Corona-Virus:

Ab sofort gilt ein Besuchsverbot im Helios Klinikum PforzheimHier finden Sie alle wichtigen Informationen rund um das Corona-Virus!

Themenabendpräsentation "Langzeitfolgen nach einer COVID-19-Erkrankung - was kann man tun?": Hier geht's zur Präsentation

Heuschnupfen, Asthma oder Corona: Symptome richtig deuten

Heuschnupfen, Asthma oder Corona: Symptome richtig deuten

Pforzheim

PD Dr. Ute Oltmanns, Chefärztin Pneumologie am Helios Klinikum Pforzheim, informiert zum Weltasthmatag am 5. Mai 2021 über die unterschiedlichen Symptome.

Die Sonne scheint immer öfter, die Temperaturen steigen und der Pollenflug nimmt zu. Gerade im Frühling fragen sich nun einige Heuschnupfen-Geplagte, ob ihre Symptome auf eine Covid-19-Infektion hindeuten könnten. Dabei unterscheiden sich die Symptome oft.
Circa 15 Prozent der Erwachsenen und etwa 9 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden an Heuschnupfen. PD Dr. Ute Oltmanns, Chefärztin Pneumologie, weiß genau, worin sich Heuschnupfen, Asthma und Corona unterscheiden lassen. Für uns ordnet sie ein, ob Allergiker zu den Risikogruppen gehören und was es jetzt beim Tragen des Mund-Nasen-Schutzes zu beachten gilt.

Wie äußert sich Heuschnupfen?
Heuschnupfen stellt eine Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers gegen Pollen dar. Durch den Wind verbreiten sich diese und können bei Betroffenen schnell allergische Reaktionen auslösen. Ein Klassiker beim Heuschnupfen ist das Jucken von Augen und Nase. Bei dem ersten spricht man von einer allergischen Konjunktivitis, also einer Reizung der Augenschleimhäute. Letzteres wird als allergische Rhinitis bezeichnet und geht mit Niesen und Naselaufen einher. Einige Allergiker leiden auch unter Husten, der sich zu einem allergischen Asthma entwickeln kann.

Asthma und Heuschnupfen – kann beides gleichzeitig auftreten?
Bei Asthma und Heuschnupfen handelt es sich um verschiedene Untergruppen, die unter dem Sammelbegriff Atopie laufen. „Die Atopie ist die Neigung des Organismus Allergien auszubilden. Das betrifft verschiedene Organe, wie die Haut, die Lunge, den Darm und die Schleimhäute. Unter den Atopien gibt es dann den Heuschnupfen, die Konjunktivitis der Augen und das Asthma“, so die Pforzheimer Chefärztin.
Kinder und junge Erwachsene sind wesentlich häufiger von Konjunktivitis und Heuschnupfen betroffen. Meist legt sich das in der Pubertät und kehrt im Alter mit asthmatischen Symptomen zurück. Es besteht sozusagen eine gewisse Atopiepause, die abhängig ist vom Hormonstatus und dem Alter des jungen Heranwachsenden.
„Bei Allergikern sehen wir einen sogenannten Etagenwechsel. Das heißt, in der frühen Lebensphase bis zum 40. Lebensjahr leiden sie häufig nur an Konjunktivitis und Rhinitis. Erst dann kommt der Etagenwechsel zum Asthma, sodass dann das Vollbild der gesamten respiratorischen Atopie da ist“, sagt PD Dr. Ute Oltmanns. Jemand mit Asthma muss somit nicht unbedingt Heuschnupfen oder eine Konjunktivitis haben. In vielen Fällen trat jedoch eines davon vor dem Asthma auf.

Heuschnupfen, Asthma oder doch Covid-19?
„Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist Fieber. Asthma geht in der Regel nicht mit Fieber einher, auch wenn es mal zu einer gewissen Temperaturerhöhung kommen kann. Fieber über 38 Grad ist aber durch Asthma nicht erklärbar“, sagt PD Dr. Ute Oltmanns.
Vielmehr ist Fieber ein Symptom, das auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 hinweisen kann. In diesem Fall sollten Betroffene in ihrer hausärztlichen Praxis anrufen und das weitere Vorgehen abklären. Des Weiteren zeigen Beobachtungen, dass Covid-19-Erkrankte in der Regel keine Rhinitis, also keine laufende Nase haben. Dies ist ebenfalls eher ein Zeichen für Asthma oder Heuschnupfen. „Häufig wissen Asthmatiker auch, dass sie Asthma haben und sind mit den typischen Symptomen vertraut. Aber: Sowohl bei Asthma als auch bei Covid-19 kann Atemnot auftreten“, so PD Dr. Oltmanns.

