„Welt-Antibiotika-Tag“ – Resistenzen auf dem Vormarsch

„Welt-Antibiotika-Tag“ – Resistenzen auf dem Vormarsch

Warburg

Am 18. November ist „Welt-Antibiotika-Tag“. Dr. Ludger Wesche ist Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie und Antibiotika-Experte. Er erklärt im Interview, warum das Thema auch für die Bevölkerung wichtig ist.

Herr Dr. Wesche, warum ist das Thema Antibiotika so wichtig?

Antibiotika sind ein so wichtiges Thema, weil es in den letzten Jahren weltweit, zu einem auffälligen Anstieg multiresistenter Erreger gekommen ist. Das nationale Referenzzentrum (NRZ) veröffentlicht jährlich Zahlen aus verschiedenen Informations- und Datenquellen, wie z.B. dem Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) oder dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Auch wenn laut Erhebung nur ca. sechs Prozent der Krankenhausinfektionen durch multiresistente Erreger bedingt sind, ist dies dennoch ein Alarmsignal, denn multiresistente Erreger sind Bakterien, bei denen viele Antibiotika nicht mehr wirken. Eine wichtige Ursache dafür ist der zu häufige, zu unspezifische und zu unkritische Einsatz von Antibiotika beim Menschen, aber z.B. auch in der Tierzucht.

Wenn ich als Patient zum Arzt gehe, bekomme ich Antibiotika verschrieben. Der Arzt weiß, was er tut. Warum ist das Thema für mich dann wichtig?

Grundsätzlich sollten Sie Ihrem Arzt natürlich das Vertrauen schenken, dass er weiß, was er Ihnen verschreibt. Sie können dennoch auch selbst Ihr Bewusstsein schärfen, in dem Sie sich bewusst machen, dass eine zu häufige Antibiotikagabe Folgen haben kann. Hinterfragen Sie daher sich selbst und ihren Arzt, ob ein Infekt tatsächlich mit einem Antibiotikum behandelt werden muss. Die Berufstätigen unter uns neigen dazu, gesundheitliche Probleme "schnell beheben" zu wollen, um wieder arbeitsfähig zu sein. Hier sollte jeder für sich seine Gesundheit wieder ernster nehmen und sich und seinem Körper Zeit geben, wieder zu gesunden.

Wozu benötigen wir die Antibiotika?

Diese Medikamente werden bei schweren bakteriellen Erkrankungen eingesetzt, wenn das eigene Immunsystem diese nicht selbst in den Griff bekommt bzw. bekommen kann. An und für sich ist der Einsatz von Antibiotika hoch wirksam. Erst durch den unüberlegten Einsatz kommt es zu Resistenzentwicklungen bei den Bakterien. Diese resistenten Erreger stellen für gesunde Menschen kein Problem dar, können aber bei einem schwerkranken Patienten lebensgefährlich sein.

Wie wird dann in der Klinik über die Vergabe von Antibiotika entschieden?

Der Leitspruch unserer Klinik in Bezug auf Antibiotikavergabe lautet "So wenig wie nötig, so spezifisch wie möglich!" Zunächst steht die klinische Untersuchung des Patienten im Vordergrund. Dabei werden Anamnese, Begleiterkrankungen und Risikofaktoren, wie z. B. Auslandsaufenthalte oder Unterbringung in Wohngemeinschaften berücksichtigt. Nur wenn der Patient in Zusammenschau aller Befunde schwer beeinträchtigende Krankheitszeichen aufweist (z. B. Fieber, Luftnot, Bewusstseinsstörung), werden Antibiotika gezielt eingesetzt. Durch die Entnahme von Proben, wie Urin, Lungensekret oder Blut können wir im Labor die genauen Erreger der Infektion nachweisen und ein wirksames Antibiotikum bestimmen.

Wie kann die Antibiotika-Vergabe kontrolliert werden?

In unserem Haus haben wir ein Team aus ärztlichem Antibiotikaexperten, Krankenhaushygieniker, Hygienefachkraft und Mikrobiologen. In regelmäßigen Visiten werden die Antibiotikaverordnungen vom Antibiotikateam kontrolliert und Verbesserungsansätze mit den Stationsärzten besprochen. Dies führt neben einem Lerneffekt zu einer erhöhten Patientensicherheit. Parallel werden die Ärzte in Seminaren und Antibiotika-Konferenzen engmaschig geschult und sensibilisiert, so dass wir in unserem Haus von einem guten Ausbildungsstand sprechen können. Durch die konsequente Beschäftigung mit dieser Thematik haben wir in unserer Klinik schon Vieles zum Positiven im Umgang mit Antibiotika wenden können und setzen mit unseren Therapie- und Anwenderstrategien das aktuelle medizinische Wissen hierzu konsequent um.

Oft heißt es, dass die multiresistenten Keime im Krankenhaus erworben werden. Wie kommt das?

Das stimmt nicht so ganz. Viele gesunde Menschen sind mit multiresistenten Erregern besiedelt, d.h. sie tragen die Bakterien beispielsweise auf der Haut oder im Darm, ohne dass sie Krankheitswert haben. Erst wenn die Patienten im Krankenhaus mit geschwächtem Immunsystem liegen, werden diese Erreger gefährlich bzw. sind die Patienten sehr empfänglich. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat zum Thema Krankenhausinfektionen und Zunahme von Antibiotika-Resistenzen verschiedene Maßnahmen entwickelt und empfiehlt unter anderem die Förderung und Schulung der richtigen Händedesinfektion und die Aufklärung der Bevölkerung. In unserer Klinik vermittelt das Team der Krankenhaushygiene mit speziell ausgebildetem Pflegepersonal in jährlichen Schulungen die aktuellsten Inhalte zur richtigen Hygiene an jeden Mitarbeiter. Auch Angehörige von Patienten werden im Bedarfsfall über die richtige Hygiene in der Klinik und auch im Anschluss beraten. Doch auch jeder Besucher, der eine Klinik betritt, kann einen wertvollen Beitrag leisten und sollte sich beim Betreten sowie Verlassen des Hauses, der Station und des Patientenzimmers gründlich seine Hände desinfizieren.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ruft jährlich zur "World Antibiotic Awareness Week" auf, um das Bewusstsein für Antibiotikaresistenzen in der Öffentlichkeit weltweit zu schärfen. Im Rahmen dieser Initiative wurde am 18. November der "Antibiotic-Awareness-Day" vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) als Europäischer Antibiotikatag eingeführt. Ziel ist, die Aufmerksamkeit auf die Rolle eines effektiven Einsatzes von Antibiotika bei der Prävention und zur Eindämmung antimikrobieller Resistenzen zu lenken.

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Das Helios Klinikum Warburg, Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps-Universität Marburg verfügt in sieben Fachachteilungen und einer Belegabteilung über 139 Betten. Rund 320 Mitarbeiter versorgen jährlich über 7.300 stationäre Patienten.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 100.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland und Quirónsalud in Spanien. Rund 19 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2018 erzielte das Unternehmen in beiden Ländern einen Gesamtumsatz von 9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 120 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und 10 Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,3 Millionen Patienten behandelt, davon 4,1 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 66.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von rund 6 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks "Wir für Gesundheit". Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 47 Kliniken, 57 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 13,3 Millionen Patienten behandelt, davon 12,9 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 34.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von rund 3 Milliarden Euro. Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

 

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Pressekontakt

Maike Salmen (ehem. Hesse)

Referentin Unternehmenskommunikation und Marketing
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