Harnblasenkarzinom

Das Harnblasenkarzinom ist die beim Mann vierthäufigste und bei der Frau achthäufigste Krebserkrankung. In unserer Klinik verzeichnen wir seit mehreren Jahren stetig wachsende Patientenzahlen bei dieser Erkrankung und wollen mit den folgenden Patienteninformationen die notwendige Diagnostik und Therapie erklären.

Ein Erstsymptom kann hierbei blutiger Urin sein, welcher daher immer abklärungswürdig ist. Häufig findet sich bei der Diagnosestellung ein Tumor mit auf die Oberfläche der Harnblase begrenztes Wachstum, ein sog. pTa- Stadium. Zur Diagnosestellung ist eine Probengewinnung durch ein endoskopische Abtragung, sog. T(rans)U(rethrale)B(lasen)-Resektion, notwendig. Dieses Verfahren reicht auch in den meisten Fällen zur Behandlung  von oberflächlichen Harnblasenkarzinomen. Um eine genauere Ausbreitung des Tumors in der Harnblase dokumentieren zu können, steht unserer Klinik die klassische TUR-B in Kombination mit PDD zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um ein sog. Chemoluminszensverfahren, d.h. das vorab in die Blase instillierte Medikament reichert sich in Karzinomzellen an und kann unter Blaulicht identifiziert werden und es erfolgt aus diesem sonst unauffälligen Gebiet eine  Probenentnahme. Um die Rate des Wiederauftretens zur reduzieren, wird bei uns eine frühe Spülbehandlung der Harnblase angestrebt.

 

Bei Tumornachweis in der Harnblasenmuskulatur wird zunächst eine Untersuchung zum Auffinden von Tochterabsiedlungen (Computertomographie vom Brustkorb und der Lunge) durchgeführt. Dann wird eine Vorstellung in unserem interdisziplinären Tumorboard vorgenommen um eine  um den weiteren Behandlungsweg festzulegen..

Sollte der Tumor tiefer in die Wand der Harnblase eingewachsen sein, so muss das erkrankte Organ entfernt werden. Beim Mann wird in dieser Operation wird neben der erkrankten Harnblase auch die angrenzende Prostata entfernt. Sofern sinnvoll und aus onkologischer Sicht möglich, kann dabei eine Schonung des für die Erektion zuständigen Gefäß-Nerven-Bündels angestrebt werden. Bei Patientinnen wird neben der Harnblase, die Gebärmutter, die Eierstöcken und die Vorderwand der Scheide entfernt. Bei der Operation wird gleichzeitig eine Lymphknotenentfernung durchgeführt. Aufgrund der aktuellen Studienlage sehen wir dabei die extendierte (=erweiterte) Lymphknoten-entfernung als sinnvolles Werkzeug einer genaueren Ausbreitungsdiagnostik an.

Zur Urinausleitung kommen vornehmlich zwei Formen zum Einsatz. Einerseits kann eine neue Harnblase aus ca. 60 cm Dünndarm konfiguriert werden, sog. Ileumneoblase. Das Ziel dieser Harnableitung ist, das der Patient später wieder auf natürlichen Wege Wasser lassen kann.

Sollte aber diese Harnableitung aus verschiedenen Gründen nicht möglich sein, so kann auch ein ca. 20 cm langes Stück Dünndarm in die rechtsseitige Unterbauchdecke eingenäht werden, an dessen Ende die Harnleiter dann neu eingenäht werden, sog. Ileumconduit oder Bricker-Blase.  Hierbei wird dann der Urin kontinuierlich in einen aufgeklebten, wasser- und geruchsdichten Auffangbeutel gesammelt, welchen der Patient dann selbstständig entleert.

Eine weitere, aber selten genutzte Möglichkeit der Urinausleitung, ist die Verwendung eines über den Blinddarm katheterisierbares Dünndarmreservoir.

 

Sofern in der Diagnosestellung Absiedlungen im Körper gefunden worden sind, bekommt, neben der lokalen Behandlung zur Vermeidung von Komplikationen, die medikamentöse Behandlung Bedeutung. Hierfür kann in unserer Klinik die klassische Erstlinientherapie durchgeführt werden, wir sind aber auch in der Lage die neuesten Antikörperbasierten Therapien, teils im Rahmen von internationalen Studien, durchführen zur können.