Damkrebsvorsorge

Darmspiegelung: Vorbereitung, Ablauf und mögliche Risiken

Darmspiegelung: Vorbereitung, Ablauf und mögliche Risiken

Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen, an der jährlich auch in Deutschland über 25.000 Menschen sterben. Die Darmspiegelung (Koloskopie) ist die wichtigste Vorsorgeuntersuchung. Durch sie kann er früh erkannt werden, was die Heilungschancen enorm verbessert.

Was ist eine Koloskopie?

Prof. Dr. Brigitte Mayinger ist Chefärztin der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Allgemeine Innere Medizin am Helios Klinikum München West. (© Helios)

Die Koloskopie oder Darmspiegelung ist eine Untersuchungsmethode im Inneren des Darms, um einen Darmkrebs möglichst früh zu erkennen. „Der behandelnde Arzt untersucht den Dick- und Mastdarm seines Patienten oder seiner Patientin von innen mit Hilfe eines Endoskops“, erklärt Prof. Dr. Brigitte Mayinger, Chefärztin der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Allgemeine Innere Medizin am Helios Klinikum München West. „Schon während der Untersuchung können Gewebeproben entnommen werden. Auch Dickdarm-Polypen lassen sich mit Hilfe des Endoskops entfernen“, so die Expertin weiter.

Es spricht medizinisch nichts dagegen, dass die Patientin oder der Patient während der eigentlichen Untersuchung wach ist. Da für viele Patienten die Vorstellung schambehaftet ist, wird üblicherweise ein leichtes Narkosemittel verabreicht. Das ist für viele Patientinnen und Patienten sehr viel angenehmer.

Wann ist eine Darmspiegelung angezeigt?

Farbige Darstellung von Darmkrebs im Darm
Wichtige Vorsorgemaßnahme: Bei der Darmspiegelung können Vorstufen von Darmkrebs, sogenannte Darmpolypen, direkt entfernt werden.(© Adobe Stock/peterschreiber.media)

Prof. Mayinger erläutert, dass eine Darmspiegelung als reine Vorsorgeuntersuchung, um beispielsweise Darmpolypen rechtzeitig zu entdecken und zu entfernen, oder bei aktuellen Beschwerden durchgeführt werden kann. Bei Beschwerden dient sie dazu, die Ursache zu ermitteln und zielgerichtet behandeln zu können.

Koloskopie als Vorsorgeuntersuchung
Die Darmspiegelung ist das wichtigste Instrument zur Früherkennung von Darmkrebs. Umso früher die Diagnose Darmkrebs gestellt wird, umso besser lässt sich die Krankheit noch heilen.

Polypen können sich im Laufe der Zeit zu Vorstufen von Darmkrebs entwickeln. Diese Veränderung bleibt sehr lange unbemerkt. „Aus diesem Grund ist es so wichtig, ab einem bestimmten Alter regelmäßig eine Darmspiegelung durchzuführen, auch – oder gerade weil – der Patient beschwerdefrei ist“, führt die Chefärztin aus. „Bei Darmkrebs“, so Prof. Mayinger weiter, „lässt sich die eigentliche Krebserkrankung tatsächlich durch die Früherkennung verhindern, denn schon während der Untersuchung werden verdächtige Polypen entfernt.“

Außerdem ist für Menschen, die bereits einmal an Darmkrebs erkrankt waren, die Darmspiegelung eine sehr wichtige, regelmäßige Nachsorge-Untersuchung. Mit ihr lässt sich – neben weiteren Nachsorgeuntersuchungen wie dem CT – schnell erkennen, ob der Krebs zurückgekehrt ist, und die entsprechende Behandlung finden.

Koloskopie bei aktuellen Beschwerden
Unklare Beschwerden wie Blut im Stuhl oder grundsätzliche Veränderungen der Stuhlgewohnheiten oder andere Darmbeschwerden unklarer Herkunft, sollten stets genauer untersucht werden. Selbstverständlich kann auch Blut im Stuhl eine harmlose Ursache haben. Um aber Darmkrebs auszuschließen, ist eine Koloskopie nahezu unumgänglich.

