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Information für Hausärzte

Immer mehr Patienten bedürfen einer Therapie bei morbider Adipositas. Wir haben Ihnen hier ein paar Informationen zum Ablauf, den Anforderungen und der Nachbetreuung zusammengestellt. Bei Rückfragen stehen wir Ihnen natürlich auch jederzeit persönlich zur Verfügung.

 

 

Welche Patienten können sich im Adipositaszentrum vorstellen?


Grundsätzlich ist jeder Patient mit einem BMI über 30 kg/m² als adipös anzusehen und trägt ein Risiko für metabolische Begleiterkrankungen. Wir können Patienten verschiedene Therapiekonzepte vorstellen, die nicht immer auf eine Operation hinauslaufen müssen. Wir arbeiten mit Ernährungs- und Bewegungstherapeuten aus der Region zusammen, so dass wir den Patienten ein wohnortnahes Angebot vermitteln können. In einem ersten Gespräch werden wir den Patient kennenlernen und mit ihm zusammen entscheiden, welche Therapieoptionen individuell in Frage kommen.

 

 

Wann ist eine Operation sinnvoll?


Nach den aktuellen Leitlinien können die Kosten für eine Operation ab einem BMI von 35 kg/m² von den Krankenkassen übernommen werden, wenn metabolische Begleiterkrankungen (Diabetes II, Arterielle Hypertonie, OSAS, u.a.) vorliegen, ab einem BMI von 40 kg/m² auch ohne Begleiterkrankungen.
Damit eine Operation den gewünschten langfristigen Erfolg bringt, ist eine hohe Compliance und Motivation unerlässlich. Die Patienten müssen schon während der Vorbereitung auf die OP eine Lebensstil-Änderung in ihren Alltag integrieren und auch postoperativ weiterführen, dies gilt insbesondere für die Ernährungsumstellung inklusive Vitaminsubstitution und die regelmäßige körperliche Betätigung.

 

 
Wie läuft die Vorbereitung auf eine Operation ab?


Die Patienten müssen vor der Operation ein sechsmonatiges konservatives Konzept (MMK, Multimodales Konzept) durchlaufen und können anschließend einen Antrag auf eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse beantragen. Wir vermitteln den Patienten Kontakte für die Bausteine des MMK und verfassen ein adipositaschirurgisches Gutachten für den Antrag auf Kostenübernahme. Die Operation führen wir hier im HELIOS Klinikum Niederberg in Velbert durch und geben Empfehlungen und Termine für die Nachsorge.


Die Bausteine des MMK bestehen aus:

  • Ernährungstherapie über sechs Monate
  • Bewegungstherapie (gefordert sind 2,5 Stunden Sport pro Woche, z.B. Rehasport)
  • Ausschluss endokrinologischer Ursachen einer Adipositas (Bestimmung von TSH, fT3, T4, Cortisol im    Serum)
  • Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe Adipositas 1x/Monat
  • Psychiatrische Begutachtung zum Ausschluss psych. Kontraindikationen
  • Teilnahme an einem Arzt-Patienten-Seminar (Informationsveranstaltung)

 

Welche Operationen werden durchgeführt?

  • Laparoskopische Schlauchmagen-Operation
  • Laparoskopische Magenbypass-Operation
  • Magen-Ballon-Implantation (als Vorbereitung auf eine der beiden o.g. Operationen)
  • Umwandlungsoperationen (Redo, z.B. Umwandlung Sleeve zu Bypass)


Die Operationen dauern in der Regel etwa 60-90 Minuten, der Aufenthalt im Krankenhaus normalerweise 4-5 Tage.
Magenband-Implantationen führen wir nicht durch, da dies kein etabliertes Verfahren darstellt. Patienten mit einliegendem Magenband oder Patienten nach jeglicher anderer adipositaschirurgischer Operation können aber trotzdem gern bei uns vorgestellt werden.

 

 


Worauf sollte nach der Operation geachtet werden?


1. Ernährung/Kostaufbau


Früh postoperativ bekommen die Patienten von uns ausführliche Informationen bezüglich Kostaufbau und Trinkverhalten sowie Nahrungszusammensetzung und Vitaminsubstitution. In den ersten Monaten nach der Operation werden die Patienten angehalten, einen langsamen Kostaufbau selbständig durchzuführen, hierbei sollten folgende Empfehlungen beachtet werden:

  • Kohlenhydrat- und kohlensäurehaltige Getränke müssen vermieden werden
  • Essen und Trinken nie gleichzeitig, 30 Minuten Pause dazwischen einhalten
  • Gut kauen, bewusst essen, bei Völlegefühl aufhören zu essen
  • Mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag
  • Eine Proteinaufnahme von 60-90 g/Tag (0,8 g/kg Körpergewicht) ist sinnvoll und kann, wenn sie nicht durch die Ernährung sichergestellt wird, durch entsprechende Konzentrate (z.B. Protein 88 aus der Apotheke) erreicht werden. Meist sind 20g Protein aus Konzentrat als Ergänzung ausreichend.

