Wenn Lärm krank macht – Folgen der anhaltenden Beschallung

Wenn Lärm krank macht – Folgen der anhaltenden Beschallung

Wummernde Bässe, Glockengeläut, dröhnende Beats, quietschende Reifen – der Tag gegen Lärm am 27. April will die Aufmerksamkeit auf Ursache und Wirkung von lauten Geräuschen lenken. Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Stark vom Helios Klinikum München West empfiehlt verschiedene Präventionsmaßnahmen und zeigt mögliche Therapieformen auf.

Ob Musik, Straßenverkehr oder Bauarbeiten – ist die Lautstärke zu hoch, liegen bei den Betroffenen schnell die Nerven blank. Das erklärte Ziel des Tags gegen Lärm ist deshalb, die Lebensqualität der Menschen nachhaltig zu verbessern. Grundsätzlich wird bei Lärm unterschieden in kurzzeitige und dauerhafte Belästigungen. Kurzzeitbelastungen, die sich auch öfter wiederholen können, sind Konzerte und Discobesuche, Schießsport oder laute Musik über Kopfhörer. Dauerbelastungen im Alltag oder Beruf sind Verkehrslärm wie Straßen-, Bahn- oder Fluglärm, Maschinenlärm von Baugeräten oder Produktionsanlagen, Lüftungslärm, zum Beispiel von Computern, Klimaanlagen, elektronischen- und Haushaltsgeräten.

Gerade anhaltende Geräusche wie Verkehrslärm haben negative Auswirkungen auf die Gesundheit – nicht nur Hörminderung oder Tinnitus, sondern auch Herz-Kreislaufprobleme können die Folge sein.

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Star, Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Helios Klinikum München West

Die Grenzwert-Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Oktober 2018 für Verkehrslärm liegt bei 53 Dezibel am Tag und 45 Dezibel in der Nacht – in Deutschland gelten die gesetzlichen Grenzwerte von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel in der Nacht.

Vermehrt Hörschäden bei der Generation Smartphone

„Eine dauerhafte Lärmbelastung über 85 Dezibel führt zu einer Hörschädigung“, warnt HNO-Experte Stark. „Eine anhaltende Beschallung im Beruf, zum Beispiel durch Maschinen- und Lüftungslärm, kann Hörschäden in verschiedenen Frequenzbereichen auslösen. Zudem reagiert der Mensch auf Lärm teils bewusst, teils unbewusst mit Stressfaktoren.“ Wenn der Lärm störend wird, ärgert sich der Mensch nach kurzer Zeit über die Dauerbelastung – diese psychische Belastung löst dann erneuten Stress aus.

Kurzzeitbelastungen hingegen sind oft gewollt, aber aufgrund der positiven Adrenalinausschüttung werden die Schutzreaktionen des Körpers verdrängt. Die Folge: Oft treten nach diesen Kurzeitbelastungen ein Tinnitus und eine Hörminderung auf. Bei häufigeren Kurzeitbelastungen kann es zu chronischen Hörgeräuschen und Hörminderungen kommen. „In der Generation Smartphone wird mittlerweile eine Zunahme an Hörschäden im Jugend- und jungen Erwachsenenalter verzeichnet“, so Dr. Stark. Grund sei die zunehmende Nutzung von Kopfhörern. „Prävention ist besser als Nachsorge. „Lärmbelastungen können selbst ermittelt werden, zum Beispiel mithilfe einer Lärm-App auf dem Smartphone.“

Der Experte rät, andauernden Lärm möglichst zu vermeiden und folgende Tipps zu beachten:

  • Verkehrslärmschutz: schalldichte Fenster einbauen, Lärmschutzwände und verkehrsberuhigte Zonen beantragen
  • Reifen mit niedriger Lärmemission kaufen
  • Geräte mit besonders leisen Lüftungsanlagen nutzen
  • während der Arbeit Gehörschutz tragen, Probleme mit Arbeitgeber oder Betriebsarzt besprechen, als Anlagenführer oder Bauarbeiter stets (den meist schon vorgeschriebenen) Lärmschutz nutzen
  • auf Konzerten, bei Discobesuchen, beim Schießsport, etc. Gehörschutz tragen
  • Warnanzeigen in der Lautstärkeregelung, zum Beispiel von Smartphones und mp3-Playern, beachten.

Patienten mit ersten Symptomen wie Hörminderung und Tinnitus sollten zeitnah einen Termin beim HNO-Arzt vereinbaren. Anhand der Anamnese, einer Inspektion des Ohres und verschiedener Hörtests wird eine erste Diagnose gestellt. Während leichte Hörstörungen mit Medikamenten behandelt werden, kann bei einem akuten Lärmtrauma eine intravenöse Medikamentengabe nötig sein. Bei Ohrgeräuschen, die chronisch werden könnten, ist auch eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Therapie möglich. „Bei chronischen Hörminderungen ist je nach Schweregrad eine Anpassung eines Hörgeräts die richtige Alternative“, so der Chefarzt.

Der Tag gegen Lärm – International Noise Awareness Day findet seit 1998 in Deutschland statt, immer im April. Ziel ist die Sensibilisierung in Bezug auf die Lärmproblematik sowie die Verbreitung des Wissens um Ursachen und Folgen des Lärms.

Fotos: Helios Klinikum München West