Pfunde loswerden, um Diabetes zu bekämpfen
Schwerpunktthema
Diabetesexpertin Prof. Dr. Brigitte Mayinger

Pfunde loswerden, um Diabetes zu bekämpfen

München

Diabetes ist ein Volksleiden. Über Risikofaktoren, Symptome und neue wissenschaftliche Ansätze sprach Prof. Dr. Brigitte Mayinger am 23. Januar im Medizin-Journal von tz und Münchner Merkur. Hier finden Sie das gesamte Interview zum Nachlesen.

Diese Volkskrankheit wird nicht umsonst als "stiller Killer" gefürchtet: Diabetes mit seinen Folgeerkrankungen bringt inzwischen weltweit alle zehn Sekunden einen Patienten ins Grab - und in Deutschland geht nach Schätzungen von Experten jeder fünfte Todesfall darauf zurück. "Viele weitere Millionen Patienten wissen gar nicht, dass sie an Diabetes leiden", sagt die erfahrene Diabetologin Prof. Dr. Brigitte Mayinger. Das Problem ist, dass viele Betroffene die Symptome lange Zeit nicht wahrnehmen bzw. unterschätzen oder nicht mit der Erkrankung in Verbindung bringen - beispielsweise verstärktes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, aber auch erhöhte Anfälligkeit für Hautund Harnwegsinfekte. "Deshalb gilt: Bei solchen Beschwerden sollte man spätestens nach vier bis sechs Wochen den Hausarzt aufsuchen, um auch die Blutzuckerwerte überprüfen zu lassen", rät Prof. Mayinger.

Übergewicht als ein Hauptrisikofaktor

 "Man sollte die Erkrankung nicht unterschätzen. Diabetes kann u. a. Schäden an Blutgefäßen, Nieren und Nerven anrichten - mit fatalen Folgen wie Schlaganfällen, Herzinfarkten, Gefühlsstörungen und Durchblutungsstörungen der Füße bis hin zur Amputation sowie Netzhauteinblutungen, die zur Erblindung führen können." 90 Prozent der Patienten leiden an Diabetes Typ 2, als Hauptrisikofaktoren gelten Übergewicht, eine erbliche Veranlagung und fortgeschrittenes Alter. Die meisten Betroffenen sind über 60, aber die Krankheit trifft auch immer mehr Jüngere. Deshalb wird der Begriff "Alterszucker" nicht mehr verwendet. Zehn Prozent der Betroffenen haben Diabetes Typ 1, eine Autoimmunerkrankung. Dabei werden die insulinproduzierenden Zellen zerstört. Insulin ist für die Regulierung des Stoffwechsels wichtig. Das Hormon senkt den Blutzuckerspiegel, indem es Körperzellen dazu anregt, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Steigt der Blutzuckerspiegel, wird als Reaktion darauf bei gesunden Menschen ausreichend Insulin ausgeschüttet. Ist dies nicht der Fall, wie bei Diabetes, können Insulinspritzen helfen. Diese kommen allerdings erst im weit fortgeschrittenen Stadium des Typ-2-Diabetes zum Einsatz.

 Neuere Medikamente statt Insulin bei Typ 2

 "Grundsätzlich geht der Trend in der Diabetologie dahin, bei Typ-2-Diabetikern möglichst auf Insulin Mayinger. "Denn es regt den Appetit an und führt eher zu einer Gewichtszunahme. Und das ist in der Regel kontraproduktiv. Denn je höher das Gewicht, desto schlechter wirkt das körpereigene Insulin auf den Blutzuckerspiegel." Vor diesem Hintergrund werden heutzutage verstärkt neuere Medikamente verordnet, die Diabetikern helfen sollen, überflüssige Pfunde loszuwerden. "Grundsätzlich gilt: eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind ganz entscheidend, um Diabetes entgegenzuwirken."