Enhanced Recovery After Surgery

Optimale Betreuung rund um die Operation - ERAS®

Liebe Patientin, lieber Patient,
Traditionell sahen Chirurgen sich vor allem als Handwerker. Das Hauptaugenmerk lag viele Jahrzehnte dementsprechend auf der Perfektion der Technik und dem Vorantreiben des operativ möglichen. Die Patientenbetreuung wurde folglich darauf ausgerichtet, den Operationserfolg nicht zu gefährden. Beispielhaft illustrieren dies die folgenden Standardvorgehensweisen:

  1. Die Patienten mussten vor der Operation Darmspülungen mit vielen Litern über sich ergehen lassen, da man davon ausging, dass Nahtverbindungen nur an einem „sauberen“ Darm eine Chance auf Heilung besitzen.
  2. Während der Operation wurden zahlreiche Drainagen und Sonden in den Patienten eingebracht unter der Annahme, dass diese Schläuche auftretende Komplikationen zuverlässig und frühzeitig sichtbar machen würden.
  3. Gerade in der Bauchchirurgie mussten Patienten nach einer Operation Nüchternheitsphasen von bis zu 10 Tagen aushalten. Dies geschah unter der Vorstellung, dass dadurch neu angelegte Nahtverbindungen zwischen Organen geschont werden und besser heilen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich ein deutlicher Wandel der Abläufe rund um Operationen gezeigt. Natürlich ist die operative Expertise des Chirurgen die wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Operation, für die Erholung des Patienten sind aber viele weitere Faktoren zu beachten. Aus diesem Wissen haben sich seit dem Beginn der 1990er Jahre Konzepte entwickelt, die die Patientenbetreuung vor, während und nach der Operation am aktuell vorhandenen wissenschaftlichen Kenntnisstand orientiert. Eines dieser Konzepte ist unter dem Begriff ERAS® bekannt geworden (Enhanced Recovery After Surgery oder auf deutsch raschere Erholung nach Operationen). Die Vorteile des Programms fasst die folgende Abbildung zusammen.

In zahlreichen Studien wurde mittlerweile die Wirksamkeit des Konzeptes nachgewiesen. U.a. konnten Komplikationen wie Lungenentzündungen nahezu halbiert und die Dauer des stationären Aufenthaltes um etwa 2 Tage reduziert werden (Greco et al. World Journal of Surgery 2014 38:1531-1541). Die mittlerweile gut belegten Vorteile des Konzeptes wurden daher auch in unserer Klinik umgesetzt. Wir sind die erste Klinik in Deutschland, die für ihr Konzept für Eingriffe am Dick- und Enddarm zudem über die zuständige Fachgesellschaft zertifiziert wurde.

 

Einen tieferen Einblick in unser Programm, auch aus Patientensicht, können Sie in den folgenden Videos erlangen.

ERAS - Bessere Erholung nach einer Operation

ERAS Patientenerfahrungen - Wie lief das vor der OP ab?

ERAS Patientenerfahrungen - Wie lief das nach der OP?

Detailliertere Informationen zu den einzelnen Schritten finden die hier

Die präoperativen Maßnahmen zielen darauf ab, den Zustand des Patienten vor der Operation zu verbessern. Zunächst erhält der Patient, gerne im Beisein von Angehörigen, ein umfassendes Informationsgespräch über ERAS und seinen aktiven Part darin. Er wird darauf hingewiesen, wie wichtig eine Nikotin- und Alkoholkarenz ist. Er wird ermutigt seine körperliche Aktivität bis zur Operation zu steigern. Eine mögliche Blutarmut wird behandelt, zudem wird der Ernährungsstatus erfasst und, falls nötig, eine Ernährungstherapie begonnen. Abführende Maßnahmen im Sinne einer Darmspülung werden nur in Einzelfällen verordnet, die Nüchternheitsphase vor der Operation deutlich verkürzt. Der Patient darf bis 6 h vor dem geplanten Operationsbeginn feste Nahrung zu sich nehmen, das Trinken klarer Flüssigkeiten ist bis 2 h vor Beginn der Operation möglich. Zudem wird der Patient dazu angehalten, am Abend vor der Operation und am Morgen des Operationstages ein Kohlenhydratreiches Getränk zu sich zu nehmen, um die Speicher aufzufüllen. Auf die präoperative Gabe von Beruhigungsmitteln wird verzichtet, da diese zumeist mehrere Stunden wirken und den Beginn der Mobilisation postoperativ verzögern können.

Für das Gelingen der intraoperativen Maßnahmen ist die Zusammenarbeit von Chirurgen und Anästhesisten wesentlich. Zunächst einmal liegt es am Chirurgen das operative Trauma durch die Nutzung minimal-invasiver Operationsverfahren oder zumindest durch sparsame Hautschnitte so weit wie möglich zu minimieren. Ein zusätzliches Einspritzen von Lokalanästhetika in die Wunden ist sinnvoll. Zudem sollte auf die routinemäßige Einlage von Drainagen oder Blasenkathetern verzichtet werden. Die Anästhesie ist angehalten eine total intravenöse Anästhesie durchzuführen, die eine rasche Rückkehr von Vigilanz und Kooperation erlaubt. Die prophylaktische Gabe von Antiemetika zur Vorbeugung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV) sollte beim Vorliegen von Risikofaktoren erfolgen. Zudem ist eine restriktive Flüssigkeitszufuhr angeraten, um eine Überwässerung mit Verschiebung der Elektrolyte zu vermeiden. Auf die Anlage eines zentralen Venenkatheters kann verzichtet werden. Der Einsatz von Wärmedecken verhindert das Auskühlen des Patienten während der Operation. Eine während der Operation zumeist eingelegte Magensonde wird vor Ende des Eingriffs entfernt.

Im Aufwachraum wird mit dem Kostaufbau und der Mobilisation begonnen. Sobald der Patient ausreichend wach ist, bekommt er etwas zu trinken und ein Wassereis. Zudem beginnt er mit dem Kaugummi kauen, welches sich positiv auf die Darmmotilität auswirkt. Bevor der Patient weiter verlegt wird, steht er in Begleitung des Pflegepersonals im Aufwachraum das erste Mal auf und geht die ersten Schritte. Auf der Station beginnt der Patient mit der Einnahme einer hochkalorischen, ballaststoffarmen Trinknahrung, um den Kalorienbedarf zu decken. Am Abend des OP-Tages ist zudem das Essen von Joghurt und Suppe möglich, auch Kaffee kann bereits getrunken werden. Dieser hat ebenfalls einen positiven Einfluss auf das Wiedereinsetzen der Darmmotilität. Die Gabe von Infusionen wird beendet. Mit der Gabe der Thromboseprophylaxe wird begonnen. Ab dem ersten postoperativen Tag wird die Mobilisation durch die Physiotherapie forciert, die zweimal täglich mit dem Patienten trainiert. Am Tag nach der Operation wird der Patient dazu angehalten sich mindestens 4 Stunden außerhalb des Bettes aufzuhalten, ab dem zweiten Tag sind es min. 6 Stunden. Die Kost wird zügig gesteigert. Die Schmerzmedikamente werden rasch reduziert, auf Opioide wird weitestgehend verzichtet. Bei Diabetikern wird der Blutzucker engmaschig kontrolliert und im normalen Bereich gehalten. Die Entlassung erfolgt, sobald der Patient regelmäßig Stuhlgang hat, die Schmerzen gut tolerabel sind, die Mobilisation und der Kostaufbau abgeschlossen sind.

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