Vor der Darmspiegelung

Aufklärungsgespräch am Schreibtisch zwischen Arzt und Patient
In einem Vorbereitungsgespräch wird der Patient über die Koloskopie aufgeklärt. (© Adobe Stock/joyfotoliakid)

Um dem Arzt während der Untersuchung einen möglichst genauen Blick auf die Darmwand zu ermöglichen, ist es wichtig, den Darm entsprechend vorzubereiten. Denn der Darm sollte möglichst leer und frei von möglichen Nahrungsresten sein, um die Sicht nicht zu versperren.

Informationsgespräch mit dem Gastroenterologen
In einem vorbereitenden Gespräch mit dem behandelnden Gastroenterologen wird der Patientin oder dem Patienten sehr genau erklärt, wie die anstehende Untersuchung ablaufen wird. In diesem Gespräch werden auch mögliche Risiken der Darmspiegelung erläutert und er erhält genaue Anweisungen, wie er selbst die Darmspiegelung vorbereiten soll, um ein möglichst genaues Untersuchungsergebnis zu gewährleisten. In diesem Gespräch sollte auch Raum für Fragen der Patientin bzw. des Patienten sein, um nach Möglichkeit viel Unsicherheit im Vorfeld auszuräumen.

Die Darmreinigung
Meist beginnt die Darmreinigung am Vortag der eigentlichen Untersuchung. Ab jetzt ist keine feste Nahrung mehr erlaubt. Es ist sogar empfehlenswert, bereits fünf Tage vor der eigentlichen Koloskopie auf Körner in der Nahrung zu verzichten, da diese besonders schwer verdaulich sind.

Tipps, wie Patienten dazu beitragen können, dass während der Darmspiegelung bestmögliche Sichtbarkeit im Darm gewährleistet ist:

  • Am besten, Sie verzichten bereits zwei, noch besser aber fünf Tage vor dem Eingriff auf schwer verdauliche Lebensmittel wie beispielsweise Vollkornprodukte, Müsli oder Obst und Gemüse, die Körner enthalten wie Himbeeren, Weintrauben oder Tomaten und Kiwis.
  • Am Abend vor der Darmspiegelung nehmen Sie – in Absprache mit Ihrem Arzt – ein spezielles Abführmittel und trinken besonders viel, um den Darm zu spülen.
  • Nach der Darmentleerung sollte die Patientin / der Patient nichts mehr essen. Ein etwaiges Hungergefühl lässt sich am besten mit klaren Flüssigkeiten wie Brühe, Tee oder heller Saftschorle abmildern und die zusätzliche Flüssigkeit spült den Darm zusätzlich.
  • Dunkle oder trübe Getränke könnten die Sicht während der Untersuchung erschweren – am besten Sie achten deshalb auf möglichst klare Flüssigkeiten.

Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

Arzt hält Instrument für die Darmspiegelung in der Hand
Mit dem Koloskop wird das Inneren des Darms untersucht, um Darmkrebs möglichst früh zu erkennen. ( © Adobe Stock/sudoku1)

Gastroenterologen sind Ärzte, die sich auf Magen-Darm-Erkrankungen spezialisiert haben und viel Erfahrung mit Darmuntersuchungen haben. Das für die Darmspiegelung (= Koloskopie) verwendete Instrument nennt sich Koloskop. Ein Koloskop kann man sich als sehr dünnes, biegsames medizinisches Instrument vorstellen, das an seinem vorderen Ende eine kleine Lichtquelle und eine kleine Kamera sowie eine kleine Schlaufe hat. Das Koloskop ist ca. 1,5 Meter lang, so dass sich der gesamte Dickdarm – vom Anus bis zum Blinddarm – gut einsehen lässt: die Koloskop-Kamera liefert Bilder aus dem Inneren auf einen Monitor.

Eine Darmspiegelung dauert meist zwischen 20 bis 30 Minuten, je nachdem ob noch Gewebeproben entnommen werden auch etwas länger.

Die eigentliche Untersuchung
Meist liegt der Patient mit angewinkelten Beinen auf der Seite, während der Arzt das Koloskop in den After einführt. Das ist für den Patienten nicht schmerzhaft, selbst wenn er sich gegen eine Sedierung entschieden hat. Gleichzeitig wird über den Schlauch Luft in den Darm geblasen, damit sich das Gewebe etwas entfaltet und so die Sicht auf die Darmwände gewährleistet ist.

