Hilfe aus dem 3-D-Drucker: Maßgefertigte Prothese ersetzt Teil des Beckenknochens
Innovative Techniki für die Patienten

Hilfe aus dem 3-D-Drucker: Maßgefertigte Prothese ersetzt Teil des Beckenknochens

Meiningen

Starke Schmerzen prägten in den vergangenen Monaten das Leben von Helmut Walter aus Klings bei Kaltennordheim. Die geliebten Spaziergänge und Wanderungen waren für den rüstigen Rentner kaum mehr möglich. Nach einem Sturz im Januar 2019 war der Senior zunehmend in seiner Beweglichkeit und Mobilität eingeschränkt. Nun konnte dem Patienten durch eine komplizierte, aber erfolgreiche Behandlung geholfen werden.

In Folge des Sturzes war es zu einer Beckenfraktur gekommen. Der Bruch am Oberschenkelknochen war auswärtig operativ versorgt worden, der schwere Beckenbruch jedoch nicht. Auf Empfehlung seines Hausarztes kam Helmut Walter im Sommer in die Sprechstunde von Chefarzt Dr. med. Bernhard Öhlein im Helios Klinikum Meiningen. Der erfahrene Orthopäde erkannte die nicht verheilte Beckenfraktur sowie die weitere Schädigung des Knochens durch die Belastung in Folge des Gehens des Patienten.

Chefarzt Dr. Öhlein zeigt Patient Helmut Walter das Modell des Beckenknochens und der Titanprothese.

Dr. Öhlein erläutert dazu: „Ich habe dem Patienten eine Prothese vorgeschlagen, die wir individuell für seine speziellen Bedürfnisse anfertigen lassen. Damit ist es möglich, den geschädigten Knochen zu ersetzen und das gebrochene Becken zu stabilisieren.“ Dazu wurde das Becken anhand von CT-Aufnahmen komplett vermessen und in einem aufwändigen computergestützten Verfahren genau das Knochenstück berechnet, das als Prothese eingesetzt wurde. Im zweiten Schritt wurde ein Kunststoffmodell des Beckens erstellt, das zur Vorbereitung der Operation benötigt wird.

„Anhand des Modells können wir die eigentliche Operation planen, denn wir wissen dann, wie die genaue Lage des geschädigten Knochens ist und wie das Implantat eingesetzt werden muss. Da im menschlichen Körper nicht sehr viel Platz ist und auch um größere Schädigungen der umgebenden Muskulatur zu vermeiden, war diese Vorbereitung notwendig. Die Prothese selbst wird in einem 3-D-Druckverfahren aus Titan hergestellt. Dieses Material ist sofort voll belastbar und daher besonders für solch wichtige Knochen wie Hüfte und Becken geeignet“, führt Orthopäde Dr. Öhlein weiter aus.

Erfolgreicher Eingriff

Kunststoffmodell des Beckens zur Demonstration des Eingriffs.

Der Erfolg des Eingriffs gibt dem Chefarzt recht: Patient Walter steht nur wenige Tage nach dem rund dreistündigen Eingriff wieder auf den eigenen Füßen und unternimmt erste Schritte. Zusammen mit den Physiotherapeuten Heike Czwienk und Antje Gräf übt er täglich das Laufen am Rollator und auf Krücken.

Er selbst hat nur noch geringe Schmerzen und freut sich, dass er nun nahezu beschwerdefrei wieder unterwegs sein kann. Und auch sein Wunsch, zusammen mit seiner Frau wieder selbständig Spaziergänge in seinem Heimatort zu unternehmen, rückt in greifbare Nähe, wenn der Heilungsprozess weiter so erfolgreich wie bisher funktioniert. Chefarzt Bernhard Öhlein ist sich da jedoch sicher: „Herr Walter wird wieder recht gut alleine und ohne Hilfe laufen können. Dies braucht noch etwas Zeit und eine weitere Therapie im Rahmen einer orthopädischen Anschlussheilbehandlung, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass er wieder voll auf die Beine kommt.“