„Wir behandeln eine Viruserkrankung – Das ist kein totales Neuland“

„Wir behandeln eine Viruserkrankung – Das ist kein totales Neuland“

Saskia Modl und Anja Degner werden im Helios Standort Leipzig zu Fachärztinnen der Inneren Medizin ausgebildet. Seit der zweiten Welle stehen die beiden im Dienste einer neuen Herausforderung: Sie sind Teil der Isolierstation für Covid-Erkrankte. Zwei Frauen mit Durchhaltevermögen und Zuversicht erzählen.

Saskia Modl und Anja Degner befinden sich mitten in der Ausbildung zu Fachärztinnen. Die Faszination zur Inneren Medizin bringen beide mit. „Es ist ein riesengroßes Fach, man kann so viel machen und sieht eigentlich jeden Tag verschiedene Krankheitsbilder. Immer wieder was Neues und immer mal wieder ein bisschen Action“, schwärmt Saskia Modl. An Action hat es in den letzten Monaten nicht gefehlt.

Die angehende Internistin erkrankt zu Beginn der zweiten Welle selbst an Covid-19 – glücklicherweise durchlebt sie einen leichten Verlauf. Nach der Genesung ist klar, dass sie als immune Medizinerin nun auf eine Corona-Station gehen wird. Saskia Modl reflektiert: „Es ist ein tolles Team. Gerade mit den vielen Leuten aus den verschiedenen Fachabteilungen. Wir sind total durchgewürfelt und man lernt ganz andere Kolleginnen und Kollegen kennen. Das macht auch Spaß.“

Überzeugung statt Unsicherheit

Anja Degner ist während der ersten Welle noch in Elternzeit – bevor sie zurück in ihren Beruf startet, hätte sie sich schon Gedanken über das Risiko gemacht, erinnert sich die Mutter zurück. Doch die Unsicherheit weicht der Überzeugung: „Ich fühle mich eigentlich gut geschützt durch die Maßnahmen und deswegen war für mich schnell klar, dass ich es machen werde. Dafür haben wir ja alle irgendwann Medizin studiert.“ Genau wie ihre Kollegin sieht sie in der oftmals tragischen Arbeit auf der Isolierstation auch Raum für Entwicklung. „Es ist auch eine schöne Erfahrung, weil wir zusammen in einem Boot sitzen. Wir haben vielleicht andere Probleme: Aber alle gehen sie zielgerichtet zusammen an. Die Teamarbeit ist wirklich cool.“ Außerdem unterscheide sich der Arbeitsalltag bedeutend:

Wenn man auf eine Station kommt, die schon seit 20 Jahren existiert, findet man immer wieder festgefahrenere Strukturen vor. Hier sind alle Strukturen neu, das heißt, es entsteht viel Raum für die eigene Wirksamkeit.

Anja Degner, auszubildende Fachärztin der Inneren Medizin Helios Standort Leipzig

Saskia Modl und Anja Degner erzählen, dass das Zusammenspiel des Teams auf ihrer Station das Wichtigste sei. Der Austausch zwischen Pflegekräften, Ärzten und Ärztinnen sei rege, auch die Kolleginnen und Kollegen anderer Covid-Stationen seien jederzeit ansprechbar. So wird jede Expertise optimal genutzt, um diese besondere Zeit zu meistern. Die individuellen Behandlungen verlaufen bedarfsorientiert – einen spezifischen Therapieansatz gebe es schließlich noch nicht.

Wir behandeln eine Viruserkrankung – das heißt wir behandeln symptomorientiert. Das ist kein totales Neuland. Wir behandeln das konkrete Problem, weniger die Grunderkrankung. Außerdem haben viele nicht nur Covid, sondern auch Nebenerkrankungen

erklärt Anja Wegner

Die Pandemie ist noch nicht vorbei

Saskia Modl, auszubildende Fachärztin der Inneren Medizin Helios Standort Leipzig

Was „im Falle des Falles“ passieren muss, das würde momentan möglichst schon im Vorfeld festgelegt. Manchmal kippe der Akutzustand von Patientinnen und Patienten von einer Stunde auf die andere – dann sei es wichtig, zu wissen wie vorgegangen wird – eine Verlegung auf die Intensivstation beispielsweise. „Wir wollen von Anfang an eine klare Struktur haben. Es ist wichtig zu wissen, wann welcher Schritt ablaufen soll“, fasst Saskia Modl zusammen.

Das positive Feedback der Patientinnen und Patienten spendet Hoffnung. Die alltäglichen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus verlangen den beiden Ärztinnen genauso viel Kraft ab, wie dem Rest der Bevölkerung – neben der herausfordernden Arbeit auf Station. Obwohl die Ärztinnen über die merkliche Besserung der Fallzahlen erleichtert sind, heben sie den gedanklichen Zeigefinger: „Diese ganzen Kontaktbeschränkungen stören uns natürlich genauso wie alle anderen. Aber wir sind noch immer in einer Ausnahmesituation.“ Doch der vorsichtige Blick in die Zukunft lässt Zuversicht wachsen:

Wir freuen uns wahnsinnig darauf, in den Urlaub fahren zu können, unsere Familien zu besuchen und auf ein Weihnachtsfest ohne FFP2-Masken.

Saskia Modl und Anja Degner, Fachärztinnen in Ausbildung der Inneren Medizin werden im Helios Standort Leipzig