Mit dem Daumen in die Kreissäge

Mit dem Daumen in die Kreissäge

Schwerin

Notfälle werden auch in Corona-Zeiten in den Helios Kliniken Schwerin ganz normal behandelt. So wie Bernd Anders, der mit dem Daumen in die Kreissäge geriet.

Mittlerweile ist der Unfall zehn Tage her. Bernd Anders sitzt entspannt im Untersuchungszimmer der Klinik für Handchirurgie. An den Hergang kann er sich noch gut erinnern. „Ich habe die Tage vor Ostern viel im Büro gearbeitet, wollte deshalb die freie Zeit fürs Handwerken nutzen.“ Gegen 18 Uhr war er mit seiner Kreissäge beschäftigt. „Zuerst habe ich gar nicht registriert, was passiert war. Für ein paar Sekundenbruchteile dachte ich, ein Stück Holz wäre durch die Gegend geflogen.“ Doch dann bemerkte der 57jährige die Schmerzen in seiner linken Hand – der Daumen war zur Hälfte abgesägt! Anders lief zu seinem Nachbarn, der die Hand bandagierte. Dann fuhren die beiden sofort ins Krankenhaus.

„Das war genau das richtige Vorgehen“, lobt Dr. Jacek Kotas. Er ist Chefarzt der Klinik für Handchirurgie in Schwerin. Direkt auf Eis gelegt, wie oft im Film gesehen, ist es schädlich für die empfindlichen Finger. Doch gekühlt werden sollten amputierte Finger, weshalb der abgeschnittene Daumen von der Notaufnahme direkt in den Kühlschrank kam. Nur knapp zwei Stunden nach dem Unfall lag Anders im OP. „Wir hören im Moment immer wieder von draußen, dass die Leute Angst hätten, im Krankenhaus würden gar nicht genug Mediziner arbeiten. Das ist nicht korrekt. Wir sind immer noch auf jeden Notfall vorbereitet“, betont Dr. Kotas. Die Operation selbst, vom Chefarzt und einer Assistenz durchgeführt, dauerte ebenfalls rund zwei Stunden. Sehnen, Nerven und vor allem die Blutgefäße mussten wieder verbunden werden, die Knochen so stabilisiert, dass sie wieder zusammenwachsen. Der filigrane Eingriff wurde mithilfe eines Mikroskops durchgeführt. So eine Replantation gehört zu den anspruchsvollsten Eingriffen in der Handchirurgie, rund 10 bis 15 führt das Team pro Jahr durch.

Nach etwa 10 Tagen lässt sich sagen, ob die Operation erfolgreich war. Bis dahin muss der Arm streng geschont werden, die Gefäße werden medikamentös geweitet. „Die größte Gefahr sind Thrombosen, also ein Blutgerinnsel“, so Dr. Kotas. „In diesem Fall können wir jetzt zu 95 Prozent sagen, dass die Replantation erfolgreich war. Bis wieder Gefühl, ein erstes Kribbeln in den Daumen kommt, wird es noch Monate dauern.“ Und auch dann wird immer eine restliche Taubheit bleiben sowie eine stärkere Kälteempfindlichkeit als vorher.

Bernd Anders fühlte sich im Krankenhaus auch in den ungewöhnlichen Zeiten gut aufgehoben. „Dr. Kotas und sein Team haben sich super um mich gekümmert. Keinen Besuch zu haben war schade, aber hat mir natürlich auch viel Ruhe eingebracht. Ich bin jedenfalls froh, dass ich mit einem Daumen an meiner linken Hand nach Hause gehen kann.“ 

Patrick Hoppe

Referent Unternehmenskommunikation
Patrick Hoppe

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Bernd Anders mit Verband und Medikamentenbeutel. Die Medikamente sorgen dafür, dass die Gefäße geweitet werden, um Thrombosen zu vermeiden