Langsam und vorsichtig wird das Koloskop zum Dickdarm bis zu der Stelle geschoben, wo der Dickdarm in den Dünndarm übergeht.

Durch die kleine Leuchte und die Kamera lassen sich alle Veränderungen, wie bspw. Polypen oder Schleimhautveränderungen gut ausfindig machen. Während dieser Untersuchung werden ggf. bereits therapeutische Eingriffe durchgeführt, denn mit dem Koloskop lassen sich Polypen entfernen, die dann pathologisch untersucht werden können.

Darmspiegelung verursacht keine Schmerzen
Vielen Menschen empfinden eine Darmspiegelung als unangenehm, obwohl sie heute auf Grund von hochentwickelter Medizintechnik in der Regel keine Schmerzen verursacht. Die intravenöse Verabreichung eines Kurzschlafmittels ist für viele Patientinnen und Patienten ein gutes Hilfsmittel, um der schambehafteten Darmspiegelung zu begegnen.

Mögliche Nebenwirkungen
Blähungen und Darmgeräusche können nach der Untersuchung als störend empfunden werden. Sie rühren von der in den Darm eingelassenen Luft, die erst nach und nach entweichen muss.

 

Nach der Darmspiegelung

Direkt nach dem Eingriff
Die Patientin oder der Patient hat in einem Aufwachraum Gelegenheit wieder ganz zu sich zu kommen. Die während der Koloskopie entnommenen Proben werden in ein Labor gegeben, wo sie feingeweblich untersucht werden. Sobald diese Befunde vorliegen, erhält der Patient Nachricht.

Der erste Tag nach der Koloskopie
Prof. Mayinger betont: „Ein besonderes Verhalten ist für den Patienten nach der Darmspiegelung nicht nötig. Jeder kann sofort wieder seine üblichen Ess- und Trinkgewohnheiten aufnehmen. Wenn größere Polypen entfernt werden, muss auf flüssige Kost umgestellt werden. Ansonsten spricht z.B. bei Abtragung kleiner und unkomplizierter Polypen nichts gegen eine normale Nahrungsaufnahme.

„Lediglich für den Fall einer Vollnarkose sollte die Narkosewirkung erst vollständig abgeklungen sein, bis festes Essen aufgenommen wird“, ergänzt die Ärztin.

In welchem Turnus zur Darmspiegelung?

Männern wird ab 50, Frauen ab 55 eine Darmspiegelung empfohlen. Ist der Befund unauffällig sollte sie nach 10 Jahren wiederholt werden. Dieser recht lange Abstand reicht deshalb aus, da Darmkrebs sehr langsam aus Polypen wächst.

Angehörigen von Darmkrebspatientinnen und -patienten wird empfohlen 10 Jahre vor Erkrankungsalter ihres Verwandten zur Darmuntersuchung zu gehen.

Für Patientinnen und Patienten, die bereits einmal an Darmkrebs erkrankt waren, ist die Koloskopie ein regelmäßiger Teil ihrer Nachsorge. Bleiben die Befunde unauffällig, können die Abstände vergrößert werden.

Koloskopie auch für Kinder?

Sollten die behandelnden Ärzte eine Darmspiegelung bei einem Kind für medizinisch sinnvoll erachten, spricht nichts dagegen. Bei kleinen Kindern wird die Koloskopie immer unter Vollnarkose durchgeführt und durch einen Anästhesisten betreut. Mögliche Gründe könnten bspw. andauernde Durchfälle bei Kindern sein, für die keine Ursache gefunden werden kann.

Risiken der Darmspiegelung

Eine Darmspiegelung ist eine Routine-Untersuchung und in der Regel völlig ungefährlich. Die bekannten Risiken sind eher als gering einzuschätzen, denn die Vorteile überwiegen in jedem Fall deutlich: Ärzte können bereits während der Untersuchung Polypen und Krebsvorstufen entfernen. Entdeckte Veränderungen befinden sich meist in einem lokal begrenzten Frühstadium mit sehr guten Heilungschancen.

