Ursachen

„Rheuma“ umfasst einen mannigfaltigen und sehr individuellen Krankheitskomplex. Auch z.B. die Schuppenflechte (Psoriasis), der Morbus Bechterew oder Kollagenosen werden im weitesten Sinne unter dem Begriff zusammengefasst.

Fast immer kommt es zu einer Entzündung der Gelenkinnenhaut der Hand. Es resultiert in der Regel zunächst eine Schwellung. Diese führt zur Überdehnung der Gelenkkapseln, Sehnen und Bänder. Später können irreparable Knorpel- und Knochenschäden auftreten. Die Gelenke sind außerdem weniger stabil und vermindert belastbar. Sie neigen zu Fehlstellungen und damit wiederum zu Fehlbelastungen und Funktionseinschränkungen.

 

Beschwerden

Grundsätzlich nimmt das Handgelenk hinsichtlich der Gesamtfunktion der Hand eine zentrale Stellung ein. Fehlstellungen dieses Gelenkkomplexes führen im Laufe der Erkrankung vor allem zu Folgefehlstellungen der Finger. Durch die schmerzbedingte Schonhaltung kann es rasch zu Kraftverlust, eingeschränkter Beweglichkeit und sogar zur Versteifung in einer Fehlstellung kommen.

 

Behandlungmethoden

Obwohl man bestrebt ist, das Rheuma so lange wie möglich medikamentös oder mittels Gelenkverödungen zu therapieren, ist frühes Handeln im Sinne der Synovektomie (= Gelenkinnenhautentfernung), auch im Bereich der Sehnenscheiden der Handgelenk- und Fingerstrecksehnen oft ratsam.

Wird an den Sehnen rechtzeitig operiert, lassen sich u.U. Sehnenrupturen (= Reißen einer Sehne) vermeiden. Mit Synovektomien ist man oft in der Lage, einen drohenden Funktions- oder Stabilitätsverlust über einen längeren Zeitraum und damit schwerwiegendere Eingriffe hinauszuzögern.

Zu Beginn einer jeden Therapie steht das Ausschöpfen der konservativen Maßnahmen in der Regel durch Ihren Rheumatologen. Entscheidend kann z.B. die medikamentöse Behandlung mit Basistherapeutika oder geeignete Spritzenbehandlungen mit oder ohne zusätzliche Verödung sein.

operativ

bei Schmerz und Schwellung als Zeichen einer ausgeprägten Entzündungsaktivität am Handgelenk

wenn die konservative Therapie (chemische oder radioaktive Verödung der Gelenkinnenhaut) keinen ausreichenden Erfolg mehr verspricht

bei einer schmerzhaften Zerstörung der Gelenkstrukturen

bei drohenden Sehnenrissen infolge extremer Fehlstellungen

bei Funktionsverlust (z.B. Instabilität, Kraftverlust)

 

Risiken

Es gilt: „So spät wie möglich, so früh wie nötig.“

Kommt man zu spät oder werden die Beschwerden zu lange bagatellisiert, müssen oft aufwendige Sehnenrekonstruktionen mit langer Nachbehandlung durchgeführt werden.

Nicht immer erlangt die Hand dann ihre vollständige Funktionsfähigkeit zurück. Sehr oft ist es auch bei einem völlig schmerzfreien Zustand notwendig, einen prophylaktischen Eingriff durchzuführen: schwere Deformierungen gefährden das Sehnenspiel und können zu komplexen Sehnenrupturen führen.

Hat die rheumatische Zerstörung des Handgelenkes zu einer Auflockerung der Kapselbandstrukturen, einem Auseinanderweichen von Handwurzelknochen oder zu einer beginnenden Instabilität der Handwurzel geführt, sind meist Versteifungsoperationen, z.B. die Teilversteifung nach Chamay (= Versteifung zwischen Speiche und Mondbein) unumgänglich.

Damit geht zwar ein Teilverlust an Beweglichkeit im Handgelenk einher, der oft aber gut kompensiert werden kann.

Bei weiter fortgeschrittener rheumatischer Zerstörung des Handgelenks bleibt allerdings häufig nur die vollständige Versteifung. Mehrere Verfahren stehen hier speziell bei Rheumapatienten zur Verfügung, so z.B. die Operation nach Mannerfelt oder die Plattenarthrodese. Trotz der Aufgabe der Handgelenksbeweglichkeit ist der große Vorteil der Versteifungsoperation (Arthrodese) die volle Rückerlangung der Stabilität und damit der Zugewinn der verloren gegangenen Kraft. Es kann in manchen Fällen aber auch möglich sein, eine Handgelenkprothese zu implantieren. Voraussetzung hierfür sind intakte Knochen und erhaltene Sehnen, insbesondere des Handgelenkes. Hierdurch kann zumindest eine gewisse Beweglichkeit erhalten werden. Erkundigen Sie sich bitte bei uns über die Dauer der Nachbehandlung und den richtigen Zeitpunkt zur Operation.

