Ernährung bei Darmkrebs

Darmkrebs: Wie ernähre ich mich richtig?

Darmkrebs: Wie ernähre ich mich richtig?

Viele an Darmkrebs Erkrankte leiden unter Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Beide Symptome können sowohl von der Erkrankung kommen, als auch Folgen einer Chemotherapie oder Darm-(teil-)resektion sein.

Dr. Ingrid Pawellek, Ernährungsberaterin am Helios Klinikum München West, erklärt, warum eine gesunde Ernährung gerade für Darmkrebspatienten so wichtig ist. 

„Unsere Ernährung spielt eine wichtige Rolle für unseren Körper. Für Darmkrebspatienten und -patientinnen ist es noch wichtiger, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten."

Dr. Ingrid Pawellek, Ernährungsberaterin am Helios Klinikum München West
Bild von Ernährungsberaterin Dr. Ingrid Pawellek im Helios Klinikum München West
Dr. Ingrid Pawellek ist Ernährungsberaterin in der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Allgemeine Innere Medizin. (© Helios)

Die richtige Ernährung gibt dem Körper die Energie zur Genesung und die nötige Ausdauer, um z.B. eine Chemotherapie durchzustehen. Es gibt keine spezielle Diät, mit der man den Krebs selber beeinflussen oder heilen kann, wichtig ist aber, den Ernährungszustand zu erhalten und ausreichend Energie und Eiweiß aufzunehmen, trotz möglicher Appetitlosigkeit oder Verdauungsproblemen, die das Essverhalten beeinflussen können.

Mit diesen allgemeinen Tipps von Dr. Pawellek gelingt dies besser:

  • Mehrere kleine Mahlzeiten sind besser als drei üppige.
  • Das Auge isst besonders mit: hübsch angerichtete Speisen machen mehr Lust zum Essen.
  • Kleine Portionen von Lieblingsessen tiefgefroren vorhalten, damit im Bedarf schnell etwas aufgewärmt werden kann.
  • Für Ablenkung beim Essen sorgen.
  • Häufig verderben Essensgerüche zusätzlich den Appetit. Kalte Speisen sind dann leichter zu essen oder der Patient hält sich während des Kochens lieber in einem anderen, gut gelüfteten Raum auf.
  • Die Vorlieben des Erkrankten sollten gehört werden, mit Zwang erreicht man nichts, auch wenn er gut gemeint ist.

Was unterscheidet den kranken Darm vom gesunden?

Frau mit Schmerzen hält sich gekrümmt ihren Bauch
Durchfälle, Blähungen und unangenehme Krämpfe können während der Chemotherapie die Folge sein . (© Adobe Stock/leszekglasner)

Im gesunden Darm verhindern bestimmte Abwehrzellen, dass Eindringlinge wie Bakterien oder Pilze über den Darm vom Körper aufgenommen werden. Die Wissenschaft weiß schon lange, dass die Darmgesundheit nicht nur für unser Gewicht, sondern auch für die Abwehrkräfte und sogar für die Stimmung verantwortlich ist.

Meist ist der Dickdarm bei einer Darmkrebserkrankung betroffen. Der Name sagt bereits, dass der Stuhl hier eingedickt wird; es werden dem Nahrungsbrei Wasser und Elektrolyte entzogen. Außerdem finden sich hier die Darmbakterien, die eine zentrale Funktion für die Verdauung, insbesondere der Ballaststoffe spielen. Die wichtigen Nährstoffe werden aber bereits im Dünndarm aufgenommen, der bei einer Krebserkrankung nur seltener betroffen ist.

Unglücklicherweise beeinträchtigt die oft rettende Chemotherapie aber auch die Schleimhäute des Dünndarms: Durchfälle, Blähungen und unangenehme Krämpfe können während der Therapie die Folge sein. Manchmal tritt auch eine Laktoseintoleranz auf. Diese Symptome sind aber vorübergehend: nach der Chemotherapie regeneriert sich die Dünndarmschleimhaut wieder und auch die Unverträglichkeit von Laktose legt sich in der Regel.

„Essen Sie, worauf Sie Lust haben und was Ihnen bekommt“

Dr. Ingrid Pawellek, Ernährungsberaterin am Helios Klinikum München West

Essen worauf man Lust hat – ohne Druck von außen

Schüssel mit unterschiedlichen Nüssen
Gesunde kleine Mahlzeit: Nüsse eignen sich sehr gut als Snack für zwischendurch. (© Adobe Stock/Edalin)

„Zunächst spricht bei einer Darmkrebserkrankung nichts dagegen, das zu essen, worauf man Appetit hat. Wichtig ist, dass Sie essen, nicht was Sie essen. Allerdings können je nach Krankheitsstadium und gewählter Therapie Einschränkungen, z.B. das Meiden von Laktose, notwendig sein, die dann ihr Arzt mit Ihnen bespricht.“

Nicht unterschätzt werden sollte, dass die psychische Belastung einer Krebserkrankung zu zusätzlicher Appetitlosigkeit führen kann und so den Gewichtsverlust, der schon durch krankheitsbedingte Faktoren wie Übelkeit, Erbrechen, Geschmacksstörungen und Mundtrockenheit begünstigt wird, noch verstärkt.

