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Unklare Bauchschmerzen: Hat mein Blinddarm sich entzündet?

Die Blinddarmentzündung ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes, der sog. Appendix vermiformis. Der umgangssprachliche Begriff „Blinddarmentzündung“ ist eigentlich gar nicht zutreffend, denn entzündet ist der Wurmfortsatz, ein kleines Anhängsel am Anfang des Blinddarmes, dem Übergang von Dünn- in den Dickdarm.

Eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Besonders ältere Kinder und Jugendliche erkranken daran, gehäuft zwischen dem 10. und 19. Lebensjahr. Kleinkinder und alte Menschen hingegen sind seltener betroffen, wobei hier die Symptome oft erst spät erkannt werden.

Das Chamäleon

Der Wurmfortsatz enthält sehr viele kleine Lymphknoten und wird deshalb häufig – in Anlehnung an die Rachenmandeln – als Darmmandel bezeichnet.

Ist dieser entzündet kommt es zu starken Bauchschmerzen. Häufig beginnen die Schmerzen im Bereich des Bauchnabels und wandern innerhalb weniger Stunden in den rechten Unterbauch. Hinzu kommen gelegentlich Fieber, Übelkeit oder Erbrechen, aber auch Durchfall oder Verstopfung.

Da die Lage des Wurmfortsatzes stark variieren kann (er kann über, vor oder hinter dem Blinddarm liegen), können die Schmerzen ebenso an anderen Stellen als dem rechten Unterbauch auftreten.
Die Symptome sind so uneinheitlich, dass die Appendicitis gerne als „Chamäleon“ unter den Magen-Darm-Erkrankungen bezeichnet wird.

Und wie erkennt der Arzt nun eine Blinddarmentzündung?

Trotz immer modernerer Untersuchungsmethoden – wie der Ultraschalluntersuchung, Computer- oder Kernspintomographie - erfolgt die Diagnosestellung in erster Linie klinisch: Beim Abtasten des Bauches ist die Region im rechten Unterbauch druckschmerzhaft (Ärzte bezeichnen das als positives „McBurney-Zeichen“), im linken Unterbauch kann ein Loslassschmerz bei tieferem Hineindrücken bestehen (positives „Lanz-Zeichen“).

Bis zum heutigen Tage gibt es keinen zuverlässigen „Blutwert“, der für eine akute Appendizitis beweisend ist oder diese sicher ausschließt. Im Blut können die weißen Blutkörperchen als Zeichen einer akuten Infektion erhöht sein. Nach wie vor stehen die ausführliche Anamnese mit den klinischen Symptomen und die gründliche körperliche Untersuchung des Patienten im Vordergrund. In Zusammenschau der Befunde (körperliche Untersuchung, Laborwerte und dem Ultraschallbefund) wird aus den Puzzleteilchen langsam ein Bild.

Anfänglich ist der Bauch noch weich, ist er hingegen ganz hart und überall druckschmerzhaft, ist das ein Zeichen für höchste Eile – dann kann das Bauchfell von der Entzündung mitbetroffen sein! Unbehandelt kann ein „geplatzter Wurmfortsatz“ (Blinddarm-Durchbruch) im Extremfall durch Blutvergiftung sogar tödlich sein.

Manchmal entwickeln sich die Symptome jedoch erst mit der Zeit – weswegen Sie bei unklaren Bauchschmerzen stationär zur Beobachtung aufgenommen werden. Dabei kann man viele weitere Ursachen für Bauchschmerzen (Harnleiterkolik, Harnlasenentzündung , Eierstockzysten oder –entzündungen) abklären. Steht die Diagnose fest, so erfolgt die Operation (Entfernung des Wurmfortsatzes = Appendektomie) laparoskopisch, also minimal-invasiv über eine Spiegelung des Bauches und kleine Schnitte. Selten ist heutzutage ein großer Schnitt notwendig. War es eine Blinddarmentzündung ohne „Durchbruch“, darf man in der Regel schon nach drei Tagen wieder nach Hause.