Unfall auf der A71

„Das war schon ein echter Schock“ – Schwerverletzte Patientinnen der Massenkarambolage auf dem Weg der Besserung

Meiningen

Plötzlich stoppten die Fahrzeuge vor ihr. Überall Bremslichter und Warnblinkanlagen. Und dann war es schon gesehen: Bei dem Massenunfall auf der Autobahn 71 am vergangenen Sonntag Mittag wurde u.a. Carolin Roth aus Fulda schwer verletzt. Sie war auf dem Rückweg aus Thüringen in ihre Heimat, als sie vom Hagelsturm völlig überrascht wurde. „Ich konnte noch auf der Autobahn neben den ersten Unfällen anhalten. Dann ist ein anderes Fahrzeug in meinen Wagen gekracht und ich wurde in die Leitplanke geschleudert. Ich bin selbständig ausgestiegen und bin über die Leitplanke geklettert. Dann haben sich andere Leute um mich gekümmert, denn ich war wirklich geschockt“, berichtet sie. Mit dem Rettungsdienst wurde sie in das Helios Klinikum Meiningen gebracht und dort als eine der ersten Patienten umgehend behandelt. Dort wurde sofort eine Computertomografie durchgeführt, um festzustellen, ob innere Verletzungen vorliegen. Zum Glück war es durch den Aufprall auf dem Airbag des Fahrzeugs bei einer Gehirnerschütterung, Brustkorbprellungen sowie weiteren Prellungen geblieben.  

„Die Patientin hat den Unfall gut überstanden und kann unser Klinikum bereits heute verlassen. Sie soll sich in den nächsten Tagen bewegen und auch an die frische Luft rausgehen. Dann steht einer völligen Gesundung nichts im Weg“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Reinhard Meier, Chefarzt der Unfallchirurgie.

Schon wieder auf den Beinen: Patientin Miriam Hoffmann mit Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Reinhard Meier und Oberärztin Dr. Andrea Teichert (Foto: Dr. Stephan Zeidler)

Noch mehr Glück im Unglück hatte wohl Miriam Hoffmann, die an diesem Mittag von Suhl zu ihren Eltern nach Meiningen unterwegs war. Ihr Fahrzeug, ein roter Kleinwagen, der bereits auf vielen Fotos im Internet zu sehen war, wurde bei dem Unfall völlig zerstört, und sie musste von der Feuerwehr mit der Rettungsschere aus dem Fahrzeug befreit werden. „Ich kann mich an gar nichts mehr erinnern. Der gesamte Unfall ist aus meinem Gedächtnis gelöscht, und ich weiß nur, dass ich im Krankenhaus aufgewacht bin und meine Eltern und mein Freund bei mir waren“, erzählt die 20-Jährige. Auch sie wurde schwerverletzt: Neben einer Gehirnerschütterung, die auch für den kurzzeitigen Gedächtnisverlust verantwortlich ist, erlitt sie eine Beckenfraktur sowie eine Brustkorbprellung mit zwei Rippenbrüchen.  

Chefarzt Dr. Meier führt zu den Verletzungen aus: „Frau Hoffmann geht es trotz der Schwere des Unfalls sehr gut und sie kann schon am Mittwoch entlassen werden. In den nächsten Tagen und Wochen wird sie allerdings zur Entlastung des Beckens auf Gehstützen angewiesen sein. Wenn diese konservative Therapie gut verläuft, wird auch keine Operation notwendig sein. Wir sind aufgrund ihres Allgemeinzustand sehr guter Dinge, dass sie bald wieder voll beweglich ist. Und auch der Schwindel in Folge der Gehirnerschütterung wird in den nächsten Tagen verschwinden.“ 

„Wir haben nach der Erstinformation durch die Leitende Notärztin vor Ort in der akuten Phase umgehend reagiert und unsere Notfallteams auf das Eintreffen zahlreicher Verletzter, insbesondere Polytraumata, vorbereitet. Vier schwerverletzte Patienten sind von Rettungsdienst und Notarzt zu uns gebracht worden und wir haben sie nach eingehender Untersuchung unfallchirurgisch und intensivmedizinisch betreut. Unsere Pflegekräfte haben sofort ihre Einsatzzeiten verlängert, um für die eintreffenden Patienten zur Verfügung zu stehen. So waren wir in der Lage, mit vier Polytraumateams alle Schwerletzten kompetent zu behandeln“, berichtet Dr. med. Andrea Teichert. Sie selbst war als Leiterin der Intensivmedizin an diesem Mittag im Dienst und hat die Erstversorgung der Patienten koordiniert. 

„Trotz der besonderen Situation in Folge des Massenunfalls waren wir in der Lage, auch alle anderen eintreffenden Patienten zu versorgen, denn wir mussten kurzfristig die Notfallversorgung für den gesamten Umkreis übernehmen. Das hat unser Team sehr gut gemeistert“, dankte Intensivmedizinerin Dr. Teichert den engagierten Kolleginnen und Kollegen, die an diesem Tag im Dienst waren.  

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren auf die Lage durch die laufenden Schulungen und Fortbildungen unseres Klinikums sehr gut vorbereitet und haben sich mit viel Routine und Engagement um die Unfallopfer gekümmert. Die immer wieder eingeübten Abläufe haben gut funktioniert und die eintreffenden Patienten konnten bestens versorgt werden, sodass keine lebensbedrohlichen Situationen entstanden. Ich bin sehr stolz auf alle Mitarbeiter, die vor Ort waren, und einmal mehr die Leistungsfähigkeit unserer Notaufnahme unter Beweis gestellt haben“, ergänzte Klinikgeschäftsführer Daniel Amrein. 

Insgesamt wurden 14 Verletzte des Unfalls ambulant (10 Patienten) und stationär (vier Patienten), darunter auch drei Kinder, im Helios Klinikum Meiningen behandelt. „Die meisten Patienten konnten unser Klinikum bereits verlassen. Wir sind sehr froh, dass alle Unfallopfer so gut davongekommen sind und voraussichtlich keine bleibenden Schäden behalten werden“, so Chefarzt Dr. Meier abschließend.