„Die Entwicklung des Onlineunterrichts ist sagenhaft“ – Medizinische Fachbildung unter Covid

„Die Entwicklung des Onlineunterrichts ist sagenhaft“ – Medizinische Fachbildung unter Covid

Hendrik Ott-Loffhagen ist Schulleiter der Medizinischen Berufsfachschule am Helios Park-Klinikum und Bildungszentrumleiter am Herzzentrum Leipzig. Zuvor war er viele Jahre als Intensivpflegekraft und später Praxisanleiter tätig. Für Menschen im Pflegeberuf hat er einen ganz besonderen Respekt. Ihren uneingeschränkten Optimismus bewundert er in dieser Zeit mehr denn je.

„Alles, was die Themen Aus-, Fort- und Weiterbildung tangiert, geht über meinen Tisch. Das Bildungszentrum leite ich seit seiner Gründung vor sechs Jahren, vor eineinhalb Jahren kam die Schule dazu“, erzählt Hendrik Ott-Loffhagen. Examinierter Krankenpfleger, Schichtleiter, Praxisanleiter, Studium der Medizinpädagogik – seit er 2002 ins Herzzentrum kam, zeigt sein Weg die unbändige Begeisterung für den Pflegeberuf. Diese bringt er aktiv in die Aufbauprozesse der beiden Bildungseinrichtungen ein – mit Erfolg: „Ich wage zu behaupten, dass wir mit unseren Seminarangeboten eines der größten Bildungszentren der Region sind. Ich bin schon stolz auf die Arbeit des gesamten Teams, dass wir das in der Fülle und Qualität anbieten können. Allein die Angebotsbreite und Qualität unserer Reanimationstrainings am Klinikstandort sprechen für sich.“ Diese Führungs- und Entwicklungskompetenz wird in der Pandemie besonders sichtbar.

Schulungen sollten Sicherheit geben

Ott-Loffhagen

Anfang 2020 verändert sich im Bildungszentrum, dem Ort für Fort- und Weiterbildung, auf einen Schlag alles. „Es war ab einem gewissen Punkt komplett geschlossen. Also haben wir innerhalb von zwei, drei Tagen alles abgesagt, was wir geplant hatten“, erinnert sich Hendrik Ott-Loffhagen zurück, „da waren viele Sachen dabei, die uns wirklich wehtaten. Veranstaltungen, auf die wir hingearbeitet haben und sie nicht durchführen konnten.“ Was folgt, ist die Vorbereitung auf die schlimmste anzunehmende Entwicklung des Pandemiegeschehens: Auffrischungskurse, Schulungen zum Umgang mit Schutzausrüstung, Geräteeinweisungen. Der Fokus liegt auf der Maximierung der Anzahl einsetzbarer Intensivpflegekräfte und deren covid-spezifischer Fertigkeiten. Aus anderen Ländern weiß man, dass auch viele Pflegefachkräfte, Ärzte und Therapeuten sich infiziert hatten – dieses Risiko soll durch das Training geringgehalten werden. „Die Schulungen waren essentiell, um den Leuten Sicherheit zu geben. Und das war alles in der Phase als es hier noch nicht heiß herging, sondern wir uns quasi im Vorbereitungsmodus befanden.“ Man kannte die drastischen Bilder aus Norditalien, wo ab einem gewissen Punkt alle Respiratoren aufgebraucht waren und triagiert werden musste, „davor hatten wir relativ große Angst – bis heute im März 2021.“

Online-Unterricht trotzt Pandemie

Broschüre

Die medizinische Berufsfachschule unterliegt indes den Regularien des Kultusministeriums. Schnell wird klar, dass die Pflegeausbildung durch den massiven Bedarf examinierter Kräfte eine Sonderstellung genießt. So findet der Unterricht weiterhin statt – mal online, mal in Präsenz, mal im Wechselmodell. „Die Auszubildenden waren nervös, das hat man gemerkt. Der Unterricht fand zwar statt, aber man hatte das Gefühl, keiner kann sich wirklich darauf konzentrieren.“ Mit Hilfe der anpassungsfähigen, engagierten Lehrkräfte und einer umfangreichen technischen Aufrüstung durch die Geschäftsführung wird nach und nach ein Schulalltag nach Lehrplan ermöglicht. „Wir sind für alle Eventualitäten ausgerüstet. Die Schule ist komplett ausgestattet mit Konferenzsystemen“, sagt der Schulleiter stolz, „mir ist bewusst, dass das ein Riesenprivileg ist. Wir haben uns im Lehrerteam gegenseitig unheimlich unterstützt. Die Entwicklung des Onlineunterrichts ist sagenhaft.“ Als es am Schuljahresende auf die Abschlussprüfungen zugeht, werden Hendrik Ott-Loffhagen und sein Team kreativ – „Wir haben kurzerhand die Turnhalle der Psychiatrie zum Prüfungssaal umfunktioniert.“

 

Als die zweite Welle Deutschland Ende 2020 überrollt sind Bildungszentrum und Berufsfachschule krisensicher aufgestellt. Nun geht es darum, die Vorbereitungen in die Tat umzusetzen. „Plötzlich war Corona nicht mehr nur ein Gespenst aus den Medien“, umschreibt der Schulleiter das Gefühl dieser Monate. Wie viele ehemalige Intensivpflegekräfte steht auch Hendrik Ott-Loffhagen phasenweise wieder selbst am Bett.

„Ich konnte die Leute nicht hängen lassen und fühle mich diesem Berufsstand so verbunden, dass ich einfach eingewilligt habe. Als ich dann den ersten Tag auf Station stand, fühlte sich das an wie nach Hause kommen.“

Hendrik Ott-Loffhagen, Abteilungsleiter Fort- und Weiterbildung

Zusammenhalt am ganzen Klinikstandort

Pflegedirektor Clemens Regenbrecht mit Schulleiter Hendrik Ott-Loffhagen

Obwohl Hendrik Ott-Loffhagen die Zeit als sehr bedrückend beschreibt, verdeutlicht sie ihm auch den besonderen Zusammenhalt im gesamten Standort, der im Alltag oft in Vergessenheit gerät. „Man macht sich zusammen auf die Reise. Sowohl das Leitungsteam als auch die Arbeitsteams gehen dabei sehr wertschätzend miteinander um – auch in solchen Druckphasen“, reflektiert er über den Pioniergeist der vergangenen Monate, „Ecken und Kanten gibt es überall, aber insgesamt hat sich wieder gezeigt, warum ich so gerne hier arbeite.“ Den uneingeschränkten Optimismus der Pflegekräfte bewundert er besonders. Als er eine befreundete Intensivpflegekraft kurz vor der zweiten Welle fragt, ob sie Sorge habe, dass alles auf einmal kommen könnte, antwortet sie: ‚Hendrik, du kennst du uns doch. Irgendwie läuft das schon. ‘