Warum Darmkrebsvorsorge wichtiger ist denn je

Der Darm: unser unterschätztes Organ

Der Darm: unser unterschätztes Organ

Mit unserem Darm beschäftigen wir uns ungern. Zu schambehaftet erscheint es vielen, über den Darm zu sprechen. Das sollten wir ändern: Denn jährlich erkranken laut einer Prognose des Robert-Koch-Instituts hierzulande rund 31.300 Männer und 24.100 Frauen an Darmkrebs und erhalten die Diagnose Tumor des Dick- oder Enddarms.

Dar Darm, unser größtes Organ, ist auch für die Immunabwehr des menschlichen Körpers wichtig. (© Fotolia/SciePro)

Erst in den letzten Jahren ist bei vielen Menschen die Erkenntnis angekommen, dass der Darm für viel mehr als „nur“ für die Verdauung verantwortlich ist. Denn mit seiner von unzähligen Bakterien besiedelten Darmflora ist er auch für die Immunabwehr des Körpers sehr wichtig. 

Die Darmschleimhaut hat eine Oberfläche von 300 bis 500 Quadratmetern und stellt somit die größte Organfläche des Körpers dar. Die Aufgabe des Darms besteht nicht nur darin, Nahrung zu verdauen und als Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente in die Blutbahn abzugeben. Die Darmschleimhaut bildet bei gesunden Menschen auch eine mechanische Barriere: Sie ist durchlässig für Nährstoffe und Flüssigkeiten, aber undurchlässig für Schadstoffe. Die hier siedelnden „ guten“ Darmbakterien verhindern, dass sich krank machende Keime ausbreiten und Infektionen auslösen können. Ein guter Grund mehr, bei einem Medizin-Check den Darm nicht zu vergessen! 

Heute gibt es mehr Darmkrebsfälle als noch vor 50 Jahren

Frau hat Schmerzen und hält sich gekrümmt den Bauch
Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. (© Adobe Stock/leszekglasner)

Mit unserem Darm beschäftigen wir uns ungern. Zu schambehaftet erscheint es vielen, über den Darm zu sprechen. Und Krebs? Erst recht nicht! Das sollten wir ändern! Denn jährlich erkranken laut einer Prognose des Robert-Koch-Instituts hierzulande schätzungsweise rund 31.300 Männer und 24.100 Frauen an Darmkrebs und erhalten die Diagnose Tumor des Dick- oder Enddarms. Vor 50 Jahren gab es noch deutlich weniger Darmkrebserkrankungen als heute, das mag an veränderten Ernährungsgewohnheiten liegen oder an der besseren Diagnostik. Fakt ist auf alle Fälle: Im Kampf gegen Darmkrebs haben wir eine echte Chance! Denn die wichtigste Waffe ist hier die Früherkennung – am besten in einem zertifizierten Darmzentrum. 

Warum die Darmspiegelung Leben rettet

Chefarzt Dr. Erich Bielesch im Foyer des Helios Klinikums München West
Darmkrebs-Experte am Helios Klinikum München West: Dr. Erich Bielesch. (© Helios)

Rechtzeitig erkannt, ist Darmkrebs in der Regel gut heilbar. „Denn Darmkrebs entwickelt sich, im Gegensatz zu anderen Krebsarten, aus gutartigen Vorstufen, den sogenannten Polypen. Bei einer Darmspiegelung können diese verdächtigen Vorstufen nicht nur frühzeitig entdeckt, sondern meist auch im Rahmen der Untersuchung direkt entfernt werden. So kann der gefürchtete Darmkrebs erst gar nicht entstehen“, erklärt Dr. med. Erich Bielesch, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter des zertifizierten Darmzentrums am Helios Klinikum München West. 

Gutartige Darmpolypen (Adenomen) entstehen aus Verdickungen einzelner Zellen. Gut zu wissen, dass nicht aus allen Darmpolypen bösartige Tumore entstehen, dass aber umgekehrt 90 Prozent aller bösartigen Tumore auf zunächst gutartige Polypen zurückzuführen sind. Durchschnittlich vergehen fünf bis zehn Jahre, bis genetische Veränderungen dazu führen, dass das Wachstum neuer Zellen in den Polypen nicht mehr vom Körper reguliert wird. Ein Tumor ist immer das Ergebnis ungebremsten Zellwachstums. 

Was geschieht bei einer Darmspiegelung? 

Chefarzt Prof. Dr. Norbert Grüner im Helios Amper-Klinikum Dachau
Spezialist für Darmkrebs am Helios Amper-Klinikum Dachau: Prof. Dr. Norbert Grüner. (© Helios)

Prof. Dr. med. Norbert Grüner, Chefarzt für Gastroenterologie und Leiter des zertifizierten Darmzentrums am Helios Amper-Klinikum Dachau, erklärt: „Eine Darmspiegelung (Koloskopie) ist eine sehr häufig durchgeführte Untersuchung. Nur mit einer Darmspiegelung können wir den Darm von innen begutachten. Vor der Untersuchung selbst muss sich keiner fürchten, denn auf Wunsch verabreichen wir ein leichtes Beruhigungsmittel, sodass unsere Patienten während der Untersuchung in einem sanften Dämmerschlaf sein können.“

 

Symptome einer Darmkrebs-Erkrankung

„Typische, eindeutige Darmkrebs-Symptome gibt es eigentlich nicht“, erklärt Prof. Grüner, „ein erstes Alarmsymptom ist natürlich das Auftreten von Blut im Stuhl. Zudem können krampfartige Bauchschmerzen, veränderte Stuhlgewohnheiten mit Verstopfung oder Durchfall mögliche erste Anzeichen sein. Insbesondere in der Frühphase der Erkrankung sind viele Patienten jedoch noch komplett beschwerdefrei, daher ist die Vorsorgekoloskopie von größter Bedeutung.“

Wer ist besonders gefährdet? 

Dr. Bielesch erläutert, dass Rauchen einen negativen Einfluss auf die Entstehung von Darmkrebs hat. „Auch die typische Ernährungsweise unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft kann Darmkrebs fördern: Rotes Fleisch, wenig Ballaststoffe, zu viel Alkohol und Bewegungsmangel sind hier an vorderster Stelle zu nennen.“ Umgekehrt hilft eine gesunde Ernährung Darmkrebspatienten – und auch als wirkungsvolle Prophylaxe einer Vielzahl von Zivilisationskrankheiten ist eine ausgewogene Ernährung sehr wichtig. Die richtige Ernährung ist der Parameter unserer Gesundheit, den jeder selbst in der Hand hat.

Ausgewogene Ernährung:

  • Drei bis fünf Portionen von pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse oder Vollkornprodukte sind ideal für einen gesunden Darm.
  • Nur zwei bis drei Portionen Fleisch (bevorzugt Hühnchen oder Fisch) pro Woche.
  • Frischer Seefisch enthält viele Omega-3-Fettsäuren! Das beeinflusst die Bakterienvielfalt der Darmflora positiv.
  • Finger weg von zu viel Zucker! Süßigkeiten oder Kuchen stets nur in Maßen essen – frisches, saisonales Obst hilft, den Heißhunger auf Süßigkeiten zu bremsen. Schnell verfügbare Kohlenhydrate wie sie auch in allen Weißmehlprodukten enthalten sind – sollten nur in geringem Umfang Teil der Alltagsernährung sein.
  • Gegen Alkohol als Genussmittel in moderaten Mengen spricht nichts, solange er nicht täglich konsumiert wird.

Titelbild: © Adobe Stock/Lightfield