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Wenn Schwitzen zur Krankheit wird
Hyperhidrose

Wenn Schwitzen zur Krankheit wird

Oberhausen

Die Temperaturen steigen, die Urlaubssaison beginnt und damit auch die Zeit des Schwitzens. Ob dezente Flecke unter den Armen oder feuchte Hände bei der Begrüßung – Schweißproduktion bringt so manchen in Verlegenheit. Dabei ist Schwitzen durch sonnige Temperaturen, Sport oder Aufregung eine natürliche Schutzfunktion des Körpers, um Temperaturunterschiede auszugleichen.

„Es ist gut und richtig, dass wir alle ab und an ins Schwitzen kommen“, sagt Prof. Dr. Alexander Kreuter, Chefarzt der Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen. Für rund sieben Millionen Deutsche ist Schwitzen jedoch krankhaft. Sie leiden an Hyperhidrosis. „Dabei produziert der Körper unabhängig von Wetter oder körperlicher Aktivität übermäßig viel Schweiß – teils mehr als zwei Liter am Tag. Grund dafür ist eine Störung des Nervensystems.“, erklärt der Dermatologe. „Diese Schweißausbrüche machen den Betroffenen das Leben schwer. Viele gehen aus Scham kaum mehr aus dem Haus. Dabei ist Hyperhidrose behandelbar.“

Das kann man gegen Hyperhidrose tun

Bei leichten Fällen können schon tägliches Duschen, das Tragen luftiger Baumwollkleidung ohne Kunstfasern und schweißhemmende Deos Abhilfe schaffen. Wenn das nicht ausreicht, ist die Schwachstromtherapie (Iontophorese) eine schonende Alternative. Dabei werden winzige ionisierte Arzneistoffe über sanfte Stromimpulse in die Haut an Händen und Füßen geleitet, die die Schweißproduktion unterbrechen.

Manchen Patienten kann eine medikamentöse Therapie mit sogenannten Anticholinergika helfen. Die Präparate unterdrücken die Wirkung von Acetylcholin, einem Neurotransmitter, der unter anderem die Schweißproduktion in Gang setzt. Auch eine Botox-Therapie kann an Achseln und Händen Linderung bringen. Dabei wird der aus der Schönheitschirurgie bekannte Stoff unter die Haut gespritzt und blockiert die Schweißdrüsen. „Eine Lösung auf Dauer ist das jedoch nur bedingt“, so Prof. Kreuter, der ebenfalls Chefarzt der Helios St. Johannes Klinik Duisburg ist. „Die Injektionen müssen alle paar Monate wiederholt werden und werden nicht von allen Krankenkassen bezahlt.“

Ein radikaler Behandlungsweg ist das Absaugen der Schweißdrüsen. „Diese Operation an den Achseln empfehlen wir nur in äußersten Extremfällen. Und wichtig ist grundsätzlich vorab andere Erkrankungen wie Diabetes auszuschließen. Denn starkes Schwitzen kann ebenso ein Symptom oder Nebenwirkung eines Schmerzmedikamentes sein.“

Drei Tipps gegen das Schwitzen

  • Tägliches Duschen, luftige Baumwollkleidung ohne Kunstfasern und schweißhemmende Deos helfen gegen den Schweiß und sorgen für geringere Geruchsbildung. Berichte von schweißlindernden Salbei-Tees oder Puder sind leider Mythen.
  • Scharfe Speisen kurbeln die Schweißproduktion an. Also insbesondere an warmen Tagen lieber auf Chilis und scharfe Gewürze verzichten.
  • Bei starkem Schweiß können eine Schwachstromtherapie, Medikamente oder eine Botox-Therapie Linderung bringen. Diese Art der Behandlung sollte jedoch immer nur in Rücksprache mit einem behandelnden Arzt erfolgen.