 

2. Sport


Aufgrund der laparoskopischen Operation ist eine normale körperliche Belastung schon direkt nach der Operation möglich, Sport und das Trainieren aller Muskelgruppen ist nach 2-3 Wochen wieder erlaubt. 4 Wochen nach der Operation sollte das präoperative Trainingsprogramm (2x je 1 Stunde Ausdauersport pro Woche) wieder aufgenommen werden.

 

3. Vitamine, Spurenelemente und Proteine


Nach adipositaschirurgischen Operation ist das Risiko für  Vitamin-, Mineralstoff- und Proteinmangel erhöht, daher sollten die Patienten ein Multivitaminpräparat sowie Mineralstoffe ersetzen. Aufgrund der entfernten bzw. ausgeschalteten Anteile des Magens, die Intrinsic Faktor bilden, ist eine perorale Aufnahme von Vitamin B12 nicht mehr möglich, so dass Vitamin B12 als i.m.-Injektion alle 1-3 Monate verabreicht werden muss, unter regelmäßigen laborchemischen Kontrollen.

Eine Proteinaufnahme von 60-90 g/Tag (0,8 g/kg Körpergewicht) ist sinnvoll und kann, wenn sie nicht durch die Ernährung sichergestellt wird, durch entsprechende Konzentrate (z.B. Protein 88 aus der Apotheke) erreicht werden. Meist sind 20g Protein aus Konzentrat als Ergänzung ausreichend.

 

Folgende Supplemente sollten nach einer Schlauchmagen-Operation ergänzt werden: 


Obligat:

  • Multivitaminpräparat (100% RDA)
  • Kalzium und Vitamin D3 : Kalzium-Präparat (Brausetablette oder Kautablette) 1200–1500 mg/Tag + Vitamin D3 400 IE/Tag (10 μg)
  • Vitamin B12: 1000 μg (ggf. in Kombination mit Folsäure) 1-mal/Quartal i.m. (bei Bedarf)

Fakultativ:

  • Eisen: Bei Bedarf ist die Einnahme eines Eisenpräparats zu empfehlen.
  • Magnesium: Es ist auf eine adäquate Magnesiumzufuhr zu achten, da viele Multivitaminpräparate nicht ausreichend hoch dosiert sind.
  • Vitamin B1: Speziell bei rezidivierendem Erbrechen ist eine ausreichende Versorgung zu beachten. Eine Prophylaxe über ein Multivitaminpräparat ist meist ausreichend.

 

Folgende Supplemente sollten nach Magenbypassoperationen ergänzt werden:


Obligat:

  • Multivitaminpräparat (200% RDA)
  • Kalzium und Vitamin D3: Kalzium-Präparat (Brausetablette oder Kautablette) 1500–2000 mg/Tag + Vitamin D3 400–800 IE/Tag
  • Vitamin B12 1000 μg (ggf. in Kombination mit Folsäure 400 μg/Tag) 1- bis 3-mal/Quartal i. m.
  • Eisen: Eisen-Präparat 20–100 mg/Tag; empfohlen besonders bei Frauen vor den Wechseljahren. Nur bei nachgewiesenem Eisenmangel Eisengabe i. v.

Fakultativ:

  • Vitamin B1: speziell bei rezidivierendem Erbrechen ist eine ausreichende Versorgung zu beachten. Die Prophylaxe über ein Multivitaminpräparat ist meist ausreichend.
  • Zink: 15 mg/Tag (nur bei nachgewiesenem Zinkmangel)
  • Vitamin A: 1 mg
  • Vitamin E: z. B. 2 EL Pflanzenöl/Tag

 


4. Laborkontrollen


Gemäß den aktuellen Leitlinien raten wir daher den Patienten, Sie als Hausärztin/Hausarzt im ersten postoperativen Jahr quartalsweise zu Blutuntersuchungen aufzusuchen, in den Folgejahren mindestens zwei Mal jährlich. Überprüft werden sollten alle Parameter, die auf eine Mangelernährung hinweisen könnten:


kleines Blutbild, PTH, Kreatinin, Natrium, Kalium, Quick, GOT, GGT, Glucose (ggf. HbA1c), Vitamine B12, B1, D3, Thiamin, Folsäure, HDL, LDL, Triglyceride, Zink, Vitamin A.

 


5. Medikamente

  • Verhütung/Schwangerschaft
    Orale Antikonzeptiva verlieren ihre sichere Wirkung. Eine Schwangerschaft sollte für die ersten zwölf Monate postoperativ vermieden werden, da der Körper sich in einer Umstellungsphase befindet.
  • Protonenpumpeinhibitoren: Wir empfehlen in den ersten 3 Monaten eine Therapie mit Pantozol 40 mg zweimal täglich, anschließend kann die Medikation ausgeschlichen werden.
  • Blutdruckmedikation: Dosis im Verlauf anpassen, oft können Medikamente abgesetzt oder reduziert werden
  • NSAR: vermeiden
  • Medikamente, die einen konstanten Wirkspiegel im Blut erfordern: regelmäßige engmaschige Kontrollen und Dosisanpassung empfohlen
  • Antidiabetika/Insulin: können oft reduziert oder abgesetzt werden