Alles, was den ohnehin verminderten Appetit der Patienten beeinträchtigt, sollte vermieden werden. Dazu gehört neben zu großen Portionen, starken Essens- oder Kochgerüchen auch der wohlgemeinte Rat von Angehörigen, mehr zu essen, um wieder zu Kräften zu kommen.

Besser ist es, keinen Druck aufzubauen, Speisen liebevoll anzubieten, hübsch zu dekorieren und den Patienten intuitiv entscheiden zu lassen, was ihm bekommt.

Als nahrhafte Snacks zwischen den Mahlzeiten eignen sich beispielsweise Kekse, salzige Cracker, Oliven, Käsewürfel oder Nüsse.

Ernährung bei Geschmacksveränderungen durch Chemotherapie

Kräuter wie Minze, Salbei und Petersilie in einem Korb
Kräuter eignen sich hervorragend, um Gerichte zu würzen und sie schmackhafter zu machen. (© Adobe Stock/marcin_jucha)

Ausgerechnet jetzt, wo eine ausgewogene und bedarfsdeckende Ernährung besonders wichtig ist, erscheint sie für den Betroffenen fast unmöglich, denn bei zahlreichen Patienten ändert sich unter der Chemotherapie das Geschmacksempfinden: süßes wird als viel zu süß empfunden, Fleisch schmeckt bitter, alles hat einen metallischen Beigeschmack. Manche berichten auch, dass vieles im Mund plötzlich pappig, trocken und immer mehr wird, so dass nach den ersten Bissen bereits der Appetit gründlich vergangen ist.

Um hier entgegen zu wirken, empfiehlt es sich, auf Alternativen auszuweichen, vor allem um den Eiweißbedarf zu decken. Viele Patienten berichten, dass „weißes“ Fleisch (Geflügel, Fisch) besser vertragen wird als „rotes“ Fleisch von Schwein oder Rind. „Auch kleine Mengen Fleisch in Eintöpfen oder Suppen sind leichter zu essen als große Steaks. Milchprodukte oder Eierspeisen stellen gute Eiweißlieferanten dar und sind als Alternativen zu Fleisch geeignet“, erklärt Frau Dr. Pawellek

Und kleine Tricks helfen, mit der neuen Situation besser zurecht zu kommen: Einige Patienten berichten von positiven Effekten, wenn sie vor dem Essen oder auch nach jedem Bissen den Mund spülen, z.B. mit Zitronenwasser oder Pfefferminztee. Bei metallischem Beigeschmack hilft möglicherweise die Umstellung auf Plastik- oder Holzbesteck. Experimentieren Sie mit Kräutern und milden Gewürzen und versuchen Sie, Fleisch zu marinieren, z.B. mit Fruchtsaft, Wein oder Sojasoße.

Was tun gegen Durchfall?

Person schreibt beim Frühstücken ihr Ernährungstagebuch
Ein Ernährungstagebuch hilft herauszufinden, was gut oder schlecht vertragen wird. (© Adobe Stock/kucherav)

Zunächst ist es wichtig, herauszufinden, warum ein Patient Durchfall hat, um diese Ursache möglichst zu beheben. Denkbar sind hier Nebenwirkungen von Chemo- oder Antibiotikatherapie oder Bestrahlung, aber auch die Unverträglichkeit einzelner Lebensmittel oder Inhaltsstoffe.

Manchmal ist es hilfreich, wenn der Patient ein Tagebuch führt, wann er was gegessen hat, um möglichen Ursachen noch besser auf die Spur zu kommen.

„Den Durchfall lindern können Flohsamenschalen, geriebener Apfel oder Karottensuppe, denn die darin enthaltenen löslichen Ballaststoffe haben eine bindende Wirkung und können flüssigen Stuhl formen. Stopfend wirken auch lang gezogener schwarzer Tee oder dunkle Schokolade“, erläutert die Ernährungsberaterin.

Wie bei allen Durchfallerkrankungen ist auch hier das oberste Gebot, möglichst viel zu trinken, um einem Flüssigkeits- und Elektrolytmangel vorzubeugen. Empfohlen sind mindestens zwei Liter – bei anhaltendem Durchfall entsprechend mehr.