Die rheumatische Entzündung im Bereich der Beugesehnen des Handgelenks und der Finger unterliegen ähnlichen Prinzipien: es darf möglichst nicht zum Reißen (Ruptur) von Sehnen kommen. Häufig ist mit der Raumforderung durch rheumatisches Entzündungsgewebe eine Einengung von Nerven im Bereich von Handgelenk und Hohlhand verbunden („Karpaltunnelsyndrom“). Oft ist der Medianusnerv davon betroffen, gelegentlich aber auch der Ulnarisnerv. Auch wegen der drohenden Schäden im Bereich dieser Nerven ist hier besonders rechtzeitiges Handeln angezeigt. Hier kann es bei langer Krankheitsdauer u.U. zu irreparablen Schäden kommen.

Der Daumen nimmt unter den Fingern eine besondere Stellung ein, weil er den übrigen Fingern gegenübergestellt werden kann und damit wesentliche und besondere Funktionen bei den verschiedensten Greifformen einnimmt. Da das Daumensattelgelenk bei der Opposition (Gegenüberstellung) ein hohes Bewegungsausmaß besitzt, werden gelenkerhaltene Verfahren angestrebt. Nur in besonderen Fällen wird man sich zur Versteifung dieses Gelenks entschließen. Die Arthroplastik des Daumensattelgelenks trägt diesem Gesichtspunkt dann Rechnung, bedarf aber einer besonderen Nachbehandlung.

Die Grundgelenke der Finger sollen möglichst lange ihre natürliche Beweglichkeit beibehalten, da der alltägliche Funktionsbedarf dieser Gelenke sehr hoch ist. Mit dem Ersatz zerstörter Fingergelenke durch Platzhalter (Arthroplastik) wird diesem Prinzip Rechnung getragen. Echte Prothesen oder Silikonspacer stehen zur Verfügung.

Der Eingriff wird normalerweise mit einer Synovektomie kombiniert. Regelhaft werden bei diesen Eingriffen auch Weichteilkorrekturen (insbesondere der Gelenkkapseln und Sehnen) durchgeführt, um eine Balance der Fingerweichteile und damit eine natürliche Ausrichtung und Korrektur der Finger zu erreichen. Der Operationszeitpunkt ist auch hier von entscheidender Bedeutung.

Die Fingermittel und -endgelenke sind oft eher für Versteifungen geeignet. Man kann die Gelenke in eine für den täglichen Gebrauch günstige Stellung bringen, was neben der Schmerzfreiheit zu einem deutlichen Kraftgewinn führt. Die Preisgabe der Beweglichkeit ist in solchen Fällen meist angemessen und der vergleichsweise geringere Nachteil. Der Arzt legt in der Regel gemeinsam mit Ihnen die für den täglichen Gebrauch günstigste Position des Gelenkes fest.

Nachbehandlung

Die individuelle Übungsbehandlung sollte schnellstmöglich einsetzen, um Verklebungen, Muskelverkürzungen (Kontrakturen) und somit funktionelle Bewegungseinschränkungen zu vermeiden. Ihr Handchirurg findet den richtigen Kompromiss zwischen notwendiger Ruhigstellung und Wiedererlangung der Funktion. Dabei ist Ihre aktive und kontinuierliche Mitarbeit entscheidend.

Zur Lagerung und zum Schutz wird Ihnen in der Regel direkt nach der Operation eine Schiene angelegt. Ab dem ersten Tag soll durch Hochlagern und Kühlen der Hand eine Schwellung vermieden bzw. reduziert werden. Die funktionelle Übungsbehandlung soll die Gelenkbeweglichkeit fördern sowie Verwachsungen an der Gelenkkapsel verhindern, die u.U. zu Bewegungseinschränkungen führen könnten. Bitte erkundigen Sie sich rechtzeitig, welche Rheumamedikamente vor einem Eingriff nicht mehr eingenommen werden dürfen. Vor allem sog. Biologika sind dafür bekannt, in Einzelfällen Wundheilungsstörungen zu verursachen. Durch ein rechtzeitiges Pausieren können oft schwere Komplikationen vermieden werden. Die Nachbetreuung wird allgemein in enger Zusammenarbeit mit Ihrem behandelnden Rheumatologen stattfinden.