Vergiftungsgefahren erkennen
Tipps aus der Kinderklinik im Helios Klinikum Meiningen

Vergiftungsgefahren erkennen

Meiningen

Bunte Flaschen und Flüssigkeiten, lustige Motive, mehrfarbige Tabs: Hübsch verpackt versprechen Reinigungsmittel für die Spül- oder Waschmaschine, Fußboden-, Bad- oder Fensterreinigung ihre Hilfe bei der Bewältigung unseres täglichen Haushalts. Werbewirksam mit flotten Bildern und Sprüchen versehen verlocken sie nicht nur zum Kauf, sondern sind vor allem für Kleinkinder anziehend und reizvoll. Darauf, wie gefährlich solche Mittel sind, wenn davon getrunken oder gegessen wird, und welche Vergiftungsgefahren noch auf Kleinkinder im Alltag lauern, macht Christoph Ehrsam, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik des Helios Klinikums Meiningen jetzt anlässlich des Tags des Vergiftungsschutzes aufmerksam.

 

Jedes Jahr am 20. März wird in Form eines bundesweiten Informationstages „Vergiftungsschutz für Kinder im Haushalt“ auf die Gefahren hingewiesen, die im Alltag lauern.  Denn häufig treten Vergiftungen in den eigenen vier Wänden auf, bedingt durch die nicht kindgerechte Aufbewahrung von Spülmittel und Co. Besonders Kleinkinder nutzen dafür oft einen kurzen Moment der Ablenkung ihrer Eltern, wie ein klingelndes Telefon oder ein Klopfen an der Tür, um sich an den leicht zugänglichen Reinigungsmitteln zu bedienen. „Deshalb empfehlen wir, jegliche Chemikalien und Säuren möglichst ganz aus dem Haushalt zu entfernen sowie Putz-, Spül- und Waschmittel und sämtliche Alltagshelfer zur Reinigung, aber auch Medikamente, außerhalb der Reichweite von Kindern in den Oberschränken zu platzieren. Im besten Fall sollten die Schränke abgeschlossen sein“, betont Christoph Ehrsam, Chefarzt der Kinderklinik des Helios Klinikums Meiningen. Er beteiligt sich mit seinem Team aktiv an diesem Aktionstag, um auch in der Region Südthüringen wichtige Informationen zur Prävention zu verbreiten.

 

Knopfzellenbatterien und andere Fremdkörper

Ein besonderes Anliegen ist dem Meininger Kindergastroenterologen auch der Hinweis auf die Gefahren, die beim Verschlucken von beispielsweise Batterien lauern. Viele Fremdkörper stellen primär keine Gefährdung für die Kinder dar, manche können den Magen-Darm-Trakt problemlos auch bis zu dessen Ende durchlaufen. Anders sieht es bei Knopfzellenbatterien aus. Werden diese verschluckt und bleiben im Speiseröhrentrakt stecken, so sind bereits nach kurzer Zeit Verletzungen an der Schleimhaut möglich, die zu Blutungen oder einem Speiseröhrendurchbruch führen können. Besonders kritisch betrachtet der Mediziner daher entsprechend batteriebetriebene Spielzeuge: „Erst während der vergangenen Weihnachtszeit mussten wir zweimal innerhalb einer Woche eine Notfallendoskopie nach dem Verschlucken von Knopfzellenbatterien durchführen. Glücklicherweise konnten wir die beiden kleinen Patienten so schnell behandeln, dass sie von diesem Vorfall keine schweren Schädigungen davontragen.“ Doch wie schnell Batterien innere Verletzungen auslösen können, zeigte sich in einem der beiden Fälle. „Aufgrund des verzögerten Durchtritts durch die Speiseröhre kam es zum Stromfluss, weshalb es in einem der beiden Fälle bereits zu ersten oberflächlichen Schleimhautläsionen kam,“ erklärt der Chefarzt der Kinderklinik Christoph Ehrsam. Deshalb plädiert der Meininger Mediziner an die Aufmerksamkeit aller Aufsichtspersonen.

 

 

Richtig reagieren, wenn es zu spät für Prävention ist

Doch auch bei aller Vorsicht kommt es manchmal zu einem Vergiftungsfall. Dann ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Über den Giftnotruf in Erfurt (0361/730730) können sich Betroffene schnelle und fachkundige Hilfe holen – immer abhängig von dem Giftstoff, der eingenommen wurde. In jedem Fall vermeiden sollten Betroffene, Erbrechen bei dem Vergiftungsopfer auszulösen. Giftige und potenziell ätzende Substanzen würden so nur wiederholt durch Speiseröhre und Rachen geschleust werden und könnten damit noch mehr Schäden anrichten. Auch das Verabreichen von Milch sollte vermieden werden, da Milch die Aufnahme mancher Giftstoffe beschleunigen kann. Trinken an und für sich ist allerdings eine gute Idee – am besten viel Wasser ohne Kohlensäure, um die eingenommene giftige Substanz im Körper so gut wie möglich zu verdünnen. „Zögern Sie nicht, Ihr Kind in einem solchen Fall beim Kinderarzt oder im Krankenhaus vorzustellen oder in dringenden Notfällen auch Hilfe durch den Rettungsdienst zu holen. Die Experten wissen was zu tun ist“, betont Christoph Ehrsam.

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Tamara Burkardt

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