Patientengeschichte

Schnelle Hilfe im Notfall

Schnelle Hilfe im Notfall

Die Neuroradiologie beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und der dazugehörigen Gefäße. Doch wie läuft eine Behandlung im Notfall in unserem Klinikum eigentlich genau ab? Anhand einer Patientengeschichte erfahren Sie mehr darüber, wie die hochqualifizierte Rund-um-die-Uhr-Betreuung von Schlaganfallpatienten in unserer Fachabteilung funktioniert´.

Notaufnahme und Computertomografie (CT)

Herr Müller (Name geändert) fährt mit seiner Frau im Auto um Einkaufen. Plötzlich verliert er die Kontrolle über sein Fahrzeug und fährt mit geringer Geschwindigkeit gegen einen Ampelmast. Seine Frau bemerkt sofort, dass etwas nicht stimmt: Ihr Mann kann den linken Arm nicht mehr bewegen, sein linker Mundwinkel hängt herab. Seine Sprache ist schwer verständlich. Geistesgegenwärtig ruft Sie sofort die Notrufnummer 112 an. Nur neun Minuten später trifft der Rettungswagen ein. Herr Müller wird mit dem Rettungswagen direkt zu uns in die Notaufnahme gebracht. Dort wird er von einem Neurologen untersucht. Die Verdachtsdiagnose: Schlaganfall. Um zu unterscheiden, ob es sich um einen blutigen oder einen nicht-blutigen Schlaganfall handelt, wird unverzüglich eine Computertomographie durchgeführt. Bei dieser Untersuchung stellt sich heraus, dass Herr Müller einen nicht-blutigen Schlaganfall hat. Die rechte mittlere Gehirnarterie ist durch ein Blutgerinnsel verschlossen.

Katheterlabor

Herr Müller hat einen akuten, sogenannten ischämischen Schlaganfall. Die Ursache ist ein plötzlich aufgetretener Verschluss der rechten mittleren Hirnarterie durch ein Blutgerinnsel. Jetzt muss schnell gehandelt werden, damit Herr Müller die besten Chancen für eine Genesung hat. Das verschlossene Blutgefäß im Kopf muss so schnell wie möglich geöffnet werden, damit das Gehirn wieder durchblutet und dadurch wieder mit Sauerstoff versorgt wird. Je länger der Verschluss besteht desto geringer sind die Chancen auf eine Besserung der Symptome.

Herr Müller erhält ein Medikament, das den Verschluss auflösen soll. Da dieses Medikament bei größeren Verschlüssen meist nicht ausreichend wirkt, wird Herr Müller unverzüglich in das Katheterlabor gebracht. Dort wird er von Anästhesisten in einen künstlichen Schlaf versetzt (Intubationsnarkose). Dann entfernen Neuroradiologen mit einer hochentwickelten Mikrokathetertechnik, speziellen Stents und Absaugkathetern das Blutgerinnsel aus dem verschlossenen Gehirngefäß und stellen so die normale Durchblutung des Gehirns wieder her. Als Herr Müller aus der Narkose aufwacht, fühlt er sich schon besser. Er wird auf die Schlaganfallspezialeinheit, die sogenannte Stroke Unit gebracht.

Stroke Unit und Magnetresonanztomografie (MRT)

Herr Müller wird nun auf die Schlaganfall-Spezialstation gebracht. Hier wird er von hochspezialisierten Ärzten und Pflegekräften weiterversorgt. In sehr regelmäßigen Abständen wird sein klinischer Zustand beurteilt und sein Blutdruck überwacht, um bei Änderungen sofort reagieren zu können. Wenn es um das Gehirn geht, können Minuten entscheidend sein. Auch wird nach den Ursachen für das Blutgerinnsel gesucht, um weitere Schlaganfälle verhindern zu können.

Herr Müller kann innerhalb von Stunden seine linke Seite wieder völlig normal bewegen. Die Schwierigkeiten beim Sprechen sind verschwunden. Am nächsten Tag wird noch ein MRT (Magnetresonanztomografie) des Gehirns gemacht. Es werden nur minimale Zeichen der durchgemachten Durchblutungsstörung nachzuweisen – also ein voller Erfolg der Behandlung! Dieser schnelle und nachhaltige Erfolg war nur möglich, weil alle beteiligten Helfer, angefangen bei der Ehefrau von Herrn Müller, geistesgegenwärtig und rasch gehandelt haben.

Drei Tage nach dem Schlaganfall kann Herr Müller schon wieder nach Hause entlassen werden.