Diagnose Asthma oder Corona: so stellt der Arzt es fest
Zunächst befragt die Ärztin oder der Arzt den Patienten zu dessen Krankengeschichte. Beim Verdacht auf Asthma erfolgt die Überweisung an einen Lungenfacharzt (Pneumologe), um weitere Untersuchungen durchzuführen.
„Als Arzt ist es relativ einfach festzustellen, ob jemand Asthma hat. Beim sogenannten Auskultieren hören wir mit dem Stethoskop den Brustkorb ab. Dabei hört man beim Asthma ein typisches Giemen, also ein leichtes Pfeifen beim Atmen, und Brummen“, sagt PD Dr. Ute Oltmanns. Beim Verdacht auf Asthma lässt der Arzt die  Patienten Medikamente inhalieren, die dazu führen, dass innerhalb von 20 Minuten Asthmasymptome deutlich nachlassen. Dies ist ebenfalls ein indirekter Hinweis auf diese Atemwegserkrankung.

Medikamente bei Asthma und Allergien
„In der Regel sind die meisten Asthmatiker heutzutage gut geschult und auf eine wirksame inhalative Therapie eingestellt, so dass ein weitestgehend normales Leben möglich ist. Darüberhinaus  hat  jeder Asthmatiker ein Notfallspray dabei,  das nach circa 20 Minuten hilft. Sollte das jedoch gar nicht helfen, so sollte ärztliche Hilfe aufgesucht werden , erklärt Chefärztin Oltmanns.
Bei Menschen, die eine Rhinitis oder Konjunktivitis haben, helfen meist cortisonhaltige Präparate bei lokaler Anwendung. Es gibt aber auch nicht cortisonhaltige Präparate zur Linderung der Allergie. Wichtig ist, dass Allergikerinnen und Allergiker ihre Medikamente über die gesamte Allergie-Saison anwenden – also auch, wenn es gerade nicht juckt. Erst die regelmäßige Anwendung, zum Beispiel eines Cortison-Nasensprays, bringt den gewünschten Effekt.

Hyposensibilisierung: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Bei einer Hyposensibilisierung wird versucht, das Immunsystem ein wenig an ein gewisses Allergen zu gewöhnen. Dazu wird dieses in steigenden Konzentrationen in die Haut gespritzt. Möglich ist die Hyposensibilisierung nur außerhalb der Saison, sodass damit meist erst im Oktober gestartet werden kann. Ziel ist, die Allergiesymptome mittel- und langfristig zu verringern.

Mund-Nasen-Schutz bei Asthma oder Allergie: Das sollten Sie beachten
Wer unter einer Allergie oder Asthma leidet, für den kann der Mund-Nasen-Schutz ganz schön unangenehm sein. Beim Niesen gelangen die Sekrete direkt in  die Maske, sodass sie eigentlich mehrfach am Tag gewechselt werden sollte. PD Dr. Ute Oltmanns sagt: „In der Regel bleibt Betroffenen gar nichts anderes übrig, als zehn verschiedene Mund-Nasen-Schutzmasken einzupacken und diese regelmäßig zu wechseln. Denn, was einmal ausgeniest wurde, möchte man nicht mehr einatmen.“
Generell empfiehlt sie Allergikern aber einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. „Als tröstendes Beiwerk ist ein Mund-Nasen-Schutz relativ Pollendicht. Pollen sind größer als Viren und wenn die Maske gut sitzt, gelangen somit auch weniger Pollen in die Nase“, sagt die Chefärztin.
Ansonsten rät Oltmanns allen dazu, sich nicht mit den Händen in den Gesichtsbereich zu fassen. Die Maske kann hier unterstützend als Barriere für die Hände wirken. Zudem können Augentropfen oder antiallergische Medikamente das Jucken soweit reduzieren, dass das Bedürfnis, sich mit den Fingern im Gesicht zu jucken, nachlässt.

Tipps, um das Infektionsrisiko zu senken
Grundsätzlich unterscheiden sich Asthmatiker und Pollen-Allergiker nicht von allen anderen Menschen in der Pandemie. Abstand ist weiterhin das beste Infektionsschutzinstrument. Masken sind  kein ausreichender oder alleiniger Schutz gegen Coronaviren.
Daher sollte man möglichst dann einkaufen gehen, wenn die Geschäfte nicht so stark frequentiert sind und große Menschenansammlungen meiden. „Abstand ist leider durch nichts zu ersetzen, um einer Infektion mit SARS-CoV-2 und anderen Atemwegsviren vorzubeugen“, sagt PD Dr. Ute Oltmanns.