Geeignet sind hier ungesüßte oder nur leicht gesüßte Tees, Wasser mit wenig Kohlensäure oder dünne Fruchtsaftschorle. Bei anhaltendem oder stärkerem Durchfall sind auch isotonische Getränke oder Elektrolytlösungen aus der Apotheke empfehlenswert.

Starke und anhaltende Durchfälle bekommt man jedoch mit der richtigen Ernährung allein nicht in den Griff, sie müssen medikamentös behandelt werden.

Was tun gegen Darmträgheit?

Schüsseln mit geschroteten Leinsamen
Geschrotete Leinsamen werden u.a. gerne bei Verstopfungen eingesetzt. (© Adobe Stock/Printemps)

Für den Betroffenen genauso lästig wie Durchfall ist die Darmträgheit. Auch diese tritt häufig als Nebenwirkung von Medikamenten, z.B. bei starken Schmerzmitteln, auf.

Verstopfung, wie die Darmträgheit im Volksmund genannt wird, kann mit frischem Obst, Trockenobst, geschrotetem Leinsamen und Kleie-Produkten begegnet werden. Auch hier können Sie mit Flohsamenschalen arbeiten, da diese eine stuhlregulierende Wirkung haben. Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, mindestens 1,5 - 2 Liter pro Tag, ist bei Darmträgheit ebenfalls sehr wichtig, um den Stuhl weich zu halten. Ein besonderer Tipp der Fachfrau: „Besonders verdauungsanregend ist ein Glas zimmerwarmes Sprudelwasser morgens auf nüchternen Magen. Auch Bewegung regt den Darm an und kann eine Verstopfung verhindern.“

Zur medikamentösen Behandlung sind vor allem Produkte mit Makrogol (Movicol) empfehlenswert, da hier kein Gewöhnungseffekt eintritt.

Was tun, wenn der Gewichtsverlust fortschreitet?

Baguette mit Aufstrich und Kräutern
Extraschicht Aufstrich: Bei Gewichtsverlust sollte die Ernährung möglichst energie- und eiweißreich sein. (© Adobe Stock/Corinna_Gissemann)

Bei diesen möglichen Ernährungsproblemen kann es passieren, dass der Patient trotz allen Bemühens nicht ausreichend Energie und Eiweiß aufnehmen kann und der Gewichtsverlust fortschreitet. Die natürliche Ernährung sollte möglichst energie- und eiweißreiche Lebensmittel enthalten. Wählen Sie also vollfette Milchprodukte und Käse in der Doppelrahmstufe, bereiten Sie Gemüse mit einem großen Stich Butter zu und streichen Sie Aufstriche möglichst dick auf das Brot und reichern Sie Suppen und Soßen mit ausreichend Sahne an. „Kurz gesagt, machen Sie all das, auf was ein Übergewichtiger mit Abnehm-Wunsch verzichtet. Selbstverständlich müssen Sie dabei die individuelle Verträglichkeit beachten“, erklärt Frau Dr. Pawellek.

Wenn all dies nicht ausreicht, ergänzen Sie Ihre Ernährung mit klinischen Produkten. Es gibt vollbilanzierte Trinknahrungen, auch als Pulver zum Selbstanrühren, als Pudding oder Suppe, welche außer Energie auch viel Eiweiß und Mikronährstoffe liefern. Trinknahrung kann pur oder mit Wasser verdünnt getrunken werden oder als Shakes gemixt werden. Neutral schmeckende Trinknahrung kann auch wie Sahne verwendet werden und zum Beispiel Suppen energetisch anreichern. Neutral schmeckendes Pulver zur Energie- und Eiweißanreicherung kann auch in breiige Lebensmittel wie beispielsweise Kartoffelstampf oder Joghurt eingerührt werden. Auch hier ist es im Interesse des Patienten, die Zubereitung geschmacklich zu variieren, um einem Überdruss vorzubeugen! Trinknahrung ist verordnungsfähig und kann bei Mangelernährung vom Hausarzt oder dem behandelnden Onkologen verschrieben werden.

Wann klappt die Verdauung wieder so wie vor der Operation?

