Experteninterview

Kopfschmerzen – Was tun?

Kopfschmerzen – Was tun?

Kopfschmerzen zählen zu den am weitesten verbreiteten Schmerzformen. Die Experten am Helios Vogtland-Klinikum Plauen können helfen.

Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Schmerzerkrankungen überhaupt. Sie haben sehr unterschiedliche, manchmal auch sehr ernste Ursachen. Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es?

Priv.-Doz. Dr. med. Jens Weise, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Helios Vogtland-Klinikum Plauen

Kopfschmerzen sind in der Tat sehr häufig. So klagt ca. ein Drittel aller ambulanten Patientinnen und Patienten über Kopfschmerzen. Mehr als drei Viertel aller Schmerzmittelverschreibungen in Deutschland betreffen Kopfschmerzen und ca. drei Prozent aller Deutschen leiden unter chronischen Kopfschmerzen. Wir unterscheiden zwischen primären und sekundäre Kopfschmerzen. Bei der ersten Gruppe ist der Kopfschmerz die eigentliche Erkrankung. Über 90 Prozent aller Betroffenen leiden unter primären Kopfschmerzen. Dazu zählen der Spannungskopfschmerz, die Migräne oder der Cluster-Kopfschmerz bei insgesamt über 200 primären Kopfschmerzformen. Bei den sekundären Kopfschmerzen ist der Kopfschmerz Symptom einer anderen Erkrankung. Dies betrifft ca. acht Prozent aller Betroffenen. Ein abgelaufenes Schädel-Hirn-Trauma, eine Hirnblutung, ein Hirntumor, aber auch Erkrankungen der Halswirbelsäule, der Nasennebenhöhlen oder der Zähne können hier ursächlich sein.

Was ist der Unterschied zwischen Migräne und „normalen“ Kopfschmerzen?

Als normaler Kopfschmerz wird zumeist ein sogenannter Spannungskopfschmerz bezeichnet – die mit Abstand häufigste Form der primären Kopfschmerzen. Hier besteht typischerweise ein dumpf-drückender Schmerz hinter der Stirn oder den gesamten Kopf betreffend leichter bis mittelstarker Ausprägung, zumeist einige Stunden anhaltend. Er ist, bei gelegentlichem Auftreten, harmlos und kann sowohl medikamentös als auch nicht medikamentös gut behandelt werden.

Die Migräne ist die zweithäufigste Form der primären Kopfschmerzen. Typisch ist ein attackenartiger, pochend-pulsierender und meist streng halbseitiger Schmerz mittelstarker bis starker Ausprägung, der mehrere Stunden oder zwei bis drei Tage andauern kann. Die Schmerzsymptomatik geht fast immer mit Begleitsymptomen wie Appetitlosigkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit/ Erbrechen einher. Von einer Migräne mit Aura spricht man, wenn dem Kopfschmerz Symptome wie Seh-, Sensibilitäts- oder Sprachstörungen oder auch Lähmungserscheinungen vorausgehen. Im Gegensatz zum Schlaganfall bilden sich diese Aura-Symptome zumeist vor Beginn des Kopfschmerzes innerhalb einer Stunde komplett zurück.

Wie erkenne ich, ob es ein harmloser Kopfschmerz ist oder wann ich zum Arzt gehen sollte?

Ein gelegentlicher, kurzer Kopfschmerz bis mittelstarker Intensität oder ein Kopfschmerz im Rahmen banaler Infekte ist zumeist harmlos. Zum Arzt sollte man immer dann gehen, wenn ein Kopfschmerz bis dato unbekannt war und dann gehäuft oder länger anhaltend auftritt. Auch die anhaltende Veränderung von Schmerzcharakter, -häufigkeit und -intensität bei vorbestehenden gelegentlichen Kopfschmerzen sollte ärztlich abgeklärt werden. Generell gilt hier die Faustregel: lieber einmal zu viel den Arzt aufsuchen als zu wenig.

Wenn ein Arztbesuch nötig ist, wie kann man sich die Untersuchungen vorstellen, die zur Diagnose führen?

Zunächst wird eine körperlich-neurologische Untersuchung durchgeführt. Je nach Ergebnis und Symptomen werden eine Darstellung des Gehirns mittels CT oder MRT und ggf. ein Elektroenzephalogramm (EEG) ergänzt. Die Befunde sollten fachärztlich neurologisch bewertet werden und führen dann gemeinsam mit den Patientenangaben zu einer Diagnose.

Gibt es Behandlungsmöglichkeiten für Kopfschmerzen?

Die Behandlung akuter Kopfschmerzen erfolgt in der Regel medikamentös. Dafür stehen klassische Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol oder Ibuprofen zur Verfügung. Diese sollten nur über einen begrenzten Zeitraum (maximal einige Tage) und bei mehrfacher Anwendung nur nach hausärztlicher Rücksprache eingenommen werden. Bei Nichtansprechen sollte eine zeitnahe ärztliche Vorstellung erfolgen. Die weiterführende Therapie der so nicht beherrschbaren Migräne oder des Cluster-Kopfschmerzes gehört in die Hände eines Neurologen/Neurologin.

Akute Spannungskopfschmerzen können auch nicht medikamentös, bspw. durch Aufbringen von Pfefferminzöl oder Kühlung jeweils im Bereich der Schläfen behandelt werden. Auch auf ausreichendes Trinken ist hier besonders zu achten.

Können starke Kopfschmerzen auf einen Schlaganfall hindeuten?

Akut auftretende, extrem starke Kopfschmerzen („Vernichtungskopfschmerz“), insbesondere in Verbindung mit anderen neurologischen Ausfällen (Lähmungen, Bewusstseinsstörung), können auf einen Schlaganfall hindeuten und sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden, in der Regel über notärztlicher Vorstellung im Krankenhaus. Die deutliche Mehrzahl der Schlaganfälle geht aber nicht mit relevanten Kopfschmerzen einher.

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