Ist das wahr? – Acht Mythen über Antibiotika auf dem Prüfstand
Pressemitteilung

Ist das wahr? – Acht Mythen über Antibiotika auf dem Prüfstand

Uelzen

Wundermittel oder Ursache von multiresistenten Erregern? Um Antibiotika kursieren viele Gerüchte und Halbwahrheiten. Der Europäische Antibiotikatag, der jedes Jahr am 18. November in allen EU-Mitgliedsstaaten stattfindet, soll auf die Gefahr durch zu häufigen und nicht notwendigen Einsatz von Antibiotika aufmerksam machen. Dr. Uli-Rüdiger Jahn, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin sowie Ärztlicher Direktor am Helios Klinikum Uelzen, und Dr. Wolfgang Mönch, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie und Antibiotika-Beauftragter des Uelzener Krankenhauses, stellen acht Mythen rund um Antibiotika auf den Prüfstand.

1. Antibiotika helfen gegen Grippe und Co.
Mit der nasskalten Jahreszeit beginnt auch die Erkältungs- und Grippesaison. Eine Grippe, eine Erkältung, Husten oder eine Rachenentzündung werden durch Viren verursacht. Da Antibiotika ausschließlich bei bakteriellen Infektionen helfen, können sie gegen Grippe und Co. nichts ausrichten. „Wenn der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin bei einer Erkältung zu Antibiotika rät, sollte man besser noch mal nachfragen. Denn je mehr und je häufiger die weit verbreiteten Antibiotika für die falsche Erkrankung eingesetzt werden, desto mehr werden Resistenzen gefördert“, sagt Dr. Uli-Rüdiger Jahn. Auf keinen Fall sollte man auf Antibiotika bestehen, wenn der Arzt diese nicht verschreibt, denn dann handelt es sich vermutlich nicht um eine bakterielle Infektion.

2. Durch Antibiotika wirkt die Antibaby-Pille nicht
Das kann richtig sein. Die Wirkung der Pille kann während der Einnahme von Antibiotika gemindert sein. Antibiotische Medikamente haben einen negativen Einfluss auf die Darmflora, was die Aufnahme der Hormone beeinträchtigen kann. Dr. Wolfgang Mönch: „Frauen, die die Pille nehmen, sollten vor der Einnahme eines Antibiotikums mit ihrem behandelnden Arzt oder ihrer behandelnden Ärztin sprechen. Um nicht ungewollt schwanger zu werden, bieten Kondome einen zusätzlichen Schutz.“

3. Alkohol und Antibiotika vertragen sich nicht
Die meisten Menschen fühlen sich während einer Infektion unwohl und verspüren überhaupt keinen Appetit auf Alkohol. Ein generelles Alkohol-Verbot während der Einnahme von Antibiotika besteht aber nicht. „Ein Glas Wein oder ein Bier ist bei den meisten Antibiotika kein Problem. Es gibt jedoch einzelne Wirkstoffe, die sich nicht mit Alkohol vertragen und in der Kombination ernste Nebenwirkungen verursachen können“, erklärt der Ärztliche Direktor. Wer sich unsicher ist, sollte in jedem Fall Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin halten – oder während der doch meist kurzen Zeit, in der ein Antibiotikum eingenommen werden muss, ganz auf Alkohol verzichten.

4. Bei Besserung dürfen Antibiotika abgesetzt werden
Antibiotika wirken schnell und senken die Anzahl der krankmachenden Erreger stark herab, allerdings sind die Bakterien noch nicht komplett beseitigt – auch, wenn die Symptome bereits nachgelassen haben. Generell gilt, das Antibiotikum so lange und in der Dosis zu nehmen, die vom Arzt oder der Ärztin verordnet wurde. „Wer sich wieder richtig gesund fühlt, sollte mir seinem behandelnden Arzt beziehungsweise der Ärztin Rücksprache halten, ob die Therapie eventuell verkürzt werden kann. Unverbrauchte Reste auf keinen Fall zu Hause lagern und ohne Verordnung bei neuen Symptomen einnehmen. Reste sind immer zu entsorgen“, mahnt der Antibiotika-Beauftragte.

5. Während der Einnahme von Antibiotika Milch und Sonne meiden
Die Aufnahme bestimmter Antibiotika kann durch Milch oder Milchprodukte beeinflusst werden. Ein entsprechender Hinweis ist immer im Beipackzettel des Präparates zu finden. Auch direkte Sonneneinstrahlung sollte gemieden werden, da die Haut während der Einnahme einiger Antibiotika sehr sensibel reagieren kann. Das gilt in besonderem Maße für das oft eingesetzte Doxycyclin.

6. Wer selten Antibiotika nimmt, kann nicht resistent werden
Diese Aussage ist falsch. Menschen können gar nicht resistent gegen Antibiotika werden, sondern nur die Erreger. Resistente Erreger können wiederum in jeden Organismus eintreten und stellen daher ein Problem für alle dar. Dr. Uli-Rüdiger Jahn rät: „Prinzipiell sollte die Verordnung von Antibiotika sehr bedacht erfolgen, um unnötige und falsche Behandlungen zu vermeiden. Denn der falsche Umgang mit Antibiotika unterstützt die Bildung von resistenten Erregern, die auf Antibiotikabehandlungen nicht mehr anschlagen. Durch den unkritischen oder falschen Einsatz von Antibiotika können im Körper außerdem multiresistente Keime entstehen. Viele Menschen glauben, dass man sich diese irgendwo ‚einfängt‘, dem ist aber nicht unbedingt so. Es ist ebenfalls bekannt, dass durch einen unkritischen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung resistente Keime im menschlichen Umfeld gehäuft vorkommen. Daher ist es immer sinnvoll, die Notwendigkeit einer Antibiotikaverordnung beim Arzt zu hinterfragen.“ Wichtig: Dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin mitteilen, wenn man im Ausland war, denn in verschiedenen Ländern ist die Resistenzlage anders als in Deutschland, was bei der Auswahl der Medikamente berücksichtigt werden muss.

7. Sport während der Antibiotika-Therapie ist gesund
Beim Thema Sport ist Vorsicht geboten. Der Grund für eine Antibiotika-Therapie ist eine bakterielle Infektion, die den Körper schwächt. Sport würde den Körper zusätzlich belasten und kann die Genesung verzögern oder gar einen schlimmeren Krankheitsverlauf verursachen. „Zwei bis drei Tage nach der letzten Antibiotika-Einnahme können Sie wieder mit dem Sport beginnen. Aber lassen Sie es langsam angehen, schließlich ist der Körper kurz nach einer überstandenen Infektion noch nicht sofort wieder voll leistungsfähig“, empfiehlt Dr. Wolfgang Mönch.

8. Antibiotika schwächen das Immunsystem
Das ist falsch. Besonders bei chronischen Krankheiten, in höherem Alter, bei Stress oder einer schweren Infektion schafft es das Immunsystem nicht immer, gegen alle Krankheitserreger vorzugehen. Antibiotika unterstützen die körpereigenen Abwehrkräfte, indem sie Bakterien angreifen und abtöten.

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Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 120.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika. Rund 20 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2020 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,8 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 90 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sechs Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,2 Millionen Patienten behandelt, davon 4,1 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland 73.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 6,3 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 53 Kliniken, davon sechs in Lateinamerika, 70 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15 Millionen Patienten behandelt, davon 14,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro.

Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

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