Mögliche Risiken könnten sein:

  • Kleinere Blutungen, wenn während der Untersuchung Gewebe entfernt wird. Diese lassen sich meist unkompliziert stoppen.
  • Verletzungen der Darmwand durch das Koloskop. Dies wäre eine schwere Komplikation, die nur äußerst selten auftritt – oft bei Patientinnen oder Patienten, die bereits am Bauch operiert wurden. Denn Verwachsungen können bspw. dafür verantwortlich sein, dass der Darm fest mit dem umliegenden Gewebe verbunden ist und deshalb weniger beweglich reagiert.
  • Geriatrische Patienten oder Personen mit erschwerenden Grunderkrankungen wie etwa einer ausgeprägten Herzschwäche oder COPD, tragen ein höheres Risiko für Sedierungskomplikationen. Grundsätzlich werden die Patienten daher wie im OP überwacht. Hier kommen ggf. alternative Untersuchungsmethoden zum Einsatz.

Alternative Untersuchungsmethoden

Computertastatur mit einer Taste "Krebsfrüherkennung"
Es gibt auch alternative Vorsorgeuntersuchungen, die Darmspiegelung zählt allerdings zu den Methoden mit der höchsten medizinischen Präzision. (© Adobe Stock/momius)

Selbstverständlich gibt es Alternativen zur Darmspiegelung, die ohne die Einführung eines Koloskops in den Darm auskommen. Keine dieser Alternativen bietet aber die gleiche medizinische Präzision wie die Koloskopie.

Sigmoidoskopie
Die Sigmoidoskopie ist eine partielle Koloskopie. Nur das letzte Stück von Dickdarm mit Enddarm wird untersucht. „Die Sigmoidoskopie ist in Deutschland keine Vorsorgeuntersuchung, da durch sie nicht alle Tumore entdeckt werden können“, erläutert die Chefärztin.

Virtuelle Darmspiegelung
Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) sind Untersuchungsmethoden, die Schnittbilder vom Darm liefern. Die CT arbeitet mit Röntgenstrahlen, die MRT mit starken Magnetfeldern. Eingesetzt werden diese Untersuchungsmethoden bei Menschen, bei denen eine Darmspiegelung medizinisch nicht möglich oder bspw. aus religiösen Gründen nicht gewünscht ist.

Eine Darmreinigung vergleichbar zur Koloskopie-Vorbereitung ist auch bei der virtuellen Darmspiegelung erforderlich.

Kapselendoskopie
Hier wird eine kleine Kamera-Kapsel (Pill-Cam) geschluckt, die auf ihrem Weg durch den Verdauungstrakt unzählige Bilder macht, die der Arzt im Anschluss auswertet. Die Kapselendoskopie wird bei zahlreichen Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt. Sollten durch die Untersuchung Auffälligkeiten zu Tage tragen, ist im Anschluss eine normale Darmspiegelung notwendig. Eine Darmreinigung und Vorbereitung ist auch bei der Kapselendoskopie zwingend notwendig.

Stuhltest auf verstecktes Blut
Das gesetzliche Früherkennungsprogramm bietet jedem die Möglichkeit, seinen Stuhl auf nicht sichtbares Blut untersuchen zu lassen. Blutspuren im Stuhl können ein Hinweis auf Darmtumore sein.

Im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms gibt es zudem die Möglichkeit, seinen Stuhl mit immunologischen Tests auf nicht sichtbares Blut untersuchen zu lassen. Da Tumoren im Darm stärker bluten als die gesunde Schleimhaut, können Ärzte diese winzigen Blutunterschiede im Stuhl nachweisen. Für beide Geschlechter ist ein jährlicher Stuhltest zwischen dem 50 und 54. Lebensjahr möglich. Ab 55. ist ein Stuhltest alle zwei Jahre von den Krankenkassen abgedeckt. Er kann allerdings nicht annähernd so viel Sicherheit geben, wie die Ergebnisse einer Darmspiegelung, denn vor allem frühe Tumore bluten in der Regel nicht.

Titelbild: © Adobe Stock/sudok1