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„Abbau“ von Arztstellen bei Helios – Faktencheck
Schwerpunktthema

„Abbau“ von Arztstellen bei Helios – Faktencheck

Berlin

Wir nehmen seit Januar 2021 eine Einzelfallprüfung von Nachbesetzungen und Neubesetzungen im Ärztlichen Dienst vor. Dazu gab es negative Äußerungen aus der Politik, von Interessenverbänden und in einigen Medienbeiträgen. Dort wird ein „übermäßiger Abbau“ ärztlicher Stellen unterstellt, dies als „unverantwortlich“ bezeichnet, und es wird behauptet, das „gefährde“ die Patientenversorgung.

Diese Äußerungen gehen aber an den Tatsachen vorbei. Deswegen sollte man diese nicht ungeprüft übernehmen. Die überzogene Tonalität der Beiträge erklärt sich aus dem aktuellen Kontext. Denn die Verbände nutzen den Anlass, um Ihre Interessen mit Nachdruck zu vertreten und ihre Forderungen an die Politik im Vorlauf zu den Bundestagswahlen zu bekräftigen.

Wir haben gerade in der Pandemie gute Erfahrungen damit gemacht, die Daten transparent zu machen, und damit eine sachbezogene Beurteilung zu ermöglichen.

Daher nachfolgend zu den Fakten, damit jeder diese für sich selbst checken kann:

  1. Helios hat von 2015 bis 2019 die Anzahl der Ärzt:innen in den Kliniken um 4 % erhöht. Die jährlichen Patientenzahlen sind im selben Zeitraum um 3,6 % gestiegen. In 2020 – dem Jahr der Corona Pandemie – wurden dann insgesamt knapp 15 % weniger Patient:innen als in 2019, konkret noch 1,03 Mio, behandelt. Dieser Fallzahlrückgang entspricht von der Größenordnung her dem Fallzahlrückgang, der bundesweit über alle deutschen Krankenhäuser in 2020 zu beobachten war.
     
  2. Während 2020 haben wir die Anzahl der Ärzt:innen – trotz des Fallzahlrückgangs – stabil gehalten. Ende 2020 waren es damit knapp 10.000 Vollkräfte im Ärztlichen Dienst. Dies in der Erwartung, dass die „verlorenen Fälle“ sukzessive zurückkehren. Eine solche Trendwende setzte allerdings nicht ein.
     
  3. Mit dem aktuellen Verhältnis von Ärzt:innen auf behandelte Patient:innen liegen wir im langjährigen Bundesdurchschnitt, bei uns kommen auf eine Ärzt:in pro Monat 10 Patient:innen. Rechnet man das konkret um in Behandlungstage, dann entfallen auf jede:n Ärzt:in 57 Behandlungstage pro Monat (in 2020). Von einer „Gefährdung“ der Patientenversorgung kann keine Rede sein. Das zeigen unsere jährlichen Qualitätszahlen. Bekanntlich legen wir seit dem Jahr 2000 konkret alle Qualitätsergebnisse offen, und waren beispielgebend für die Initiative Qualitätsmedizin, der rund ein Drittel aller deutschen Krankenhäuser beigetreten sind, und die auch der Qualitätssicherung der Krankenhäuser in der Schweiz als Blaupause diente.
     
  4. Für die Jahre 2021 und folgende gehen alle bekannten Fallzahlprognosen aus von Patientenzahlen, die sich deutschlandweit im stationären Bereich rund 5 % bis 10 % unter dem Niveau 2019 bewegen werden. Der Gesetzgeber selbst hat dieser Tatsache unter anderem dadurch Rechnung getragen, dass er für den Ausgleich von Krankenhausbudgets in 2021 auf dem Niveau des Budgets von 2019 aufsetzt, davon pauschal 2% abzieht. Der zu beobachtende Rückgang der Patientenzahlen ist zu einem hohen Teil dadurch bedingt, dass einige Krankenhausleistungen ambulant – mithin also außerhalb der Krankenhäuser in ambulanten Zentren – erbracht werden. Dieser Trend zur „Ambulantisierung“ hat sich in der Pandemie beschleunigt.
     
  5. In 2021 waren in den ersten drei Monaten rund 20% weniger Patient:innen in den Krankenhäusern – bei uns genauso wie bei allen anderen. Mit Abflachen der Pandemie wird das Delta nun geringer, bewegt sich für 2021 nach den aktuellen Schätzungen bei rund 10% weniger Patient:innen als noch in 2019. Für Helios bedeutet dies knapp 120.000 Behandlungen weniger für 2021.
     
