Den Krebs an der Wurzel packen
Schwerpunktthema
Prof. Dr. Fuat Oduncu im Interview

Den Krebs an der Wurzel packen

München

Prof. Dr. med. Dr. phil. Fuat Oduncu, MA, EMB, MBA ist Chefarzt der neuen Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Helios Klinikum München West. Zum Weltkrebstag spricht er im Interview über die Diagnose Krebs und Behandlungsmöglichkeiten

Welche Krebsarten behandeln Sie im Pasinger Klinikum?
Wir behandeln sämtliche Krebserkrankungen, von gynäkologischen Krebserkrankungen wie Brustkrebs über gastrointestinale Erkrankungen wie Darm- oder Magenkrebs bis hin zu Erkrankungen der Lunge oder des lymphatischen und blutbildenden Gewebes (Knochenmark-, Blut- oder Lymphdrüsenkrebs). Bei der Diagnose, Therapie und Nachsorge arbeiten wir in einem multiprofessionellen Team und ermöglichen so eine hochspezialisierte und individuell zugeschnittene Betreuung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft. Darüber hinaus bieten wir Patienten mit schweren, seltenen oder fortgeschrittenen Krebserkrankungen Zugang zu modernsten und innovativen Therapien im Rahmen von Studien, die wir in Kooperation mit anderen Kliniken durchführen. Auf diese Weise können wir unseren Patienten eine wirksame Therapie zukommen lassen, lange bevor diese in Deutschland zugelassen wurde.

Welche Therapieform wirkt bei Krebs am besten?
Welche Form die beste ist, wird nach unterschiedlichen Kriterien und anhand von Behandlungsleitlinien entschieden. So spielen bestimmte Merkmale der Tumorerkrankung, wie z.B. genetische Veränderungen, mögliche Begleiterkrankungen oder die körperliche Verfassung eine wichtige Rolle. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren wird in der Tumorkonferenz, die wöchentlich stattfindet und sich aus ausgewiesenen Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammensetzt, eine individuell auf den Einzelfall abgestimmte Therapieempfehlung ausgesprochen. Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlung trifft am Ende immer der Patient mit Unterstützung seines behandelnden Arztes.

Welche medizinischen Fortschritte gibt es?
In den vergangenen Jahren gab es wegweisende Fortschritte. Wir verstehen die Tumorbiologie und das Tumorverhalten besser und können daraus zielgerichtete Therapien ableiten. Durch ein besseres Verständnis von der Entstehung und Zusammensetzung des Tumors auf molekularer, genetischer Ebene sind wir heute in der Lage, den Krebs an der Wurzel zu packen und mit effektiven Medikamenten viel wirksamer als früher zu behandeln. Ein weiterer bahnbrechender Fortschritt liegt in der sogenannten Immuntherapie, die im vergangenen Jahr mit dem Medizinnobelpreis gewürdigt wurde. Das eigene Immunsystem, das normalerweise nur darauf ausgerichtet ist, fremde Eindringlinge wie Bakterien und Viren und somit Infektionen zu bekämpfen, wird dabei in die Lage versetzt, den Krebs ganz gezielt sowie sehr wirksam und schonend zu bekämpfen. Auf diese Weise können heute viele Krebserkrankungen, die als nicht behandel- und unheilbar galten, wesentlich besser versorgt und in größerem Ausmaß geheilt werden.

Wie sinnvoll sind Vorsorgeuntersuchungen?
Sie sind sehr sinnvoll, denn nur so können Krebserkrankungen oder Vorstufen davon bereits früh erkannt werden. Das wiederum ermöglicht in einem viel größeren Maße Krebs zu heilen oder seinen Ausbruch zu verhindern. Die bestehenden Vorsorgeuntersuchungen etwa für Brust- und Gebärmutterhalskrebs, Prostatakrebs, Hautkrebs, Darmkrebs werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen und sollten unbedingt wahrgenommen werden.

Unser Experte:

Prof. Dr. med. Dr. phil. MA, EMB, MBA Fuat Oduncu

Chefarzt | Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin
Prof. Dr. med. Dr. phil. MA, EMB, MBA Fuat Oduncu

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