Eine Darmoperation – da braucht man kein großes medizinisches Vorstellungsvermögen – ist ein großer Eingriff, der Verdauungsfunktionen und Stuhlgewohnheiten völlig durcheinanderbringt. Das ist völlig normal und muss kein Grund zur Sorge sein. Erst im Laufe von Wochen, manchmal sogar Monaten, abhängig auch von der Länge und Lage der entfernten Darmabschnitte, normalisieren sich die Darmfunktionen wieder. Je näher der Tumor am Darmausgang ist, desto größer sind die Auswirkungen auf die Stuhlfrequenz. Bei einer Operation am Rektum (Enddarm) halten Durchfälle meist am längsten an und sind am stärksten, da das Rektum als „Reservoir“ fehlt. Wie bereits oben beschrieben, können Flohsamen und Pektin hier unterstützend gegen zu dünnen Stuhlgang wirken. Eine Darmoperation – da braucht man kein großes medizinisches Vorstellungsvermögen – ist ein großer Eingriff, der Verdauungsfunktionen und Stuhlgewohnheiten völlig durcheinanderbringt. Das ist völlig normal und muss kein Grund zur Sorge sein. Erst im Laufe von Wochen, manchmal sogar Monaten, abhängig auch von der Länge und Lage der entfernten Darmabschnitte, normalisieren sich die Darmfunktionen wieder. Je näher der Tumor am Darmausgang ist, desto größer sind die Auswirkungen auf die Stuhlfrequenz. Bei einer Operation am Rektum (Enddarm) halten Durchfälle meist am längsten an und sind am stärksten, da das Rektum als „Reservoir“ fehlt. Wie bereits oben beschrieben, können Flohsamen und Pektin hier unterstützend gegen zu dünnen Stuhlgang wirken.

Wie ernähre ich mich mit einem Stoma richtig?

Frau, die unter ihrem Shirt einen künstlichen Darmausgang zeigt
Mit einem künstlichen Darmausgang sollten scharfe und säurehaltige Nahrungsmittel gemieden werden. (© Adobe Stock/Martina)

Auch bei einem neu gelegten künstlichen Darmausgang (Stoma) gilt, dass der Stuhl häufig zu dünn oder breiig ist. Bei einem Kolostoma (an den Dickdarm angeschlossen) benötigt der Körper meist zwei bis vier Wochen, bis sich seine Darmfunktionen wieder etwas stabilisieren können. Bei einem Ileostoma, das direkt an den Dünndarm angeschlossen wird, dauert es sogar bis zu 12 Monate. „Dabei ist es entscheidend, wie nahe ein Stoma am ursprünglichen Darmausgang liegt, denn umso mehr Dickdarm erhalten werden kann, desto weniger Durchfall tritt in der Regel auf“, weiß Dr. Ingrid Pawellek.

Um zu dünnem Stuhl entgegen zu wirken, können stopfende Speisen wie Bananen oder Kakao gezielt auf den Speisezettel gesetzt werden, um die Darmfunktion in die gewünschte Richtung zu beeinflussen. Auch die oben beschriebene Wirkung von Flohsamenschalen kann bei Stoma genutzt werden, um die Häufigkeit und Menge der Ausscheidungen zu verringern.

Für alle Stoma-Träger gilt: Säurehaltige und scharfe Speisen sollten eher vermieden werden, da diese das empfindliche Stoma zusätzlich reizen könnten. Auch sehr schwer verdauliche faserreiche Lebensmittel wie Spargel oder Stangensellerie sollten Sie mit einem Stoma nicht verzehren, da dieses dadurch verstopfen kann.

Was viele nicht wissen: Ein Stoma muss keine Dauerlösung sein: dünndarmnah angelegte Stomata können oft bereits nach wenigen Wochen wieder an den natürlichen Darmausgang verlegt werden. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Anus-Schließmuskel in der Zwischenzeit regelmäßig trainiert wird, um später schnell wieder voll funktionstüchtig zu sein.

Wie ernähre ich mich nach einer überstandenen Darmkrebserkrankung richtig?

Person hält eine volle Obst- und Gemüsekiste in den Händen
Viel frisches Obst und Gemüse sind nach einer Darmkrebsoperation und der darauffolgenden Chemotherapie wichtig. (© Adobe Stock/sebra)

Wer nach einer Darmkrebsoperation mit anschließender Chemotherapie geheilt ist, kann sich in der Regel wieder völlig normal ernähren.

„Viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag sowie wenig rotes Fleisch sollten hier Eckpunkte sein. Als geeignete Eiweißquellen gelten Milchprodukte, weißes Fleisch sowie Seefisch, das auch wertvolle Omega-3-Fettsäuren enthält“, fasst die Expertin kurz zusammen. Neue Studien geben auch erste Hinweise darauf, dass der regelmäßige Verzehr von Nüssen Krebsrezidiven vorbeugen könnte: sie eignen sich besonders gut als gesunde Zwischenmahlzeit. Achten Sie außerdem auf eine geregelte Verdauung und ausreichend Bewegung.

Titelbild: © Adobe Stock/amazing studio