  6. Angesichts dieser Entwicklung haben wir uns entschlossen, die Nachbesetzung von Stellen im Ärztlichen Dienst bzw. die Neuschaffung von ärztlichen Stellen unter den Vorbehalt einer Einzelfallprüfung zu stellen. Es wird konkret die Stelle betrachtet, um die es jeweils geht. Und im Einzelfall abgewogen, ob eine Nach- oder Neubesetzung zu rechtfertigen ist, wenn man die jeweils konkrete Fallzahlentwicklung in der Abteilung/Klinik betrachtet. Die Bewertung erfolgt durch ärztliche Kolleg:innen, unter Berücksichtigung der jeweiligen Besonderheiten in der Dienstgestaltung und der jeweils fachspezifischen Besonderheiten. Damit wollen wir sicherstellen, dass – auch im Ärztlichen Dienst – ein angemessenes Verhältnis besteht zwischen den tatsächlich zu behandelnden Patient:innen und den jeweiligen Stellenplänen bzw. Stellenbesetzungen. Seit Januar 2021 wurden hierdurch bisher insgesamt 150 Stellen identifiziert, deren Nachbesetzung nicht erforderlich ist. Demgegenüber stehen fast 1.100 Stellen, die im gleichen Zeitraum bereits nach- bzw. neubesetzt wurden. Bei der Prüfung werden selbstverständlich auch alle Aspekte einer qualitativ besten Patientenversorgung mit einbezogen. Selbstverständlich erfolgt diese Einzelfallprüfung in denjenigen ärztlichen Bereichen, die in der Corona-Pandemie besonders belastet sind, auch besonders sorgfältig, insbesondere im Bereich Intensivmedizin.

Jeder mag für sich beurteilen, ob Überprüfung und Nichtbesetzung von bis dato 150 Stellen im Ärztlichen Dienst die Wortwahl eines „übermäßigen Abbaus“ rechtfertigt. Insgesamt rechnen wir für das gesamte Jahr 2021, dass in unseren 89 Kliniken im Durchschnitt drei Stellen pro Standort nicht nachbesetzt werden. Da eine konkrete Einzelfallprüfung erfolgt, werden Kliniken dabei sein, wo überhaupt keine einzige Arztstelle in Frage gestellt ist oder – in der gesamten Klinik oder einzelnen Abteilungen – Stellen zugeführt werden. Umgekehrt kann es Kliniken mit stark fallenden Patientenzahlen geben, wo wir aufgrund dessen mehr als 3 Arztstellen weniger sehen. In manchen Standorten werden es also acht oder neun, in anderen eher zwei oder drei, in wieder anderen gar keine oder sogar die eine oder andere Stelle mehr sein.

Ferner mag jeder für sich beurteilen, ob dieses Vorgehen als „unverantwortlich“ bezeichnet werden kann. Unseres Erachtens wäre es unverantwortlich, bei einem Wegfall von 120.000 Patient:innen überhaupt nicht darüber nachzudenken, ob und in welchem Umfang Stellen im Ärztlichen Dienst nachbesetzt werden. Es handelt sich um einen – auch im öffentlichen Dienst – üblichen budgetären Prüfungsvorbehalt bei Einstellungen. Und das Ganze dient dazu, dauerhaft wirtschaftlich zu bleiben, auch bei niedrigeren Patientenzahlen im stationären Bereich. Damit sichern wir unsere Investitionskraft, die der hohen Qualität der Versorgung unserer Patient:innen zugutekommt, sei es in Form von höchsten Standards in der Medizintechnik, oder auch durch eine gute bauliche Infrastruktur. Ferner investieren wir vermehrt in die Zukunft der Medizin: diese liegt in einer stärkeren ambulanten Leistungserbringung für eine dort steigende Zahl von Patient:innen, dem zunehmenden Maß an telemedizinischer Begleitung, und der stark beschleunigten Digitalisierung.

Wenn Sie Fragen dazu haben, dann melden Sie sich gerne.

Wir freuen uns auf den Dialog.

Hier geht es zum FAZ-Interview zur Veränderung im Ärztlichen Dienst bei Helios mit Herrn Dr. Francesco De Meo

Die wesentlichen Zahlen und Fakten:

Rückgang der stationären Patientenfälle pro Arztstelle

-> Von 2013 bis heute ist bei Helios ein Rückgang von
16 Prozent von Patientenfällen pro Ärzt:in zu beobachten.

Das bedeutet: Ärzt:innen bei Helios behandeln heute 16 Prozent weniger Fälle als im Jahr 2013.

Fälle pro Vollkraftstelle (VK) ÄD pro Monat

 201320142015201620172018201920202021
Helios121212121111121010
Bund111111101010   
Helios in % über Bund12 %8 %10 %10 %12 %13 %   

 

Noch deutlicher ist der Rückgang der Belegungstage pro Arztstelle

-> In Deutschland gingen die Belegungstage pro Klinikärzt:in zwischen 2013 und 2018 um fast 13 Prozent zurück.

-> Seit 2013 bis heute verzeichnet Helios einen Rückgang der Belegungstage pro Klinikärzt:in um 25 Prozent.

-> Helios liegt genau bei den gleichen Werten wie der Bundesdurchschnitt für 2018. Seitdem weiter fallend, aber es sind keine Vergleichsdaten des Bundes vorhanden.

Belegungstage pro Vollkraftstelle (VK) ÄD pro Monat

 201320142015201620172018201920202021
Helios797473726966665759
Bund767372706866   
Helios in % über Bund4 %2 %2 %3 %2 %0 %