zur Wahrnehmung ihres Körpers und Möglichkeiten, Anspannung im Alltag zu verringern
  • Alltags- und berufsbezogenes Training:
    Durch anhaltende Schmerzen werden Sie in Arbeits- und Alltagstätigkeiten stark beeinträchtigt. Spezielle alltagsbezogene Schwierigkeiten und Ängste werden thematisiert (nicht sitzen können, keine Treppen steigen können, nicht heben können). Wir werden mit Ihnen typische Bewegungen aus diesen Lebensbereichen wieder konkret trainieren und so reaktivieren.
  • Ärztliche Behandlung:
    Beim Einsatz von Medikamenten und Spritzenbehandlungen achten wir sehr genau darauf, dass der Nutzen nicht von Nebenwirkungen aufgehoben wird. Wir verfahren dabei immer nach dem Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
  • Alternative Heilmethoden:
    Ergänzend können alternative Verfahren aus den Bereichen der Akupunktur, Neuraltherapie, Homöopathie und Naturheilverfahren zum Einsatz kommen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie daran Interesse haben.

Während der täglichen Visiten haben Sie die Möglichkeit neue Erfahrungen und Erfolge, aber auch Schwierigkeiten und Probleme anzusprechen.

Unser Team trifft sich zweimal pro Woche zu einer gemeinsamen Besprechung. Alle Patienten werden jeweils mit ihrer Krankengeschichte, ihren körperlichen Befunden, Überzeugungen, ihrem Verhalten und Umgang mit dem Schmerz vorgestellt. Therapiefortschritte werden ebenso diskutiert wie Schwierigkeiten in der Behandlung. Für jeden Patienten werden Behandlungsziele vereinbart und ggf. angepasst Alle Therapeuten verfolgen gemeinsam diese Ziele mit ihren Maßnahmen.

MorgensKreislaufkontrolle, evtl. Blutabnahmen, ärztliche Visite (Montag – Freitag), Frühstück, Morgensport
VormittagEinzel- und Gruppentherapien
Mittaggemeinsames Mittagessen, Ruhepause
Nachmittag

Einzel- und Gruppentherapien bis 16.00 Uhr, danach freie Zeit für Eigenübungen und zur Entspannung
AbendsAbendessen
  • bei geringer körperlicher Belastbarkeit wie z.B. schweren Atem-, Herz-, Kreislauferkrankungen
  • bei akuten Erkrankungen wie z.B. Rückenschmerzen durch Tumore oder Entzündungen, Krebserkrankungen, frische Knochenbrüchen (bis vier Monate)
  • unmittelbar nach Operationen (bis drei Monate)
  • bei fehlender Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme an den Behandlungen
  • bei fehlender Motivation zur Veränderung