Mehr als Narkose
Am 16. Oktober ist Welt-Anästhesie-Tag

Mehr als Narkose

Meiningen

Kaum eine Operation käme ohne sie aus: Anästhesisten. Doch seit vor 174 Jahren in den USA am 16. Oktober die weltweit erste Narkose durchgeführt wurde, hat sich das Berufsbild stark erweitert. Anlässlich des 9. Weltanästhesie-Tages diesen Freitag gewährt das Helios Klinikum Meiningen aktuelle Einblicke in den besonderen und vor allem wichtigen Arztberuf.

„Anästhesie ist weit mehr als nur die Narkose unter einer OP, denn der Anästhesist betreut Patienten sowohl vor, während als auch nach einem Eingriff. Im Vorgespräch mit dem Patienten macht er sich ein Bild von seiner Krankengeschichte und seinem Gesundheitszustand und legt fest, wie die genaue Schmerzbehandlung aussehen soll. Während der OP überprüft er permanent die Vitalwerte wie Blutdruck, Atmung und Puls und lässt seine Erkenntnisse in den postoperativen Therapieplan einfließen“, erklärt Dr. med. Marco Büttner, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Helios Klinikum Meiningen, der angesichts der Fülle an Aufgaben besonderen Wert auf die Schulung der Assistenzärzte legt.

Interne Aus- und Weiterbildung

Tatkräftige Unterstützung erhält Chefarzt Dr. Büttner bei der Aus- und Weiterbildung seiner Fachkräfte von den beiden Oberärzten Patrick Bonsack und Dr. med. Enrico Wolf. Zusätzlich zu den vorgeschriebenen Fortbildungen bietet das Meininger Anästhesie-Team eine Schulungsreihe für Berufsanfänger an, die unter dem Namen „Basic-Tutorials“ in zweiwöchigem Abstand verschiedene Themen beleuchtet. Die Tatsache, dass vor allem die Assistenzärzte daran so zahlreich freiwillig und in ihrer Freizeit teilnehmen, spiegelt die hohe Akzeptanz der Mitarbeiter wider. „Wir haben hier eine gute und vor allem engagierte Truppe, junger Assistenzärzte und Pflegekräfte, die sehr interessiert daran sind, sich im Sinne des Patientenwohls weiterzubilden“, betont Oberarzt Patrick Bonsack.

Diese überwiegend theoretischen Veranstaltungen der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin werden ergänzt um praktische Trainings, wie etwa die Reanimation. Geübt wird die Praxis im Helios Klinikum Meiningen entweder im Simulationstraining oder an den täuschend echt aussehenden Übungspuppen. „Mithilfe modernster Simulationspuppen, die wie ein echter Patient reagieren, ja sogar sprechen können, wollen wir unseren Nachwuchskräften ermöglichen, Fehler zu machen. Nur daraus lernen sie. Und das bringt sie dazu, unsere Patienten letztlich bestmöglich versorgen zu können,“ ergänzt Oberarzt Dr. Wolf.

Lohnende Investitionen

Auch wenn sich in Zeiten von Corona die Frage nach der weiteren Durchführbarkeit solch interner Fortbildungen stellte, entschied sich Klinikgeschäftsführerin Claudia Holland-Jopp nach eingehender Abwägung im Sinne der Patientensicherheit: „Um unseren Patienten auch künftig die bestmögliche medizinische Versorgung gewährleisten zu können, haben wir in diesem Jahr viel Geld in modernes Schulungsequipment investiert. Da sehe ich es als folgerichtig, diese moderne Ausstattung nicht verstauben zu lassen, sondern entsprechend der aktuell geltenden Hygienebestimmungen seiner Bestimmung nach einzusetzen. Gerade das Thema Reanimation liegt mir sehr am Herzen. Und wir hatten hier vor kurzem gleich zwei kritische Einsätze mit positivem Ausgang, die gezeigt haben: unsere interne Schulungsarbeit zeigt große Wirkung.“

In diesem Sinne soll die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche auch im Hinblick auf Schulungen bis 2021 verstärkt werden. „Wir planen unter anderem auch eigene Praxis-Trainings mit Fachkräften aus der Kinder- und Jugendheilkunde sowie der Geburtshilfe, für die wir jüngst ebenfalls Simulationspuppen in Form von Säuglingen und Babys angeschafft haben“, verweist Dr. Wolf auf den Ausbau der internen Schulungsarbeit, für den es mittlerweile sogar einen eigenen Korridor gibt. Neben den Simulationsräumen, liegen hier z.B. auch EDV-Schulungsräume und Bereiche für die Praxisanleiter*innen, die sie für die Schulung von aktuell mehr als 100 Auszubildenden in Theorie und Praxis sinnvoll nutzen können.

Narkose und soziale Kompetenzen

Obwohl die Vollnarkose heutzutage ein sehr sicheres medizinisches Verfahren ist, kann es in Abhängigkeit von Operationsverfahren und dem körperlichen Zustand des Patienten zu Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, allergischen Reaktionen und Schmerzen nach dem Eingriff kommen. „Die professionelle Arbeit von Anästhesisten trägt jedoch wesentlich dazu bei, dieses perioperative Risiko zu mindern. Als hervorragend ausgebildete Fachärzte sind sie in der Lage, unter Einsatz neuer Technologien eine gezielte Steuerung der Narkosetiefe zu ermöglichen.

Darüber hinaus ist die kontinuierliche Begleitung des Patienten durch einen Facharzt von der Einleitung der Narkose bis zum Erwachen im Aufwachraum selbstverständlich. Deshalb wird im Helios Klinikum Meiningen neben der fachlichen Kompetenz auch darauf geachtet, die soziale Kompetenz im Umgang mit den Patienten und ihren Ängsten zu schulen. „Nur Vertrauen schafft eine gute Basis für das Gelingen einer Operation“, schließt Chefarzt Dr. Büttner.

 

Supervision für das Debriefing durch das Simulationsteam und Chefarzt Dr. Marco Büttner während der Inhouse-Simulation von anästhesiologischen und perioperativen Notfällen. Foto: Jon Burkhardt

Pressekontakt:

Tamara Burkardt

Leitung Unternehmenskommunikation und Marketing
Tamara Burkardt

Telefon

(03693) 90-210 66