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Pauschale OP-Verschiebungen können gefährlich sein
Corona-Pandemie

Pauschale OP-Verschiebungen können gefährlich sein

Stralsund

Die Corona-Krise hat sich in den Krankenhäusern auf viele elektive Operationen ausgewirkt. Doch nicht alles, was geplant war, sollte pauschal verschoben werden, mahnt der Ärztliche Direktor und Chirurgie-Chefarzt am Helios Hanseklinikum Stralsund, Prof. Matthias Birth. Notwendige Eingriffe wie bei Herzinfarkt, Schlaganfall, Unfallverletzungen, Krebsleiden und andere bleiben weiterhin bestehen. Im Interview erklärt der Mediziner, warum Patienten keinesfalls vor Sorge um eine Ansteckung mit dem Coronavirus eine Krankenhausbehandlung vermeiden sollten.

Warum sind im Krankenhaus viele Operationen verschoben worden?

Bei all unserem Tun haben wir immer zuerst die Patientenversorgung und die Sicherheit unserer Mitarbeiter im Blick. Als Krankenhaus folgen wir selbstverständlich den Regelungen der Bundes- und Landesregierung. Wir halten jetzt alle Kapazitäten vor, um mögliche Corona-Patienten zu versorgen. Daher haben wir das OP-Programm auf das Notwendigste reduziert. Wir müssen aber unterscheiden, welche Behandlungen aufgeschoben werden können und welche ohne Zeitverzug nötig sind. Das ist immer eine ärztliche Entscheidung, die für jeden Patienten individuell gefällt werden muss. Pauschale OP-Verschiebungen können zum Teil gefährliche Folgen haben. Das darf nicht passieren. Dafür tragen wir als Ärzte Verantwortung. Vorrang hat immer das Wohl des Patienten– auch jetzt während der Corona-Pandemie.

Was für Behandlungen sind das, die nicht aufgeschoben werden können?

Notfälle sind nach wie vor dringend behandlungsbedürftig. Dazu zählen etwa Herzinfarkte, Schlaganfälle, schwere Unfallverletzungen. Natürlich ist auch eine notwendige Krebstherapie, die vielleicht keine Operation, aber medizinische Hilfe erfordert, weiterhin bei uns abgesichert. Wer bereits in Behandlung ist und etwa Strahlen- oder Chemotherapie erhält, wird im Hanseklinikum weiter versorgt. Patienten, die vom Haus- oder Facharzt mit Verdacht auf einen Krebsbefund ins Krankenhaus überwiesen werden, sollten dieses unbedingt aufsuchen und sich gegebenenfalls sofort in Behandlung begeben. Die vermeintliche Angst vor dem Coronavirus darf nicht schwerer wiegen als die lebensrettende Maßnahme. Zumal es einerseits kein erhöhtes Risiko gibt, sich in der Notaufnahme oder auf Station anzustecken und andererseits die Fallzahlen in unserer Region aktuell noch überschaubar sind.

Wie sollten sich Patienten verhalten?

Wir sehen in der Notaufnahme, dass die Patientenzahl derzeit um über ein Drittel gesunken ist. Das bedeutet zum einen, dass die Patienten eher zum Haus- oder Facharzt gehen, bevor sie die Notaufnahme aufsuchen. Zum anderen kann es ein fatales Signal sein, dass die Patienten, die dringend medizinische Hilfe benötigen, ihren Gesundheitszustand falsch einschätzen. Unsere Notaufnahme ist weiterhin für alle lebensbedrohlichen Erkrankungen zur Stelle genauso wie der Rettungsdienst. Wer einen geplanten Eingriff vor sich hat, sollte sich im Krankenhaus erkundigen, ob dieser stattfindet. Gleichzeitig raten wir Patienten, nicht bis zum OP-Termin in vielleicht sechs Wochen zu warten, wenn sich ihr Zustand verschlechtert. Das gilt auch während der Corona-Krise.

Was raten Sie Medizinern in der aktuellen Situation?

Corona ist in allen Krankenhäusern das vordringliche Thema. Trotzdem rate ich von pauschalen medizinischen Entscheidungen ab. Für jeden einzelnen Patienten gilt es, eine gut begründete medizinische Einschätzung vorzunehmen. Dabei sollten Entscheidungen auf keinen Fall an jüngere und unerfahrene Mitarbeiter delegiert werden. Gerade jetzt, wo wir Operationen und Eingriffe mit Augenmaß aufschieben, um Platz für Corona-Patienten frei zu halten, braucht es Erfahrung, um die notwendigen von den aufschiebbaren Behandlungen zu unterscheiden.